Hilfe für Patienten mit Symptomen eines Infektes – Teststelle für Corona-Kontakte
Hausärzte planen zentrale Anlaufstelle

Bielefeld (WB). Die Hausärzte stehenmit dem Rücken zur Wand, zuviel stürmt derzeit auf sie ein. „Eigentlich benötigen wir Zweierlei: eine Teststation für Corona-Kontakte, vergleichbar der für Urlauber, und eine Anlaufstelle für Patienten mit einem Infekt“, sagt Dr. Dr. Rainer Wienkamp. Letzteres will das Ärztenetz Bielefeld, eine Initiative niedergelassener Mediziner, auf den Weg bringen. Denn eine Entlastung der Praxen tut dringend Not, sagt Wienkamp.

Mittwoch, 28.10.2020, 04:00 Uhr
Dr. Dr. Rainer Wienkamp und Mitarbeiterin Sabine Grote-Walle schildern stellvertretend für viele andere Praxen die aktuelle Situation. Ihr Vorstoß: die niedergelassenen Ärzte zu entlasten durch zentrale Teststellen. Foto: Bernhard Pierel
Dr. Dr. Rainer Wienkamp und Mitarbeiterin Sabine Grote-Walle schildern stellvertretend für viele andere Praxen die aktuelle Situation. Ihr Vorstoß: die niedergelassenen Ärzte zu entlasten durch zentrale Teststellen. Foto: Bernhard Pierel

Er ist Hausarzt und im Verein Ärztenetz engagiert. Wie seine Kollegen hat er derzeit nicht nur die „normalen“ Patienten zu versorgen, sondern auch die, die eine Grippeimpfung wünschen – und mittlerweile oft vertröstet werden müssen – und diejenigen, die mit einem Infekt kommen und Sorge haben, an Covid erkrankt zu sein. Er und seine Ersthelferin Sabine Grote-Walle haben längst die Praxis umorganisiert, trennen die Patientengruppen strikt voneinander und arbeiten nach Terminvergabe. Mit einem Zwölf-Stunden-Praxistag ist das kaum zu schaffen. „Und vor allem ist es mühselig, wenn man nicht eine mehrere hundert Quadratmeter große Praxis hat und einen Container für Covid-Abstriche auf den Parkplatz stellen kann, aber seine Patienten versorgen will“, sagt Grote-Walle.

Flut an Abrechnungsziffern

Für die Covid-Abstriche werden die Patienten einbestellt. Früh morgens sind Lehrer und Kita-Mitarbeiter an der Reihe, gegen Mittag alle anderen. Anderthalb bis zwei Stunden täglich sind dafür reserviert. Unter Vollschutz – im Ganzkörperanzug, mit Visier, Maske und Handschuhen, die bereits wieder knapp werden –, arbeitet das Praxisteam dann. Der Abstrich ist aber eigentlich nur das eine. Bizarr ist das Verbuchen: Es gibt unterschiedliche Laborscheine und Abrechnungsziffern für Patienten mit und ohne Symptome, mit und Kontakt zu nachgewiesenen Corona-Fällen, Abstriche für Reiserückkehrer oder Menschen, die über die Corona-App gewarnt wurden, für Lehrer oder Personal aus Krankenhäusern, Praxen oder Heimen.

Diese Abrechnungsleitlinien, hat eine Kollegin aus einer Marler Praxis in einem Brandbrief geklagt, ändern sich zudem alle paar Wochen. Grote-Walle hat diesen Brief an die Bielefelder Praxen verschickt. „Die Nöte, die darin geschildert werden, treffen auf 80 Prozent der Arztpraxen zu“, sagt sie. Die Marler Kollegin ergänzt zudem, dass für die medizinischen Fachangestellten ihrerseits nicht die Kosten für die üblichen PCR-Tests zum Corona-Nachweis übernommen werden – wohl aber für Urlaubsrückkehrer.

Angesichts der Menge an Arbeit und des Organisationsaufwandes hatte Grote-Walle die Idee, eine Teststelle einzurichten für diejenigen, die ohne Symptome sind, aber Kontakt mit einem Corona-positiv getesteten Menschen hatten. „Dort müsste nur der Name der aktuell positiven Bielefelder hinterlegt werden. Wer kommt, muss sich nur ausweisen und erklären, wer sein Kontakt war und wie der aussah“, sagt sie. Zwei Stunden am Tag, vielleicht wie für Urlauber auf dem Kahmann & Ellerbrock-Gelände, reichten, um die Arztpraxen zu entlasten.

Suche nach Räumlichkeiten

Wienkamp plädiert zudem für eine zentrale Anlaufstelle für Infektpatienten. „Das Ärztenetz hat einen Rundbrief an die 120 Mitglieder geschrieben. Wenn 20, 25 mitmachen würden, wäre allen geholfen.“ Die Idee: Reihum schließt jeder der beteiligten Mediziner und Medizinerinnen einen Tag ab Mittag die Praxis und besetzt mit dem eigenen Personal die zentrale Anlaufstelle. Nur Abstriche sollen dort nicht entnommen werden: „Die Menschen kommen ja mit den Symptomen eines Infektes, sie müssen also auch klinisch untersucht werden, benötigen vielleicht eine Krankschreibung und Medikamente.“

Einen Standort gibt es noch nicht, erste Gespräche mit dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW über günstige und günstig gelegene Räume schon. Mehr Arbeit bedeute das für die teilnehmenden Praxen nicht, ist Wienkamp überzeugt: „Das würde die Praxen, die sonst überlaufen, entlasten.“ Betreiber soll der Verein Ärztenetz sein, teilnehmen könnten alle Kollegen, die eine Kassenzulassung haben. Wienkamp hofft, dass das Vorhaben womöglich schon in der kommenden Woche konkret wird.

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