Von Bielefeld nach Hannover in 31 Minuten?
Trassenplanung beginnt noch 2020

Bielefeld/Vlotho (WB). Die Deutsche Bahn AG plant seit Jahren eine schnelle ICE-Trasse zwischen Bielefeld und Hannover, um Reisen in Richtung Berlin und zurück zu verkürzen. Das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur will noch in diesem Jahr die Trassenplanung in Auftrag geben. Das sagte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär und Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, dem WESTFALEN-BLATT. Eine Aussage zum Trassenverlauf sei derzeit aber noch nicht möglich, erklärte er.

Dienstag, 20.10.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 20.10.2020, 09:08 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
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Die Idealllinie der schnellsten ICE-Trasse führt von Bielefeld über Vlotho Richtung Hannover.

Die Idealllinie der schnellsten ICE-Trasse führt von Bielefeld über Vlotho Richtung Hannover.

Nach den Vorgaben des Deutschlandtaktes soll die Fahrt von Bielefeld nach Hannover 31 Minuten dauern, derzeit sind es 49 Minuten. Um die Vorgabe zu schaffen, müsste eine möglichst gerade, etwa 90 Kilometer lange Trasse gebaut werden. Sie würde durch Vlotho führen, um dann in Kalletal die Weser zu queren.

31 Minuten über Vlotho

Eine von der Initiative Deutschlandtakt erneut in die Diskussion gebrachte Alternative ist der Ausbau der vorhandenen Strecke zwischen Bielefeld und Bad Oeynhausen und eine daran anschließende Neubaustrecke Richtung Hannover. Diese Alternative hat zwei Vorteile gegenüber der komplett neuen Trasse: 30 Kilometer weniger Neubaustrecke und eine Verkürzung der Fahrzeit Amsterdam – Osnabrück – Hannover um 15 Minuten. Aus Sicht der Deutschen Bahn gibt es aber ein Hindernis: Die Fahrt dauerte dann 36 Minuten und nicht 31 Minuten, wie es der Ende Juni von Bundesverkehrsminister Scheuer veröffentlichte Zielfahrplan für den Deutschlandtakt vorgibt. Der Grund für die um fünf Minuten längere Fahrzeit: Nach einem Ausbau des vorhandenen Abschnittes zwischen Bielefeld und Bad Oeynhausen kann dort nur mit maximal 180 km/h gefahren werden, erst auf der anschließenden Neubaustrecke mit Tempo 300. Die angestrebten 31 Minuten sind nur mit einer komplett neuen Trasse über Vlotho zu erreichen.

Bürgerinitiative gegründet

Enak Ferlemann: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist keine Aussage möglich, wo die Trasse verlaufen wird.“ Bei den nun anstehenden Planungen sollten die Anforderungen des Deutschlandtakts berücksichtigt werden. Die DB Netz AG sei im Zuge der Planung einer Vorzugsvariante rechtlich gehalten, „alle mit Blick auf die Verkehrsziele ernsthaft in Betracht kommenden Alternativen hinsichtlich ihrer raumordnerischen Vorzugswürdigkeit sowie ihrer Eignung und möglicher Auswirkungen auf die Schutzgüter Mensch, Natur und Umwelt zu prüfen“. Erst im Kontext der Planungen könnten Angaben zur Umweltverträglichkeit sowie zu konkreten Baukosten, Planungs- und Bauzeiten gemacht werden.

Dass Vlotho von einer ICE-Neubautrasse betroffen sein könnte, ist dort erst vor knapp einem Monat bekannt geworden. In dieser Woche soll eine Bürgerinitiative gegründet werden. Die Versammlung findet unter Corona-Schutzbedingungen in einer großen Fabrikhalle statt.

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