Ein Insider erhebt schwere Vorwürfe gegen Stadt und Baufirma Strabag – Moss schließt Anzeige nicht aus
Der Krimi um das Jahnplatz-Pflaster

Bielefeld -

Bei der Auftragsvergabe für die Pflastersteine auf dem neuen Jahnplatz soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein, sagt ein Insider (Name der Redaktion bekannt). Die Stadt und die ausführende Baufirma Strabag weisen die Vorwürfe zurück. Planungsdezernent Gregor Moss erwägt sogar eine Anzeige gegen Unbekannt.

Samstag, 21.11.2020, 06:52 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 07:00 Uhr
375.000 Pflastersteine in vier
375.000 Pflastersteine in vier Foto: Thomas F. Starke

Der Informant verfügt über detailliertes Wissen. Er sagt, bei der Ausschreibung seien bewusst alle Unterlagen falsch vorgelegt worden, um den Auftrag zu erhalten. Er gibt an, bei den für den Jahnplatz gelieferten Steinen passten die übergebenen Prüfzeugnisse nicht zu den Materialien, die gelieferten Materialien nicht zu den Mustersteinen, diese wiederum nicht zu den ausgelegten Musterflächen. Deklarierte Herkunftsländer passten nicht zu den tatsächlichen Herkunftsländern, garantierte technische Werte würden nicht eingehalten.

„Nach den bisherigen technischen Prüfergebnissen wird vertragskonform geliefert und verbaut“, betont dagegen Dirk Vahrson, stellvertretender Leiter des städtischen Amtes für Verkehr. Sollten sich Abweichungen ergeben, würden diese vertraglich geregelt. Wenn wider Erwarten mindere Qualitäten geliefert worden seien, würden diese nachgebessert. Es könne auch zu einer Minderung oder Verlängerung der Gewährleistungszeit kommen.

Allerdings: In einem Fall bestätigt jetzt auch die Stadt, dass der Lieferant nicht geliefert hat, was bestellt war. Bei der so genannten Steinvarietät IV handelt es sich nicht um Granit aus Portugal oder Spanien, sondern um einen Anorthosit aus Norwegen. Das hätten Tests ergeben. Der Lieferant sei um eine schriftliche Erklärung gebeten worden, so Vahrson. Er betont aber auch, dass die technischen Werte des Steins noch über den Anforderungen der Stadt lägen.

Beim Streit um die Steine geht es um viel Geld. Im April hatte die Firma Strabag zwei Hauptangebote für den Jahnplatz-Umbau abgegeben: eines über 15 Millionen Euro mit einem teureren Stein-Lieferanten und eines über 13 Millionen mit einem günstigeren Stein-Anbieter. Die Wahl fiel auf das niedrigere Angebot für die 10.000 Quadratmeter große Fläche. Steinproben und Prüfzeugnisse hätten den Anforderungen entsprochen. Aktuell laufen weitere Tests. Dass es wegen Qualitätsmängeln zwischenzeitlich zu einem Baustopp gekommen sei, weist Vahrson zurück. Der Grund für die Verzögerung seien Stadtwerke-Arbeiten und die Anpassung von verlegten Leitungen gewesen. Auch der Zeitplan für den Jahnplatz-Umbau – 2022 muss alles fertig sein – gerate nicht in Gefahr. Die Stadt sei wegen des engen Zeitplans auch nicht erpressbar. „Die Stadt lässt sich weder erpressen noch nötigen, sondern gestaltet den Gesamtablauf eigenständig so, dass der Endtermin gehalten wird“, betont Vahrson. Ende Dezember sollen nun die Ergebnisse von Langzeitversuchen vorliegen. Dabei geht es um einen 56-fachen Frost- und Tauwechsel. Außerdem wird die mineralische Zusammensetzung der Steine weiter untersucht.

Auch auf der Karl-Eilers-Straße hatte die Stadt schon einmal Pflaster-Ärger. Dort mussten die Steine wegen Qualitätsmängeln wieder aufgenommen werden.

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