Hunderte Eltern wollen ihre Kinder von zehn Bielefelder Schulen testen lassen
Chaos am Corona-Testzentrum

Bielefeld (WB). Eine Familienfeier in Bielefeld hat nicht nur den Betrieb an mittlerweile zehn Schulen teilweise lahm gelegt. Am Montag kam es in der Folge auch zu chaotischen Zuständen rund um das Corona-Testzentrum der Stadt und auf zwei Hauptverkehrsstraßen in der Nähe.

Montag, 28.09.2020, 19:56 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 20:06 Uhr
In einer langen Schlange warteten Bielefelder, um auf Corona getestet zu werden. Foto: Peter Bollig
In einer langen Schlange warteten Bielefelder, um auf Corona getestet zu werden. Foto: Peter Bollig

Fast 1000 der rund 1500 Quarantänefälle in Bielefeld gehen nach Angaben des Gesundheitsamts auf eine Familienfeier am 15. September in einer Wohnung zurück. „Es war ein Kommen und Gehen, und man war da nicht sehr vorsichtig“, beschreibt Bielefelds Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger die Feier, die den ganzen Tag gedauert haben soll. 30 Menschen sollen dabei aufeinandergetroffen sein, 38 haben sich infolge dieser privaten Veranstaltung infiziert – das Virus hat sich demnach inzwischen über den Kreis der Gäste hinaus verbreitet. „Es könnten noch mehr werden, wir haben noch nicht alle Kontakte nachverfolgt“, sagt Nürnberger. Aufgefallen sei das Infektionsgeschehen, als sich eine Frau kurz nach der Feier mit Beschwerden im Krankenhaus meldete.

Stadt erlässt Allgemeinverfügung

Unter den Infizierten sind etliche Kinder, die verschiedene Schulen besuchen, was die Lage für das Gesundheitsamt besonders schwierig macht. Bislang sind zehn Schulen betroffen. Rund 800 Schüler, 125 Lehrer und 25 Kräfte aus dem Offenen Ganztag wurden in Quarantäne geschickt. An einigen Schulen sind einzelne Klassen, an weiterführenden Schulen ganze Jahrgänge außer Gefecht gesetzt. Aufgrund des Umfangs können nicht alle Betroffenen telefonisch kontaktiert werden, die Quarantäne wird nun über eine Allgemeinverfügung angeordnet – eine Vorgehensweise wie im Kreis Gütersloh, nachdem sich Tönnies-Mitarbeiter massenhaft infiziert hatten.

Weil die Stadt übers Wochenende den Schülern das Angebot machte, sich am Montag oder Dienstag ohne Termin in einem Corona-Testzentrum auf einem früheren Kfz-Gelände an der Feldstraße aus dem Auto heraus testen zu lassen, brach dort schon am Montagvormittag das Chaos aus. Hunderte Eltern mit Kindern wollten das Angebot annehmen. Schon zur Öffnung des Testzentrums um 10 Uhr kam es zu Autoschlangen, die sich mehr und mehr auch auf die viel befahrene Herforder und die Eckendorfer Straße zurückstauten.

Zahl der Helfer aufgestockt

Ein Vater, der um 12 Uhr den Test seiner Tochter hinter sich gebracht hatte, nahm es mit Humor: „Wir mussten ja nur zwei Stunden warten.“ Überrascht von dem Angebot der Stadt an die Schüler und über die enorme Resonanz wurden auch die Helfer von Rotem Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund und Johannitern, die das Drive-In-Testzentrum mit ihrem Personal betreuen. Grundsätzlich sei das Aufkommen zu bewältigen, „aber das hier läuft unkoordiniert“, hieß es aus den Reihen der Helfer, die die Zahl der Mitarbeiter kurzfristig aufstocken mussten, um die Abläufe zu beschleunigen.

Ingo Nürnberger spricht von einem „Kommunikationsfehler“, der das Chaos ausgelöst habe. Eigentlich sollte erst im Laufe des Montags darüber entschieden werden, ob und wie Schüler getestet werden sollen. „Das war dann aber über die Schulen schon am Sonntag so rausgegangen, ohne konkrete Termine zu nennen.“

Nach dem Chaos von Montag sollen Schüler im Corona-Testzentrum am Dienstag nun die Möglichkeit bekommen, sich diesmal geordnet testen zu lassen. Das Drive-In-Zentrum wird auf vier Teststraßen aufgerüstet, die Tests werden zeitlich geordnet je nach Anfangsbuchstabe des Nachnamens vorgenommen: Von 10 bis 12 Uhr die Buchstaben A bis E, 12 bis 13.30 Uhr F bis J), 13.30 bis 15 Uhr K bis O, 15 bis 16.30 Uhr P bis T und 16.30 bis 18 Uhr U bis Z. Trotz dieser Vorgehensweise kann es zu Wartezeiten kommen.

Die Corona-Zahlen

Unterdessen meldet die Stadt für Montag (Stand 15 Uhr) keine Neuinfektion, kündigt für Dienstag aber 17 weitere an, die von der Statistik noch nicht erfasst wurden. Ohne diese zusätzlichen Fälle sind aktuell 70 Menschen infektiös, seit Beginn der Pandemie gab es damit 883 positiv getestete Bielefelder, 38 im Zusammenhang mit der Familienfeier, 114 als infizierte Reiserückkehrer. Von den positiv Getesteten sind 804 genesen – vier mehr als am Vortag. Aktuell sind 569 Personen in Quarantäne, 30 mehr als am Vortag. Die rund 950 Schüler und Lehrer sind noch nicht mit eingerechnet. Am Dienstag soll deren Quarantäne per Allgemeinverfügung angeordnet werden.

Die Neuinfektionsrate der letzten sieben Tagen liegt nun bei 16,8 pro 100.000 Einwohner, das entspricht 56 Neuinfizierten. Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger sieht diesen Wert als unkritisch; ab einem Wert von 35 müssen Behörden besondere Gegenmaßnahmen einleiten.

 

Kommentare

Hermann  schrieb: 29.09.2020 09:35
Wie seit Jahren allmorgendlich vor den Schulen. Der vergangene "Freitag für die Zukunft" scheint bereits vergessen. Wie wär's mal mit dem Rad, per pedes oder gar mit dem ÖPNV, obwohl Letzterer heute mangels (m. E. grundsätzlich berechtigterweise) streikender "systemrelevanter Menschen") nicht zur Verfügung stehen wird.

Vorschlag zur Güte:
"Coronavirus-Pandemie for Klima": ein Jeder, dem es eben möglich erscheint, läuft oder radelt zum Test; vor Ort benehmen sich alle und beachten die Schutzregeln. Und die Stadtverwaltung regelt den Zu- und Ablauf (ggf. doch eher eine Terminvergabe) sowie den Aufenthalt vor Ort. Wir alle müssen "Klimaschutz" endlich ernst nehmen und nicht nur als Worthülse politisch korrekt hier und da benutzen (v. a. im Rahmen etwa von Kommunalwahlen).

"Der Rat der Stadt hat [...] am 11. Juli 2019 [...] den Klimanotstand für Bielefeld erklärt. [...] Klimakrise und ihre schwerwiegenden Folgen [...] Aufgabe von höchster Priorität [...]." (vgl. https://www.bielefeld.de/de/un/kn/)

Bleibt zu hoffen, dass sich aktuell nicht allzu viele Menschen infiziert haben.
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