Kritische Corona-Marke wird in Bielefeld nicht erreicht – 27 Feiern am Wochenende bereiten Sorge
Krisenstab gibt vorerst Entwarnung

Bielefeld (WB). An diesem Wochenende haben viele Bielefelder einen Grund aufzuatmen. Nach der Quarantäneanordnung für fast 1000 Schüler und Lehrer liegen die Ergebnisse der Corona-Reihentests von Montag und Dienstag vollständig vor, und fast alle sind negativ getestet worden. Und weil die kritische Marke von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner nun doch nicht erreicht wird , können am Wochenende 27 größere Privatfeiern wie geplant stattfinden.

Samstag, 03.10.2020, 06:09 Uhr
Konferenz im Besprechungsraum des Krisenstabs: Dessen Leiter Ingo Nürnberger sowie Barbara Busch-Viet (rechts), Leiterin der Corona-Abteilung, und Stadtsprecherin Gisela Bockermann sind angesichts sinkender Zahlen ein Stück weit erleichtert. Foto: Bernhard Pierel
Konferenz im Besprechungsraum des Krisenstabs: Dessen Leiter Ingo Nürnberger sowie Barbara Busch-Viet (rechts), Leiterin der Corona-Abteilung, und Stadtsprecherin Gisela Bockermann sind angesichts sinkender Zahlen ein Stück weit erleichtert. Foto: Bernhard Pierel

Durchatmen können auch die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes: Die Folgen der Familienfeier vom 15. September sind abgearbeitet, mögliche Kontakte zurückverfolgt. Die Bilanz aus der Zusammenkunft von 30 Menschen: 74 Corona-Infizierte, darunter elf Personen, die nicht zur Familie gehören, fast 1000 Schüler und Lehrer aus elf Schulen in Quarantäne, Massentests samt Verkehrschaos rund ums Testzentrum Anfang dieser Woche. Aber die gute Nachricht: „Von den 16 Neuinfizierten am Freitag steht keiner im Zusammenhang mit der Feier“, sagt Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger.

Sechs Schüler betroffen

Das bedeutet: Über die am Donnerstag schon gemeldeten sechs infizierten Schüler hinaus gibt es keine weiteren Corona-Fälle an den elf betroffenen Schulen. Diese sechs gehen auf die Diesterwegschule und die Martin-Niemöller-Gesamtschule. Für einzelne Klassen dort bedeutet das, dass ihre Quarantäne um zwei Tage verlängert wird. Die betroffenen Schüler seien informiert. Aber auch alle negativ getesteten Jungen und Mädchen müssen die angeordnete Quarantäne weiter befolgen.

Es sei das erste Mal im Zuge der Pandemie, dass das Virus innerhalb von Schulklassen weitergereicht wurde. Nürnberger zeigt die geringe Zahl von sechs betroffenen Schülern angesichts des Umfangs der betroffenen Schüler, dass die bisherigen Maßnahmen an den Schulen zum Schutz vor Ansteckung funktionierten.

Durch die 16 Neuinfektionen ist der Inzidenzwert auf 33,9 gestiegen. Das Gesundheitsamt weiß aber bereits: „Die Zahl sinkt am Samstag auf 30,9“, sagt Ingo Nürnberger. Sie liege damit wieder deutlicher unter der kritischen Marke von 35, ab der Einschränkungen gelten. So können auch die fürs Wochenende angemeldeten 20 Privatfeiern mit mehr als 50 und sieben mit mehr als einhundert Teilnehmern stattfinden, die sonst auf maximal 50 hätten heruntergefahren werden müssen. Weil die Infektionszahlen des Veranstaltungstages entscheidend sind, hätte bei den großen Partys schlimmstenfalls sehr kurzfristig zwei von drei Gästen abgesagt werden müssen.

Schüler sollen weiter Masken tragen

Diese Feiern bereiten dem Krisenstab allerdings „große Sorge“, so Nürnberger, weil gerade solche Partys die Corona-Zahlen zuletzt nach oben getrieben haben. Er appelliert an die Teilnehmer: „Feiern Sie mit Augenmaß.“ Die Menschen sollten sich bewusst machen, „dass sie Schaden anrichten können“. Beim Appell soll es aber nicht bleiben. „Wir werden kontrollieren“, kündigt der Krisenstabsleiter an. Mitarbeiter des Ordnungsamtes werden prüfen, ob die gemeldeten Namenslisten korrekt sind, die erlaubte Höchstzahl von 150 Teilnehmern eingehalten wird und der Anlass der Feier, der zwingend bei der Anmeldung angegeben werden musste, überhaupt vorliegt.

Eine Empfehlung richtet Ingo Nürnberger auch an die Schulen, die auf das Tragen von Masken jetzt nicht verzichten sollten, etwa wenn sich Schüler durch den Klassenraum und über Gänge bewegen, gegebenenfalls auch wenn sie am Platz sitzen. „Das gilt auch für Lehrer in den oft engen Lehrerzimmern.“

Eine Allgemeinverfügung für den Fall, dass die 35er-Grenze überschritten wird, wurde nicht ausgearbeitet. Die Regelungen der neuen Coronaschutzverordnung des Landes reichen Nürnberger zufolge aus – es sei denn, das Infektionsgeschehen erfordere besondere Maßnahmen wie etwa ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Trotz der Entspannung ist er alarmiert: „Die Zahlen sind viel zu hoch, weil jetzt der Herbst auf uns zukommt“, sich Menschen zusammen in Räumen aufhielten und das Ansteckungsrisiko zunehme.

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