Bielefelder Mediziner sitzt seit Dienstag in Untersuchungshaft
Arzt soll Patientinnen in Klinik vergewaltigt haben

Bielefeld (WB). Das Amtsgericht Bielefeld hat am Dienstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen einen Krankenhausarzt erlassen. Der Mediziner steht nach WESTFALEN-BLATT-Informationen im Verdacht, an seinem Arbeitsplatz in der Klinik mehrere Patientinnen vergewaltigt und diese Taten gefilmt zu haben.

Mittwoch, 23.09.2020, 02:00 Uhr
Eventuell stehen die mutmaßlichen Taten im Zusammenhang mit Untersuchungen in einem MRT wie diesem. Foto: Huang
Eventuell stehen die mutmaßlichen Taten im Zusammenhang mit Untersuchungen in einem MRT wie diesem.

Bereits im Frühjahr in Verdacht?

Der Facharzt soll am Evangelischen Klinikum Bethel beschäftigt sein. Angeblich geriet er bereits im Frühjahr in Verdacht, allerdings zunächst nicht in Bezug auf Sexualstraftaten. Damals soll es um den Vorwurf gegangen sein, er habe Frauen, die im Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT) untersucht werden sollten, Medikamente gegeben, die in keinem Zusammenhang mit der Untersuchung gestanden haben sollen. Die Kripo Bielefeld ermittelte deshalb zuerst nur wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen den Mediziner. Die Vorwürfe schienen sich allerdings lange nicht erhärten zu lassen. Nach Informationen dieser Zeitung soll der Polizei dann Anfang dieser Woche der Durchbruch gelungen sein. Auf Datenträgern, die bei einer Hausdurchsuchung des Bielefelders sichergestellt worden waren, entdeckten die Ermittler belastendes Material – Bilder, die die Auswerter nicht erwartet hatten: Angeblich zeigen sie, wie der Mediziner Patientinnen missbraucht, er selbst soll die Videos gemacht haben.

Genaue Zahl der mutmaßlichen Opfer nicht bekannt

Die genaue Zahl der mutmaßlichen Opfer ist noch nicht bekannt, weil unklar ist, ob alle Taten gefilmt wurden. Die bisher ausgewerteten Videos sollen allerdings mehr als zehn Frauen zeigen, angeblich sind sie inzwischen identifiziert. Nach unbestätigten Angaben soll der Arzt die Patientinnen sediert haben, bevor er sie vergewaltigt haben soll.

Informationen, wonach der Arzt bereits im Frühjahr nach dem Aufkommen der Vorwürfe vom Krankenhaus freigestellt wurde, waren bisher nicht zu verifizieren. Sein Name taucht aktuell aber nicht mehr auf der im Internet veröffentlichten Ärzteliste des Krankenhauses auf.

In seiner Wohnung festgenommen

Nachdem die Kripo die Missbrauchs-Bilder kannte, wurde der Arzt umgehend in seiner Wohnung festgenommen, und die Staatsanwaltschaft erwirkte den Haftbefehl. Ob sich der Arzt bei der Polizei oder dem Haftrichter zu den Vorwürfen geäußert hat, wurde nicht bekannt. Vom Krankenhaus war am Dienstagabend keine Stellungnahme zu dem Fall mehr zu bekommen.

Ärzte, die Patientinnen betäuben, um sie zu missbrauchen – solche Fälle gibt es immer wieder. 2016 verurteilte das Landgericht Bamberg einen Chefarzt zu fast acht Jahren Haft und fünf Jahren Berufsverbot. Er hatte laut Gericht zwölf Frauen mit Midazolam sediert und vergewaltigt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7597259?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Bundespräsident macht Bevölkerung Mut
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier setzt sich einen Mund-Nasen-Schutz auf.
Nachrichten-Ticker