Bielefelder Integrationspreis 2020 an drei Initiativen verliehen
„Herzen und Köpfe öffnen“

Bielefeld -

„Wir mussten Neuland betreten“, sagte Franz Schaible von der Stiftung Solidarität, die gemeinsam mit der Stadt und dem Integrationsrat den Bielefelder Integrationspreis verleiht. Coronabedingt saß das Publikum am Dienstagabend nicht gemeinsam in einem Saal, sondern verfolgte die Liveübertragung, unterstützt von Kanal 21, in den sozialen Medien. Freuen durften sich über den Integrationspreis die Organisatoren der Vesperkirche, der Jürmker Integrationskreis und die Bielefelder Initiative gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit (BIgAI).

Mittwoch, 18.11.2020, 11:27 Uhr aktualisiert: 18.11.2020, 11:42 Uhr
Christoph Steffen, Namé Ayaz-Gür und Frank Perlitz (von links) nahmen die Preise entgegen.
Christoph Steffen, Namé Ayaz-Gür und Frank Perlitz (von links) nahmen die Preise entgegen. Foto: Thomas F. Starke

 

Herzen und Köpfe öffnen – Integration durch Begegnung: Das Motto der Preisverleihung ließ Oberbürgermeister Pit Clausen zunächst stutzen. „Meint Ihr das wirklich ernst?“, sei sein erster Gedanke gewesen. Doch dann sei ihm klar geworden: „Ja, wir brauchen die Begegnung.“ Deswegen sei die Corona-Pandemie so ärgerlich, weil sie die Stadtgesellschaft ausbremse bei einer ihrer wichtigsten Herausforderungen – bei der Integration von Menschen auswärtiger Herkunft. Allein in Bielefeld lebten 130.000 Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund. „Das Thema Integration wird uns wahrscheinlich immer begleiten, deswegen brauchen wir einen langen Atem“, sagte Clausen.

Die Laudatio auf die drei Preisträger hielt Irith Michelsohn, die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld. Sie hob unter anderem die Vesperkirche als gelungenes Beispiel für Integration hervor. Sie habe Begegnungen auf Augenhöhe geschaffen. Menschen aller Kulturen seien während der drei Wochen im Februar in der Neustädter Marienkirche miteinander ins Gespräch gekommen und hätten gemeinsam ein Mittagessen zu sich genommen. „Es war eine der großartigsten Aktionen in meiner sechsjährigen Tätigkeit als Sozialdezernent“, schwärmte Ingo Nürnberger. Und Pfarrerin Dr. Christel Weber, die den Preis mit Pfarrer Christoph Steffen und Projektleiter Marc Korbmacher entgegennahm, erinnerte an die 800 Ehrenamtlichen, die in die Organisation mit eingebunden waren. „Das ist euer Preis“, rief sie den Freiwilligen zu.

Auf die Stadtteilarbeit in Jöllenbeck konzentriert sich der Jürmker Integrationskreis, der sich 2016 gegründet hat, um Flüchtlingen zu helfen. Die Ehrenamtlichen unterstützen die Menschen beim Ausfüllen von Formularen, beim Besuch von Ämtern oder beim Spracherwerb.

Muslimische Frauen haben sich in der Initiative BIgAI zusammengeschlossen. Sie kämpfen gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit, auch weil sie selbst Anfeindungen erlebt haben, wie Namé Ayaz-Gür und Sibel Kaya erläuterten. „In Gemeinschaft steht man dem nicht machtlos gegenüber“, sagten sie.

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