Der Tierpark Olderdissen im zweiten Lockdown – Sonderfütterungen und Bauarbeiten bestimmen den Alltag
Entspannte Tiere und himmlische Ruhe

Bielefeld -

In der Kita und der Schule sind Kinder und Jugendliche in geschlossenen Räumen zusammen. Aber den Tierpark dürfen sie und ihre Familien derzeit nicht besuchen. Parkanlagen und Waldflächen hingegen schon. Nicht alle Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionszahlen sind logisch und nachvollziehbar.

Dienstag, 24.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 20:56 Uhr
Fünf von sechs Tierpark-Wölfen. Das Rudel reagiert besonders sensibel auf den Lockdown. Ohne Besucher zeigen sich die Tiere und nutzen ihr gesamtes Gehege.
Fünf von sechs Tierpark-Wölfen. Das Rudel reagiert besonders sensibel auf den Lockdown. Ohne Besucher zeigen sich die Tiere und nutzen ihr gesamtes Gehege. Foto: Bernhard Pierel

„Nichtsdestotrotz bin ich ein großer Verfechter davon, die Vorgaben einzuhalten“, betont Tierparkchef Herbert Linnemann. Die meisten Bürger würden die Regeln akzeptieren. Lediglich am vorvergangenen Wochenende wurde eine Absperrung, vermutlich von Jugendlichen, überwunden. „Wir haben das bemerkt, weil am nächsten Morgen Becher im Tierpark herumlagen“, erklärt Linnemann.

Ansonsten geht das Leben im Tierpark auch ohne Besucher wie gehabt weiter. Die Tierpfleger gehen ihrer Arbeit nach. „Die Tiere sind im Großen und Ganzen entspannter, wenn keine Besucher im Park sind. Am sensibelsten sind die Wölfe, die jetzt ihr gesamtes Revier nutzen und sich auf eigens eingerichteten Sonnenplätzen gut sichtbar niederlassen. Ist der Tierpark für Besucher geöffnet, verkriechen sie sich lieber im Unterholz“, berichtet Haupttierpfleger Markus Hinker.

Sechs Wölfe – das Elternpaar und je zwei Jungtiere aus den Jahren 2018 und 2019 – leben im Tierpark Olderdissen. Den Lockdown nutzen die Tierpfleger unter anderem auch zur Ganztierverfütterung. „Wir haben zwei Jakobsschafe geschlachtet und sie den Wölfen am Stück verfüttert. So wie in der freien Natur auch, mussten sie die Schafe reißen und verwerten. Es ist fast nichts übrig geblieben“, verdeutlicht Markus Hinker. Diesen Anblick wolle man Tierpark-Besuchern indes ersparen.

Anderes Futter erhalten aktuell auch die Esel, die sonst von Besuchern das ein oder andere Leckerli zugesteckt bekommen und deshalb von den Tierpflegern auf Diät gesetzt werden, um ernährungstechnischen Erkrankungen vorzubeugen. „Esel leben in der Natur in kargen Gebieten. Sie sind Arbeits- und Lasttiere“, verdeutlicht der Cheftierpfleger. Im Lockdown, wenn die durch die Besucher verabreichten Sondermahlzeiten wegfallen, erhalten die Esel „normales Futter, sprich Heu, Stroh, Runkelrüben, Mineralstoffe und Möhren“, erklärt Markus Hinker.

Insgesamt, berichtet der Tierpfleger, seien die Tiere weniger auf der Hut als sonst. Ein Waldkauz sitzt nah am Absperrgitter und ist somit ganz aus der Nähe zu bewundern. Im Hirschgehege ruht die Herde nah am Wegesrand. Der Hirschbock, ein stolzer Zwölfender, trabt zum Zaun und beäugt neugierig den seltenen Besucher mit seiner Kamera.

„Sie müssen jetzt keine Bedenken haben, dass sie abends plötzlich von einem Handy angeleuchtet werden“, sagt Hinker. Gleichwohl, stellt er klar, beziehe der Tierpark seine Daseinsberechtigung allein aus den Besuchern. Markus Hinker: „Was man kennt, das schützt man auch.“

Derweil nutzen die Mitarbeiter den Lockdown dazu, Baumaßnahmen durchzuführen. Am Wolfsgehege entsteht ein zusätzlicher verglaster Beobachtungsunterstand. Und in der Fasanenanlage legt Abram Regier mit Zement und Maurerkelle einen Bachlauf an. „Ohne Besucher müssen wir Baustellen nicht eigens absichern. Das erleichtert uns die Arbeit. Wenn der Tierpark wieder öffnet, soll alles für die Besucher schön hergerichtet sein“, verspricht Markus Hinker.

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