Kleinkind erlitt Verbrennungen 2. Grades – Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung
Tochter zu heiß gebadet: Mutter vor Gericht

Bielefeld (WB). Eine Mutter legt ihre Tochter in die Badewanne – ohne zuvor die Wassertemperatur überprüft zu haben. Das Kind erleidet schwere Verbrühungen. Zunächst deutet alles darauf hin, dass die Mutter „aus Versehen“ vergaß, die Temperatur zu prüfen. Das stellte sich später jedoch als Irrtum heraus. Der Fall beschäftigt in Kürze erneut das Landgericht Bielefeld.

Freitag, 30.10.2020, 06:11 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 06:20 Uhr
Der Mutter (31) wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Foto: Thomas F. Starke
Der Mutter (31) wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Foto: Thomas F. Starke

Frühjahr 2018: Die Mutter, heute 31 Jahre alt, möchte ihre Tochter in der Wanne baden. Das Kind ist zwei Jahre und sechs Monate alt. Es geschieht das Unfassbare: Sie steckt das Mädchen in die Badewanne, ohne zuvor die Temperatur geprüft zu haben. Das Kind wird schwer verletzt, erleidet an den Füßen und oberhalb davon Verbrühungen 2. Grades.

Im Mai 2018 wird die Mutter zunächst wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Bis dahin war das Gericht noch davon ausgegangen, dass der Frau aus Schloß Holte-Stukenbrock ein schwerer Fehler unterlaufen sei – aus Unachtsamkeit oder anderen Gründen. Irrtum. In der Verhandlung kamen Zweifel auf. Die Mutter geriet mehr und mehr in Verdacht, ihr Kind ganz bewusst in das zu heiße Badewasser gesteckt zu haben. Von einer fahrlässigen Körperverletzung konnte nach Meinung der Anklage keine Rede mehr sein.

Im September 2019 folgte das Urteil. Vor dem Amtsgericht Bielefeld wird die Mutter nach Abschluss der Beweisaufnahme wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Fall war aber immer noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft ging in Berufung, ihr erschien das Urteil als zu milde. Seit dem 7. Oktober dieses Jahres muss sich die Beschuldigte nunmehr wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung verantworten. Das sieht ein Strafmaß von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Gefängnis vor. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft wirft der Mutter auch die Misshandlung Schutzbefohlener vor.

Der Prozess vor der 6. kleinen Strafkammer wird am Freitag, 6. November, fortgesetzt. Das Kind ist mittlerweile vier Jahre alt.

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