Das Café Kraume in Bielefeld und andere Betriebe kämpfen um ihre Existenz
„Uns steht das Wasser bis zum Hals“

Bielefeld -

Jörg Kraume ist keiner, der viel jammert. Der Konditormeister (51) aus Bielefeld kämpft sich lieber aus dieser schweren Zeit heraus. Zumindest versuchen er und sein Team das tagtäglich – mit Ideen, gutem Service und qualitativ hochwertigen Produkten. Dennoch richtet sich der stellvertretende Obermeister der Konditoren-Innung Ostwestfalen nun an die Öffentlichkeit und sagt: „Vielen Cafés, Bäckereien und Konditoreien, also auch uns, steht das Wasser bis zum Hals“.

Donnerstag, 12.11.2020, 06:13 Uhr aktualisiert: 12.11.2020, 06:20 Uhr
Jörg Kraume, Inhaber des gleichnamigen Bielefelder Cafés, arbeitet an der Schokolade, die gekühlt besser verpackt werden kann. Er sagt: „Viele Mischbetriebe haben Umsatzeinbußen, bekommen aber keine Hilfen wie Gastronomiebetriebe.“
Jörg Kraume, Inhaber des gleichnamigen Bielefelder Cafés, arbeitet an der Schokolade, die gekühlt besser verpackt werden kann. Er sagt: „Viele Mischbetriebe haben Umsatzeinbußen, bekommen aber keine Hilfen wie Gastronomiebetriebe.“ Foto: Bernhard Pierel

Kraume hat für seinen öffentlichen, sehr persönlichen Appell, den er über die sozialen Netzwerke verbreitete, viel Zuspruch bekommen. Zahlreiche Geschäftspartner, Kollegen aus der Branche und Kunden pflichten ihm bei. Die Botschaft lautet: Ein Familienbetrieb wie Kraume dürfe nicht untergehen. Und vergleichbare Mischbetriebe ebenso nicht. Diese müssten auch nach der Pandemie weiter existieren können.

34 Mitarbeiter beschäftigt der 51-jährige Inhaber. Jörg Kraume ist seit 1992 Konditormeister. Die Bielefelder schätzen den Familienbetrieb. Nicht nur, weil er nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt liegt. Seit 1968 hat das Café Kraume seinen Stammsitz an der Stapenhorststraße. Konditormeister Günter Kraume und seine Ehefrau Ruth haben das Unternehmen gegründet, ihr Sohn Jörg entwickelte das Café zu einem modernen Betrieb weiter.

68 Sitzplätze stehen im Café im Stammhaus, weitere 60 Innenplätze sowie ein separater Raum mit weiteren 20 Sitzgelegenheiten Am Wellbach 11 zur Verfügung. Aktuell sind die Cafés aber per Anordnung geschlossen. „Ist ja nicht schlimm, könnte man nun denken. Wir dürfen ja noch Kuchen außer Haus verkaufen. Stimmt. Dafür bin ich auch außerordentlich dankbar“, sagt Jörg Kraume. Aber der Anteil des Cafébetriebes liege in vielen Betrieben bei 30 bis 70 Prozent, und dieser sei komplett weggefallen und werde auch nicht kompensiert. Denn anders als in der reinen Gastronomie gibt es für Mischbetriebe keine 75-Prozent-Hilfe, obwohl gerade diese in den vergangenen Jahren kräftig Steuern gezahlt hätten, sagt der Konditormeister.

Bei Kraume macht der Anteil des Cafébetriebs am Gesamtumsatz etwa 30 bis 40 Prozent aus. Das zweite Standbein ist die Belieferung und das Catering bei Veranstaltungen wie Hochzeiten. Dieser Teil – etwa 20 Prozent des Umsatzes – sei komplett weggefallen. „Daran sieht man, dass viele vergleichbare Cafés, Bäckereien und Konditoreien über weite Strecken des Jahres 50-prozentige Umsatzeinbußen und darüber hinaus haben“, sagt Kraume.

Einzig das etwas verbesserte Ladengeschäft sei ein kleiner Lichtblick. Viele Menschen holten sich ihren Kuchen und Backwaren eben aktuell sehr gerne nach Hause. Aber dennoch würde der Betrieb ähnlich wie andere tiefrote Zahlen schreiben, verrät der Inhaber. Hilfen hat er bereits aufgrund des Lockdowns im Frühjahr in Anspruch genommen – 150.000 Euro Kfw-Mittel. Die Banken seien keine große Hilfe, da sie für Darlehen Zinsen verlangten, die weit über den marktüblichen Sätzen lägen. Darüber hinaus wurde ein Teil der Mitarbeiter von April bis Juni in Kurzarbeit geschickt.

Aber wie geht es jetzt weiter? Das möchte Jörg Kraume gerne von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wissen, der zwar ständig Hilfen verspreche, doch diese kämen offenbar gar nicht oder nur in einem zu geringen Maße an. Kraume: „Es wird nicht mehr lange dauern. Dann werden die ersten Betriebe in die Knie gehen.“

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