OB holt 56,09 Prozent – Herausforderer rückt in Landtag nach
Dritte Amtszeit für Clausen – Trostpflaster für Nettelstroth

Bielefeld (WB). Es ist 18.37 Uhr, und weit mehr als die Hälfte der Stimmen sind auszählt. „Langsam kann ich mich entspannen“, sagt Pit Clausen (SPD), und um ihn herum im Nahariya-Raum des Alten Rathauses brandet Beifall auf. Zusammen mit engen Vertrauten verfolgt der alte und neue Oberbürgermeister den Ausgang der Wahl. Der Sieg ist Clausen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu nehmen. Am Ende sind es 56,09 Prozent, die für eine dritte Amtszeit Clausens gestimmt haben.

Montag, 28.09.2020, 06:10 Uhr
Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD, rechts) und Ehemann Tom Sopp freuen sich über den deutlichen Wahlsieg bei der Stichwahl. Auf dem Rathaus-Balkon bekommt auch Hund Scotty eine Extra-Streicheleinheit. Foto: Bernhard Pierel
Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD, rechts) und Ehemann Tom Sopp freuen sich über den deutlichen Wahlsieg bei der Stichwahl. Auf dem Rathaus-Balkon bekommt auch Hund Scotty eine Extra-Streicheleinheit. Foto: Bernhard Pierel

69 Prozent im Stadtbezirk Mitte

Eingefahren hat Clausen seinen Sieg vor allem in den Stadtbezirken Mitte, Gadderbaum und Schildesche. Allein in Mitte stimmten 69 Prozent für den Amtsinhaber. Herausforderer Ralf Nettelstroth (CDU) liegt dagegen im Süden, in Heepen und in Stieghorst vorne. Aber am Ende kommt er nur auf 43,91 Prozent.

Damit wiederholt sich fast exakt das Ergebnis der Stichwahl von 2014, als CDU-Kreisvorsitzender Andreas Rüther gegen Clausen angetreten war und 44,1 Prozent für sich verbuchte. Mit 40,73 Prozent ist die Wahlbeteiligung aber diesmal um fast zehn Prozentpunkte höher. Vielleicht ist dies eine „positive Corona-Folge“, denn der Anteil der Briefwähler ist mit 66.000 sehr hoch.

„Anstrengender Wahlkampf“

„Es war ein anstrengender Wahlkampf“, sagt Clausen. Seine Partei habe in den vergangenen Wochen aber viel Engagement und Kreativität bewiesen. „Nur so war dieses Ergebnis möglich.“ Jetzt gebe es verschiedene Optionen, eine stabile Ratsmehrheit zu bilden. „Dabei wird es darauf ankommen, diejenigen, die neu in den Rat gekommen sind, erst einmal kennenzulernen.“ Gemeint sind damit wohl vor allem die neuen Mitglieder in der Linken-Fraktion und die beiden Vertreter der „Partei“, die von SPD und Grünen umworben werden. Auch mit der CDU werde man sprechen, so Clausen. „Heute Abend ist nicht der Moment irgendetwas auszuschließen.“

Nur wenige hundert Meter vom Alten Rathaus entfernt, in der Turnerstraße, ist die Parteizentrale der CDU. Dort warten Kandidat Ralf Nettelstroth und Parteivorsitzender Andreas Rüther erst einmal das letzte Stimmbezirk-Ergebnis ab, bevor sie an die Öffentlichkeit treten.

Zurück in den Landtag

„Ich habe viel Wechselstimmung in den vergangenen Wochen gespürt“, sagt Ralf Nettel­stroth. „Aber am Ende hat es nicht gereicht.“ Zufrieden ist er aber damit, dass er seinen Stimmenanteil gegenüber dem ersten Wahlgang noch einmal deutlich steigern konnte. Als Fraktionsvorsitzender will Nettelstroth weitermachen. Und weil er künftig die größte Ratsfraktion führen wird, leitet er daraus auch einen Anspruch ab, bei der Mehrheitsfindung ein Wörtchen mitzureden.

Nettelstroth wird aber an diesem Abend auch noch ein dickes Trostpflaster beschert. Weil zwei CDU-Landtagsabgeordnete nun Landräte werden und ihre Mandate zurückgeben, kann er in das Düsseldorfer Landesparlament nachrücken und will davon auch Gebrauch machen. CDU-Kreisvorsitzender Andreas Rüther dankt Nettelstroth für dessen Einsatz: „Dieser Wahlkampf fand wegen Corona unter deutlich erschwerten Bedingungen statt.“

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