Pit Clausen (SPD) und Ralf Nettelstroth (CDU) diskutieren bei der IHK
Das letzte Duell: Klartext vor der Stichwahl

Bielefeld (WB). Vor Bielefelder Unternehmern haben Amtsinhaber Pit Clausen (SPD) und OB-Herausforderer Ralf Nettelstroth (CDU) am Donnerstag in der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen (IHK) über den Wirtschaftsstandort Bielefeld diskutiert. Es war das letzte Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten vor der Stichwahl am Sonntag. Der Schnellcheck:

Freitag, 25.09.2020, 06:15 Uhr aktualisiert: 26.09.2020, 06:22 Uhr
Ralf Nettelstroth (links) und Pit Clausen (rechts) antworteten auf die Fragen von Solveig Münstermann. Gastgeber waren IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven und Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke (von links). Foto: Bernhard Pierel
Ralf Nettelstroth (links) und Pit Clausen (rechts) antworteten auf die Fragen von Solveig Münstermann. Gastgeber waren IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven und Hauptgeschäftsführerin Petra Pigerl-Radtke (von links). Foto: Bernhard Pierel

Worum ging es?

Gewerbeflächen, Gewerbesteuern, Digitalisierung, Verkehr und Koalitionen – das waren die großen Themen, die Moderatorin Solveig Münstermann ansprach. IHK-Präsident Wolf D. Meier-Scheuven lieferte die Vorlage: „Die Wirtschaft ist in den vergangenen sechs Jahren vom Rathaus nicht immer auf Händen getragen worden.“ Zwei Gewerbe- und vier Grundsteuererhöhungen seien zuviel gewesen.

Schuldzuweisungen

Das wollte Clausen nicht auf sich sitzen lassen. Der Wirtschaft sei es richtig gut gegangen in den vergangenen Jahren. Es gebe inzwischen 158.000 sozialversicherungspflichtige Jobs in der Stadt. „Mehr als vor zehn Jahren.“ Diesen Erfolg habe sich die Wirtschaft selbst erarbeitet, meinte Nettelstroth. Für die Wirtschaftskraft Bielefelds sprächen die 270 Millionen Euro Gewerbesteuer, die zuletzt ans Rathaus geflossen seien. „Danke an die Unternehmer.“

Wurde gezündelt?

Ein wenig beim Thema Gewerbeflächen. 60 Hektar aktueller Bedarf, aber nur ein Hektar steht zur Verfügung. Klar, das Nettelstroth darauf einstieg und dies dem OB unter die Nase rieb. Im 21. Jahrhundert gehe es auch um Umwelt- und Klimaschutz, antwortete der. „Wir können nicht alles mit geschlossenen Augen zubetonieren.“

Kam es zum Schlagabtausch?

Bedingt. Sowohl Nettelstroth als auch Clausen sind zu tief verwoben mit den Themen der Bielefelder Kommunalpolitik, als dass sie in allen Punkten unterschiedliche Auffassungen verträten. Bei der Gewerbesteuer werden sie sichtbar. Die 480 Hebesatzpunkte in Bielefeld sind für Clausen nicht über dem Schnitt vergleichbarer NRW-Großstädte, also angemessen. Nettelstroth hält nichts von landesweiten Vergleichen: „Was ist der relevante Markt? Das ist OWL! An den Nachbarn müssen wir uns orientieren.“

Wer bot das beste Zitat?

„Ich lege den Jahnplatz nicht ganz lahm. Das hat der Oberbürgermeister schon ganz allein hinbekommen“, so Nettelstroth in der Debatte über den umstrittenen Platzumbau. „Der Durchgangsverkehr muss nicht immer über den Jahnplatz gehen“, meinte Clausen. Der Platz werde aber ein Verkehrsknoten bleiben, etwa für den ÖPNV. Nicht 900 Busse wie jetzt, sondern 1200 würden den Platz künftig queren.

Wer mit wem?

Dass die Grünen für ihn keine klare Wahlempfehlung abgegeben haben, nahm Clausen gelassen hin: „War 2014 auch schon so.“ Welche Koalitionspartner er sich wünscht? „Die Karten werden nach dem Wahlsonntag gelegt“, gab er sich vielsagend. Nettelstroth würde als OB auf die große Koalition mit den Sozialdemokraten setzen: „Das wäre die Mehrheit, die ich anstrebe.“

Nettelstroth über Clausen

„Clausen ist ein Moderator, ich bin ein Macher.“

Clausen über Nettelstroth

„Er ist seriös und ernsthaft. So einen brauchen wir im Landtag.“ Zum Hintergrund: Sollte Nettelstroth nicht OB werden, könnte er in den Landtag nachrücken.

Erkenntnisgewinn

Beide Bewerber wollten noch einmal zeigen, was sie draufhaben. Das gelang. Es gab aber auch viele altbekannte Positionen zu hören. Also: Wer die Wahl hat...

Wurde geschmunzelt?

Am Ende ein bisschen, als Solveig Münstermann fragte, ob die Kontrahenten in einem „Bielefeld Tatort“ mitspielen würden. „Ja, aber nicht als Leiche“, so Nettelstroth. Clausen sieht sich eher in einem „Wilsberg“-Krimi. „Zusammen mit meinem Hund Scotty.“

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