Landgericht verhandelt Unterlassungsklage
Ditib: Journalist soll schweigen

Bielefeld (WB). Zwei Parteien, die sich schon seit Jahren beharken, treffen an diesem Freitag vor dem Landgericht aufeinander: der freie Bielefelder Journalist Cengiz Kalinci und der Verein Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, besser bekannt als Ditib. Per Unterlassungsklage will die Ditib die kritische Berichterstattung des 51-Jährigen gerichtlich verbieten lassen. Die öffentliche Verhandlung beginnt um 9.30 Uhr.

Donnerstag, 22.10.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 22.10.2020, 06:46 Uhr
Der freie Bielefelder Journalist Cengiz Kalinci (51).

Cengiz Kalinci ist Muslime und deutscher Staatsbürger mit türkischen Wurzeln, lebt seit 40 Jahren in Bielefeld, arbeitet als Zerspaner. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter, die beide auf Lehramt an der Universität Bielefeld studieren. Die Türkei schätzt er als seinen Herkunfts- und auch als Urlaubsort. Ansonsten fühle er sich als Deutscher durch und durch, sagte er dem WESTFALEN-BLATT.

Kritisch steht er der Ditib gegenüber und den Moschee-Vereinen, die ihr in Deutschland untergeordnet sind. Seine Meinung – auch gegen die islamistische, als besonders demokratiefeindlich bekannte Bewegung Milli Görüs – verbreitet Kalinci seit 2018 als Inhaber der türkischsprachigen Online-Zeitung Gurbet Postasi Haber. Und da bekam auch schon die Führungsetage der Brackweder Vatan-Moschee, die ebenfalls zu Ditib gehört, wegen angeblich unsauberer Buchführung ihr Fett weg. Genau darum geht es nun dem Ditib-Dachverband vor Gericht. Im Rahmen einer einstweiligen Verfügung hatte dieser im Juni 2019 bereits eine Niederlage gegen Kalinci erlitten.

Aufbau von Parallelgesellschaften

„Die Ditib in Deutschland wird von der Türkei aus gesteuert“, sagt der Journalist. Ihr Ziel sei, die deutsche Demokratie durch den Aufbau von Parallelgesellschaften zu untergraben – so ähnlich, wie das gerade in Frankreich zu sehen sei. Er nennt die verantwortlichen Mitglieder der Ditib „Religionshändler, die verhindern wollen, dass Deutsche und Türken in Deutschland eine gemeinsame Lebenskultur entwickeln“. Wer sich dieser Planung in den Weg stelle oder versuche, sich zu integrieren, werde bedroht.

Cengiz Kalinci, seit 2004 Mitglied des Vereins Vatan-Moschee, sieht sich als einen der wenigen Aufklärer, die sich trauen, die deutsche Gesellschaft über diese komplexen Umstände in Kenntnis zu setzen. „Muslimische Türken, die in Deutschland leben, sollen Deutschland als ihre Heimat anerkennen und nicht die Türkei“, fordert er. „Mit dem Körper in Deutschland, mit dem Kopf in der Türkei – das geht doch nicht.“

Wenn die Medien in Deutschland nicht gegen die Macht der Ditib vorgingen, dann werde diese immer größer und Integration irgendwann nicht mehr möglich sein, befürchtet der Journalist, der nach eigenen Angaben bereits unter Repressalien zu leiden hat. „Ich werde wegen meiner kritischen Äußerungen gegen die Ditib bedroht, und es wird versucht mich einzuschüchtern“, betont Kalinci. Erschwerend komme für ihn hinzu, dass die Ditib ihn in der islamischen Gemeinde verleumde und eine negative Propaganda gegen ihn verbreite.

An dieser Stelle hätte der Vorstand der Vatan-Moschee im Vorfeld des Gerichtstermins seine Position erläutern können. Er äußerte sich dazu jedoch nicht.

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