Kritik am Vergabesystem für die Spiele in der Schüco-Arena – Freude über Auswärtspunkt
Dauerkarten: Arminia-Fans verunsichert

Bielefeld (WB). Die Stimmung ist euphorisch, brillant, aufgeheizt, erwartungsvoll. Dazu trägt auch das 1:1 in Frankfurt bei. Die Augen glänzen, obwohl jeder Fußballfan weiß, dass Arminia Bielefelds erste Erstliga-Saison seit elf Jahren wieder einmal keine leichte wird. Doch welche Fans kommen überhaupt in den Genuss, eine oder gar mehrere Begegnungen in der Schüco-Arena live zu erleben? Wegen der instabilen Corona-Lage weiß das aktuell niemand. Der Verein sucht nach einer gerechten Lösung bei der Verteilung der Karten des stark reduzierten Kontingents.

Montag, 21.09.2020, 04:29 Uhr aktualisiert: 21.09.2020, 12:18 Uhr
Volles Haus in der Wunderbar: Über den ersten Auswärtspunkt des DSC Arminia in der Bundesligasaison 2020/2021 freuen sich die drei Bielefelder Fußballfans (von links) Michael Schmolke, Siegfried Koppert und Patrick Köhler. Foto: Markus Poch
Volles Haus in der Wunderbar: Über den ersten Auswärtspunkt des DSC Arminia in der Bundesligasaison 2020/2021 freuen sich die drei Bielefelder Fußballfans (von links) Michael Schmolke, Siegfried Koppert und Patrick Köhler. Foto: Markus Poch

Die Schnellsten sind dabei

Zum Auftakt seines Heimspielreigens gegen den 1. FC Köln probiert es der DSC nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ – solange der Vorrat reicht. Von den 26.515 verfügbaren Plätzen dürfen laut Corona-Schutzverordnung der Deutschen Fußballliga 20 Prozent, also 5300 Stück, in Umlauf kommen. Alle Interessenten müssen sich online beim Verein melden, aber nur die Schnellsten kriegen den Zuschlag. Angesprochen sind allerdings ausschließlich Dauerkarteninhaber. Davon gibt es bei Arminia aktuell rund 9700. Circa 4400 von ihnen gehen bei der jetzt favorisierten Vergabemethode also leer aus. Alle anderen, außer vielleicht wichtigen Sponsoren, haben derzeit sowieso keine Chance auf eine Karte.

Server könnte abstürzen

Doch bei aller Vorfreude auf Erstliga-Fußball im heimischen Stadion betrachten viele Dauerkartenbesitzer das Vergabesystem skeptisch. „Das Verfahren ist totaler Quatsch und viel zu kompliziert. Außerdem stürzt, wenn sich alle gleichzeitig einloggen, bestimmt der Server ab“, sagt Michael Schmolke, der den Saisonauftakt am Samstag mit Freunden in der Wunderbar verfolgte.

Seiner Meinung nach „wäre es „die einfachste Lösung, alle Dauerkarten in einen Topf zu schmeißen und dann 5300 Stück zu ziehen. Die Besitzer der 4400 Karten, die übrig bleiben, sind dann im nächsten Heimspiel dabei. Die restlichen Zuschauer des zweiten Heimspiels werden wiederum aus den 5300 Zuschauern des ersten Spiels gezogen und so weiter.“ Nach Berechnung des 48-jährigen Lagerarbeiters hätte mit dieser Methode jeder Dauerkartenbesitzer die Chance, jedes zweite Heimspiel sehen zu können. Auch Senioren, Kinder oder andere Personen ohne Internetzugang, die nach der vor dem Köln-Spiel praktizierten Methode kein einziges Heimspiel würden sehen können, hätten dann ihre Chance darauf.

„Doof und undurchsichtig“

Schmolkes Fußballfreund Siegfried Koppert, 55-jähriger Schichtkoordinator in einer Metallbaufirma, findet das praktizierte Vergabesystem vor dem Köln-Spiel einfach nur „doof und undurchsichtig“. Er befürchtet, dass selbst Freunde, die seit Jahren zusammen zur Alm gehen und jetzt das Glück haben, beide ins Stadion gelassen zu werden, auf keinen Fall zusammen sitzen werden. Zur Planung, dass Arminenfans sich zwischen den beiden Top-Heimspielen gegen Bayern und Dortmund für eines entscheiden müssen, sagt Koppert: „Das ist nicht gerade der Knaller.“ Sein Kumpel Michael Schmolke ergänzt: „Was macht Arminia eigentlich, wenn sämtliche Dauerkartenbesitzer das Spiel gegen die Bayern sehen wollen? Müssen dann die übrigen Fans gegen ihren Willen das Spiel gegen Dortmund gucken?“

„Ich kann damit leben, dass ich nicht bei jedem Heimspiel dabei sein kann“, sagt Dauerkartenbesitzer Stephan Hebrock. Der 46-jährige kaufmännische Angestellte verfolgte Arminias 1:1 bei der Frankfurter Eintracht in der Kneipe Heimat + Hafen. „Aber das Vergabesystem müsste transparenter und vor allem fair sein. Eine Verlosung unter den Dauerkartenbesitzern halte ich für gerechter.“

Für Kevin Müller, 42-jähriger Industriekaufmann, und seine Partnerin Sarah Leck, 40-jährige Bilanzbuchhalterin, ist jedes Heimspiel der Arminen von besonderer Bedeutung. Denn die beiden hatten sich vor 14 Jahren „bei einem langweiligen 0:0 gegen Wolfsburg“ auf der Alm kennengelernt. Die erste Auswärtspartie der neuen Saison erlebten sie vor einer Großbildleinwand in der Bar Celona. Um den Saisonauftakt in Bielefeld nicht zu verpassen, wollen sie von zwei unterschiedlichen Rechnern aus versuchen, ihre Kartenwünsche anzubringen.

„Das Los wäre fair“

„Wer die beste Internetverbindung hat, soll Karten kriegen?“, fragt Sarah Leck. „Fair ist das sicher nicht! Das Los wäre fair. Dann hat jeder die gleiche Chance. Außerdem sollte jeder Dauerkarteninhaber einen zweiten nach seiner Wahl mitnehmen dürfen.“ Ihr Partner Kevin Müller spricht von einer „schwierigen Situation“. Für den DSC sei es schwer bis unmöglich, es allen recht zu machen. „Aber was ist eigentlich mit den Sponsoren?“, fragt er. „Wenn Sponsoren ins Stadion dürften und Fans dafür nicht – das wäre ganz mies.“

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