Nach einem mutmaßlich rechtsextremen Übergriff ermittelt der Staatsschutz
Hakenkreuz in Haut geritzt?

Bielefeld -

Eine Gruppe aus der rechten Szene soll einen 19-jährigen iranischen Staatsbürger überfallen und verletzt haben. Nach Polizeiangaben sollen die Täter dem jungen Mann eine Schnittwunde in Form eines Hakenkreuzes zugefügt haben. Der Staatsschutz hat nach diesem mutmaßlich rechtsextremistischen Angriff die Ermittlungen aufgenommen.

Freitag, 13.11.2020, 17:11 Uhr aktualisiert: 13.11.2020, 17:14 Uhr
Polizei und Staatsschutz suchen Zeugen nach dem mutmaßlichen Angriff.
Polizei und Staatsschutz suchen Zeugen nach dem mutmaßlichen Angriff. Foto: Jörn Hannemann

Der Vorfall soll sich am Mittwochabend gegen 19.25 Uhr im Bereich Niemöllershof in Brackwede ereignet haben. Nach eigenen, teils voneinander abweichenden ersten Angaben war der 19-Jährige beim Joggen von einer Gruppe von vier bis fünf Männern überfallen worden. Diese seien vereinzelt durch Nazi-Symbole erkennbar der rechten Szene zuzuordnen gewesen und hätten ihm Verletzungen, unter anderem eine Schnittwunde in Form eines Hakenkreuzes auf der Haut, zugefügt.

Seine oberflächlichen Verletzungen wurden laut Polizei im Krankenhaus behandelt. Die Männer beschrieb der Bielefelder als deutschsprachig, ohne Bart, etwa 1,80 Meter groß, schlank und athletisch. Alle Personen sollen Mützen oder Kappen und Masken getragen haben. Die Maske einer Person soll mit einem Logo der Marke „adidas“ bedruckt gewesen sein und eine Person soll eine dunkelroten Pullover getragen haben.

Die Polizei leitete unmittelbar nach der beschriebenen Tat eine großflächige Fahndung ein, die jedoch erfolglos verlief. Der Melder, an den sich das Opfer vor Ort gewandt hatte, konnte keine weiteren sachdienlichen Auskünfte zu der beschriebenen Tat erteilen. Auch die Tatortaufnahme sowie die Absuche im Bereich des Tatortes mit einem Diensthund erbrachten keine weiteren relevanten Erkenntnisse zu dem angezeigten Sachverhalt.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass das Opfer im Januar dieses Jahres bereits eine ähnliche Tat zu seinem Nachteil angezeigt hatte. Die Ermittlungen hatten diesbezüglich nicht zur Aufklärung und Identifizierung von Tatverdächtigen geführt.

Der Staatsschutz ermittelt derzeit noch in alle Richtungen. „Es ist zum aktuellen Stand der Ermittlungen weder auszuschließen, dass die erlittenen Verletzungen durch eine politisch motivierte Körperverletzung verursacht worden, noch dass diese auf anderem Wege entstanden sind“, teilt die Bielefelder Polizei mit.

Zur Untersuchung der Verletzungen sei eine Rechtsmedizinerin beauftragt worden. Nach einer ersten Einschätzung der Rechtsmedizinerin stimmten die Verletzungen nicht in vollem Umfang mit den Angaben des 19-Jährigen überein. Die Ermittlungen dauerten weiter an.

Der junge Mann hatte den Sachverhalt in sozialen Medien öffentlich bekannt gemacht und dabei Vorwürfe der Nötigung gegen die Polizei erhoben. „Die Vorwürfe werden zur weiteren Bewertung an die Staatsanwaltschaft übermittelt“, heißt es.

Zur weiteren Erhellung des Sachverhalts bittet die Polizei um Zeugenhinweise. Wer hat am Mittwoch, 11. November, in diesem Zusammenhang verdächtige Beobachtungen im Bereich Niemöllershof in Brackwede gemacht? Zeugen melden sich bitte bei der Polizei Bielefeld, Staatsschutz, unter Tel. 0521/545-0.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7677181?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Von Wuhan in die weite Welt
Seit einem Jahr begleitet das Coronavirus die Menschen in Deutschland.
Nachrichten-Ticker