Bielefelder (61) will nicht hinnehmen, dass ihm ein Anwalt einen Teil des Erbes pfändet
Schuldner droht mit Hells Angels

Bielefeld (WB) -

Erst gründlich (nach-)denken, dann schreiben – diese empfehlenswerte Regel für ein vernünftiges Miteinander hat nun auch ein Bielefelder verstanden. Der 61-Jährige kam vor einem Schöffengericht knapp um eine Verurteilung wegen Erpressung herum.

Montag, 23.11.2020, 12:11 Uhr aktualisiert: 23.11.2020, 14:32 Uhr
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Symbolbild Foto: dpa

Anlass des Prozesses war ein am 5. November vergangenen Jahres verfasster Drohbrief des Angeklagten an einen Bielefelder Rechtsanwalt. Der Jurist sollte 16.328,04 Euro an den 61-Jährigen zurück zahlen. Das war genau der Betrag, den der Anwalt im Auftrag eines Gläubigers aus dem Erbe des arbeitslosen Bielefelders hatte pfänden lassen, um einen alten Privatkredit zu tilgen.

Seine Forderung auf Rückerstattung des Geldes hatte der 61-Jährige mit einer Drohung untermauert. Sollte der Anwalt nicht zahlen, würde er sich an einen Freund aus Rockerkreisen, nämlich keinen geringeren als den Deutschlandchef der Hells Angels, wenden. Der würde Leute zur Gadderbaumer Kanzlei des Juristen schicken. Das Schreiben unterzeichnete der Angeklagte mit der Zahl 88, in rechtsradikalen Kreisen bekannt als die Ziffernkombination für den Hitlergruß.

„Ich habe das gemacht. Das war ein Fehler. Das tut mir auch im Nachhinein leid“, räumte der Bielefelder vor Gericht ein. Außerdem gestand er, den Chef der deutschen „Höllenengel“ überhaupt nicht zu kennen. Er habe den Mann nur ein einziges Mal aus weiter Entfernung gesehen.

Worum es im Kern eigentlich ging, warum dem Angeklagten ein Teil seines Erbes von der Mutter gepfändet worden war, das hatten nach eineinhalb Stunden Gerichtsverhandlung weder Vorsitzende Richterin Astrid Salewski noch Staatsanwältin Claudia Bosse oder Verteidiger Claas Hendrik Schmitz genau verstanden. Nur so viel wurde einigermaßen klar: Offenbar hatte der Bielefelder mit seiner damaligen Frau vor vielen Jahren einen Privatkredit aufgenommen, aber nicht getilgt. Ein schriftlicher Vertrag existierte wohl nicht.

Dass bereits im Juli des Jahres 2009 das hiesige Landgericht den Bielefelder und seine Frau zur Rückzahlung der Schulden verurteilt hatte, das will der Angeklagte nie erfahren haben. Umso überraschter sei er von der plötzlichen Pfändung eines Teil des Erbes gewesen.

Der 61-Jährige kam letztlich mit einem tiefblauen Auge davon. Angesichts seines Alters, einem bisher straffreien Leben und der Tatsache, dass der Mann den Anwalt erst bedroht hatte, nachdem der Jurist eine klärende Antwort schuldig blieb, wurde das Verfahren eingestellt. Der Bielefelder bekam die Auflage, 500 Euro Geldbuße an einen gemeinnützigen Verein für Ex-Junkies zu zahlen.

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