Goldbeck steuert vom Flughafen Münster/Osnabrück 155 Parkhäuser in ganz Deutschland
Schrankenwärter aus der Ferne

Greven/Bielefeld (WB). In einem Hamburger Parkhaus fährt ein rotes Auto vor die Schranke. Er sei Dauerparker, sagt der Fahrer in die Gegensprechanlage, aber weil er beim Reinfahren versehentlich ein reguläres Ticket gezogen habe, kann er nun mit seiner Dauerparkkarte nicht hinausfahren.

Freitag, 30.10.2020, 02:00 Uhr
In Hamburg öffnet sich die Parkhausschranke, und der rote Wagen kann ausfahren: Jacqueline Teuber hat ihm aufgemacht – von Greven aus. Foto: Gunnar A. Pier
In Hamburg öffnet sich die Parkhausschranke, und der rote Wagen kann ausfahren: Jacqueline Teuber hat ihm aufgemacht – von Greven aus.

„Ich mache auf“, sagt Jacqueline Teuber in Greven (Kreis Steinfurt) und klickt mit der Maus, damit sich in Hamburg die Schranke hebt. Das ist die schöne neue Welt: Im Terminal des Regionalflughafens Münster/Osnabrück (FMO) ist eine hochmoderne Parkhausleitzentrale untergebracht. Von hier aus werden 155 Parkhäuser, Tiefgaragen und Parkplätze mit rund 80.000 Stellplätzen betreut – in ganz Deutschland.

Selbst wer noch nicht in dieser Situation war, kann sie sich gut vorstellen: Gestresst nach einem Einkaufsbummel steht der Autofahrer vor dem Parkautomaten, volle Taschen in der einen Hand, eine Schlange wartet schon im Nacken, mit der anderen Hand schiebt er den Parkschein ins Gerät – und der kommt wieder raus. Nicht lesbar. Der Adrenalinspiegel steigt, die Nerven liegen blank. „Parken ist Emotion“, sagt Dominik Haferburg deshalb gern. Seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen können helfen: Denn wer irgendwo an deutschen Parkautomaten die Hilfe-Taste drückt, landet immer häufiger nicht beim Hausmeister um die Ecke, sondern im Callcenter am FMO.

In der ersten Etage des Abflugterminals finden sich die Räume der Goldbeck Parking Services. Die GmbH ist hervorgegangen aus dem Bauunternehmen Goldbeck. Irgendwann kamen die Bielefelder auf die Idee, dass sie die Parkhäuser, die sie überall aus Betonfertigteilen bauen, auch selbst betreiben könnten. Sie entwickelten das Know-how und bieten die Dienste längst auch anderen Parkplatzinhabern an. Messe Düsseldorf, Einkaufszentren in Hamburg, Kreisklinik Berchtesgaden, Flughafen BER, Zentralgarage Passau: Wer den Hilfe-Knopf drückt, ruft in Greven an.

16 Mitarbeiter gehören zum Team der Agents

Im Leitstand bimmelt es vernehmlich. Zwischen zwei und sechs „Agents“ sitzen hier vor vielen Monitoren und sorgen dafür, dass meistens schon nach 12 oder 15 Sekunden jemand reagiert. Wie jetzt: In Dresden steht ein verzweifelter Herr vor einem Automaten, der nur Karten annimmt. Der obere Monitor flackert auf und zeigt die Szene, weil sich eine Kamera automatisch anschaltet, wenn die Verbindung steht. Jacqueline Teuber kennt das Problem und erklärt dem Parker, wo er den nächsten Automaten findet.

Häufig sind es technische Probleme, die es zu lösen gilt. Sehr typisch: Der Ma­gnetstreifen des Parktickets ist nicht mehr zu lesen. „Handys und Magnetclips von Handtaschen können die Magnetstreifen löschen“, erklärt Dominik Haferburg, „Leiter Operations“ bei Goldbeck. Das lässt sich häufig ganz einfach lösen: Die Kunden lesen die aufgedruckte Ticketnummer vor, der Service-Mitarbeiter in Greven sieht dann genau, wann das Ticket gezogen wurde, zeigt per Fernsteuerung am Parkautomaten den korrekten Betrag an und sorgt dafür, dass der Automat in Rostock, Wien oder Meschede ein neues Ausfahrticket ausspuckt.

16 Mitarbeiter gehören zum Team der Agents – allesamt fest angestellt, Aushilfen sind hier nicht gern gesehen. „Die Kollegen brauchen Erfahrung.“ Denn neben der technischen Betreuung müssen sie den Anrufern ein wenig den Stress nehmen. Wie der Frau, die sich einmal meldete, weil sie ihr Auto in den Parkhäusern des FMO nicht wiederfand. Ein Goldbeck-Mitarbeiter half suchen – bis ihr einfiel, dass sie nicht mit ihrem roten Toyota gekommen war, sondern mit dem silbernen Mercedes ihres Mannes. Der war dann schnell gefunden.

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