Corona: DGB Bielefeld hält staatliche Hilfe für unzureichend
Studenten in Geldnot

Bielefeld -

Wenn Lokale schließen, Unternehmen ihre Produktion herunterfahren oder krisenbedingt bei den Personalkosten sparen müssen, trifft das auch diejenigen, die ihr Geld im Nebenjob verdienen. Dazu gehören gerade auch Studenten, die sich etwas dazuverdienen müssen, um über die Runden zu kommen. 15 Prozent von ihnen wissen derzeit nicht, wie sie ihr Studium weiterfinanzieren sollen.

Freitag, 13.11.2020, 06:00 Uhr
Vor allem in der Gastronomie haben Studenten ihre Nebenjobs gefunden. Diese Einnahmequelle ist in Zeiten der Corona-Krise weggebrochen.
Vor allem in der Gastronomie haben Studenten ihre Nebenjobs gefunden. Diese Einnahmequelle ist in Zeiten der Corona-Krise weggebrochen. Foto: dpa

Darauf weist DGB-Jugendreferent Vahit Uyar aus der OWL-Geschäftsstelle des Gewerkschaftsbundes in Bielefeld hin. Er verweist auf eine Umfrage, die die DGB-Hochschulgruppe Duisburg-Essen unter Studenten an der dortigen Universität gemacht hat – und deren Ergebnisse für Vahit Uyar und den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Uni Bielefeld auch auf die hiesigen Studenten übertragbar seien.

Die Umfrage ergab unter anderem: Vor der Corona-Krise haben gut 75 Prozent der Studenten in einem Nebenjob gearbeitet, zusätzlich zur finanziellen Unterstützung durch die Eltern, die rund 60 Prozent der Befragten erhalten. Seit Beginn der Pandemie hat jeder fünfte Student seinen Job verloren, genauso viele beklagen Gehaltseinbußen. Und weil oft auch die Eltern durch die Krise betroffen sind, fließt inzwischen auch aus dieser Richtung bei 15 Prozent der Befragten weniger Geld. Unterm Strich hat nur jeder vierte Student angegeben, genauso viel zu verdienen wie vor der Krise.

Weitere Erkenntnisse der Befragung: Studenten aus dem Ausland und mit Migrationshintergrund sind von den Einbußen stärker betroffen als andere, ebenso Studenten aus Elternhäusern ohne akademischen Hintergrund. Das Fazit des DGB: „Die Corona-Krise hat bestehende soziale Ungleichheiten im Bildungsbereich noch verschärft.“

Vahit Uyar beklagt vor allem die aus seiner Sicht unzureichenden staatlichen Hilfen. So gebe es zwar einen KfW-Kredit für Studierende, der in Krisenzeiten jetzt von viermal so viel Studenten beantragt worden sei wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dieser Kredit sei aber nur eine Scheinlösung. Denn der eigentlich zinspflichtige Kredit werde vorübergehend zinslos vergeben, „aber nur bis März 2021“. Danach würden für das jetzt aufgenommene Geld wieder Zinsen fällig. Uyar: „Studierende müssen sich also verschulden, um durch die Krise zu kommen.“

Die zweite Hilfe sei Geld aus einem Überbrückungsfonds. Aber auch dieser Weg sei problematisch, weil er zu bürokratisch und auf maximal 500 Euro begrenzt sei – zu wenig, um Lebenshaltungskosten auszugleichen. Es dauere lange, bis das Geld beim Empfänger ankomme. Zudem sei das Programm im September beendet worden.

An der Uni Bielefeld ist zudem ein Nothilfefonds eingerichtet worden, bei dem Studenten 500 Euro beantragen konnten. Uyar: „Der Antragszeitraum lief den ganzen September, insgesamt haben mehr als 700 Studenten das Geld beantragt.“ Der Fonds finanziert sich vor allem aus privaten Spenden, insgesamt sind laut AStA 65.000 Euro zusammengekommen, wodurch 130 Studenten unterstützt werden konnten – weniger, als eigentlich dafür infrage gekommen wären. Andere sind abgewiesen worden, weil das Geld nicht mehr ausreichte.

Der DGB-Jugendreferent stellt fest: „Die Regierung hat nichts gemacht, um die Lage der Studierenden zu verbessern.“ Er fordert daher eine planbare und konstante finanzielle Unterstützung. So könnten etwa Bafög-Zuwendungen “entbürokratisiert“ oder in Krisenzeiten das Arbeitslosengeld II auch an Studenten ausgezahlt werden. Das Ziel, sagt Vahit Uyar, müsse sein, dass Studenten nicht aus finanzieller Not ihr Studium aufgeben müssten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7675584?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt
Armin Laschet soll neuer Bundesvorsitzender der CDU werden.
Nachrichten-Ticker