Naturschützer lehnen Pläne als ökologisch sinnlos ab – Anlieger wollen Flächen dafür gar nicht hergeben
Keine Chance für den Johannissee

Bielefeld (WB). Aus Sicht der Initiative „Mein See für Bielefeld“ geht beides: Ein See in der unteren Johannisbachaue, der sowohl Badegewässer wäre als auch Naturreservat – mithin ein ökologisch wertvollerer Raum als der, den die Politik für das Areal unterhalb des Obersees geplant habe. Dem widersprechen Naturschützer: Sowohl der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) als auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wenden sich ein weiteres Mal gegen die Pläne – die letztlich an den Anwohnern scheitern werden.

Donnerstag, 24.09.2020, 04:00 Uhr
Unterhalb des Obersees, hinter dem Viadukt, soll nach den Wünschen einer Initiative ein weiterer See entstehen. Naturschützer sind dagegen, auch der Rat hat längst abgewunken. Foto: Starke
Unterhalb des Obersees, hinter dem Viadukt, soll nach den Wünschen einer Initiative ein weiterer See entstehen. Naturschützer sind dagegen, auch der Rat hat längst abgewunken. Foto: Starke

Für Dr. Jürgen Albrecht, Vorsitzender des Nabu-Stadtverbandes, ist der Vorschlag der Initiative um Initiator Axel Schubert, einen See aufzustauen, ein „Griff in die Mottenkiste“, der Versuch, den längst abgewunkenen Untersee an gleicher Stelle mit einem neuen Namen wiederzubeleben. „Ganz abgesehen von den vielen landschafts- und naturkundlichen Gegenargumenten: Die Wasserqualität eines künstlichen Flachgewässers in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft ist komplex und schwer steuerbar“, sagt Albrecht. Die vielfältigen Nährstoffeinträge aus der Luft und aus den zuströmenden Bächen mit ihren Einträgen von landwirtschaftlichen Flächen, Stoffeinträge aus Fehl- und Mischwassereinleitung lieferten schwerwiegende Risiken für die Wasserqualität.

Wertvolle Bachaue würde zerstört

Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND Bielefeld reagierte „entsetzt“ auf den neuerlichen Vorstoß der Initiative, den so genannten Johannissee wieder ins Spiel zu bringen, bevor er durch die geplante Änderung des Regionalplans endgültig vom Tisch wäre. „Was ist an diesem künstlichen Freizeitsee ökologisch, der einen naturnahen Bachlauf und seine wertvolle Bachaue zerstört“, fragt der Umweltschützer. Zudem bringe das Konzept nichts Neues, es entspreche nur leicht modifiziert dem 2014 von der Initiative präsentierten Projektplan. Von einer ökologischen Aufwertung könne nicht die Rede sein, die naturnahe Aue würde im Bereich des Sees vielmehr „vollständig zerstört“, sagt Niemeyer-Lüllwitz.

Er verweist auf die Entscheidung des Rates vor vier Jahren, die See-Planung abzuweisen und statt dessen ein Naturschutzgebiet auszuweisen. Niemeyer-Lüllwitz kritisiert indes die lange Zeit, die die Behörden für die Änderung des Regionalplans brauche, richtet seine Kritik auch an die Hochschule Lippe, die Studenten und Mitarbeiter in die Planungen zum Johannissee eingebunden habe, der aber „die Entscheidungen der Stadt zu diesem Projekt bekannt sein“ dürfe. Wie berichtet, hatte die Initiative „Mein See für Bielefeld“ erneut für einen 47 Hektar großen See zwischen Obersee und Grafenheider Straße geworben, der einen Badebereich sowie eine Naturfläche beinhalten soll.

See würde über Kanal-Hauptsammler liegen

Endgültig zum Scheitern bringt die See-Pläne unterdessen Grundstückseigentümer Hans-Dieter Prester, Mitglied des Nabu und langjähriges SPD-Ratsmitglied. Seine Fläche in der Aue reicht bis in den Johannisbach hinein, läge im Bereich des geplanten Sees. „Ich werde nicht verkaufen“, sagt er, und andere Grundstückseigentümer in der Aue sähen das genauso. Zudem ist er sicher, dass der Plan der Initiative nicht zu verwirklichen sei, schon deshalb, weil der See über einem Kanal-Hauptsammler läge, der aber nicht überbaut werden dürfe. Außerdem wolle die Initiative den Johannisbach verlegen – der dafür bergauf fließen müsste. „Dann müssten sie schon pumpen“, sagt der 77-Jährige, der seit Jahren die ökologische Weiterentwicklung der Aue mitbetreibt. Und die wolle er erhalten.

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