Der programmatische Auftakt der Kunsthallen-Direktorin Christina Végh
Menschen neugierig auf Kunst machen

Bielefeld (WB). Es hat eine Weile gedauert, bis Christina Végh, seit Februar dieses Jahres die Direktorin der Kunsthalle, ihre programmatischen Leitlinien für die Neuausrichtung der Kunsthalle vorlegte. Dienstag war es dann endlich so weit. Zwar kennt man Maximen wie Kunst müsse einen Beitrag in der Diskussion aktueller gesellschaftlicher Themen leisten und die Frage sei dabei, wie historische Werke aus der Sammlung in Verbindung mit zeitgenössischen Diskursen neu gesehen werden könnten, bereits aus Véghs Antrittsrede. Gleichwohl nehmen diese Leitlinien nunmehr Gestalt an.

Mittwoch, 23.09.2020, 06:00 Uhr
„Besonders in Zeiten der Pandemie ist die Frage nach dem Raum, in dem wir leben, aktueller denn je“, betont Christina Végh. Am Dienstag legte die Direktorin der Kunsthalle Bielefeld ihre programmatischen Leitlinien dar. Foto: Thomas F. Starke
„Besonders in Zeiten der Pandemie ist die Frage nach dem Raum, in dem wir leben, aktueller denn je“, betont Christina Végh. Am Dienstag legte die Direktorin der Kunsthalle Bielefeld ihre programmatischen Leitlinien dar. Foto: Thomas F. Starke

Zum Beispiel durch eine künstlerische Intervention im Stadtraum, sprich einer Plakataktion, die der Ausstellung von Monica Bonvicini (10. Oktober bis 17. Ja­nuar) vorausgeht. Oder durch die Gegenüberstellung der Skulptur „Der Denker“ von Auguste Rodin mit Werken des zeitgenössischen Fotografen Jeff Wall. Hier, so die Direktorin, würden Spannungsfelder zwischen Museum und Stadtraum oder Geschichte und Gegenwart aufgespannt. Christina Végh: „Es ist mir wichtig, dass möglichst viele und möglichst unterschiedliche Menschen neugierig werden, da sie merken, dass Ausstellungen und Kunst etwas mit ihnen und ihrem Leben zu tun haben.“

Die Hose der Künstlerin

So könnte man sich etwa fragen, was die nachlässig auf den Boden geworfene Jeanshose, die aktuell auf zehn, im Stadtgebiet verteilten Plakatwänden abgebildet ist, mit einem selbst zu tun hat. „Es handelt sich um ein Kleidungsstück der Künstlerin selbst, die verbunden mit einer alltäglichen Geste oder Handlung, humorvoll den Raum für sich reklamiert“, erläutert Végh. Gerade in Zeiten der Pandemie sei die Frage nach dem Raum, in dem wir leben, aktueller denn je, so die Kunsthallen-Direktorin. Die Motive der Plakate werden auch in der Ausstellung „Monica Bonvicini – Lover’s Material“ eine Rolle einnehmen.

Mit Monica Bonvicini hat Christina Végh ihre kuratorische Arbeit in Bielefeld aufgenommen. Unterstützt wurde sie dabei seit Juni von Laura Rehme, die am Haus ein Volontariat absolviert. Sie wird insbesondere in der Direktion und den Bereichen Kuration und Öffentlichkeitsarbeit mitarbeiten und sich für den Wiederaufbau der Jungen Freunde einsetzen. Zuvor war Rehme für das Videokunstprojekt Videocity Basel tätig und arbeitete im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und dem Bucerius Kunst Forum mit. Während ihres Kunststudiums leitete sie den Kunstverein Art van Demon in Heidelberg.

Sanierung des Hauses ab 2024

Seit September ist zudem Dr. Linda Walther als Kuratorin der Kunsthalle tätig. Sie hat Kenntnis und Erfahrung sowohl in der klassischen Moderne als auch in der Gegenwartskunst. „Sie wird in beiden Bereichen tätig sein, wobei insbesondere auch der Skulpturenpark in ihrem Verantwortungsbereich liegen wird“, sagt Christina Végh. Nach ihrer Promotion zu dem Werk von Thomas Schütte war sie Teil des kuratorischen Teams der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf.

Dr. Henrik Mund ist seit 2012 am Haus und wird weiterhin als Kuratorin für die klassische Moderne und die Kunst nach 1945 tätig sein.

Die anstehende Sanierung des Johnson-Gebäudes ist frühestens Anfang 2024 zu erwarten. „Es finden regelmäßige Sitzungen mit dem Bauherrn, der Stadt Bielefeld, statt“, sagt Végh. Dabei würden die Bedürfnisse und Erfordernisse für die baulichen Maßnahmen erarbeitet, um die europaweite Ausschreibung in die Wege zu leiten. Christina Végh: „Im Gegensatz zur unvorbereiteten Schließung im Lockdown werden die Sanierung und vorübergehende Schließung des Hauses gut vorbereitet sein.“ Der Zeit der temporären Schließung sieht sie gelassen entgegen. Genaue Projektideen gibt es indes noch nicht. Nur so viel: „Mir schwirren verschiedene Ideen im Kopf herum. Es wird interessant und spannend.“

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