Für die Archäologen geht es jetzt um den Schutz des Bielefelder Bodendenkmals – Info-Tafel geplant
Grabungsende am Römerlager

Bielefeld -

Um im Wald am Haus Neuland in Sennestadt die Reste eines 2000 Jahre alten Römerlagers zu erkennen, braucht es bald wieder ein geschultes Auge. Den tiefe Einschnitt, den die Archäologen in den Boden gegraben haben und der die Konturen einer Wallanlage zeigt, wird wieder zugeschüttet. Die Grabung an der Fundstätte, die im Mai 2019 als Sensation gefeiert wurde, ist vorerst abgeschlossen.

Dienstag, 24.11.2020, 05:01 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 05:10 Uhr
Dr. Bettina Tremmel, Referentin für provinzialrömische Archäologie beim LWL, hat ab 2018 die Fundstelle untersucht. Die Farbverläufe im Grabungsschnitt ließen die Form von Wall und Graben erkennen.
Dr. Bettina Tremmel, Referentin für provinzialrömische Archäologie beim LWL, hat ab 2018 die Fundstelle untersucht. Die Farbverläufe im Grabungsschnitt ließen die Form von Wall und Graben erkennen. Foto: Bernhard Pierel

„Aber fertig ist man mit so einem Fund eigentlich nie“, sagt Dr. Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der Archäologie im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). So sind die Experten in Münster jetzt erst einmal damit beschäftigt, Bodenproben auf ihre Zusammensetzung und weitere Erkenntnisse aus den zwei Suchschnitten auszuwerten. Das Ziel ist dabei auch, möglichst genau festzustellen, wann das römische Marschlager entstanden ist.

Aus der augustäischen Zeit soll es stammen, also der Phase der römischen Besatzung bis 9 nach Christus. Die so genannten Clavicula-Tore, die in der Wallanlage gefunden wurden, weisen aufs erste Jahrzehnt nach Christus hin, so die LWL-Archäologen. Das Marschlager diente wohl drei Legionen, rund 15.000 Mann, für eine Nacht als sicheres Quartier. Ob sich im heutigen Sennestadt Soldaten der Tiberius-Feldzüge der Jahre 4 und 5 nach Christus, die bis an die Elbe führten, aufhielten, ob dort die Legionen des Varus ihre Zelte aufschlugen, die im Jahre 9 in der Schlacht gegen Arminius untergingen, oder aber Legionäre späterer Feldzüge unter Germanicus, der im Jahre 15 auch das Varus-Schlachtfeld fand, darüber gibt es „noch keine Erkenntnisse“, sagt Sven Spiong.

Ab 2018 hat ein Team um Dr. Bettina Tremmel, Referentin für provinzialrömische Archäologie beim LWL, die Fundstelle untersucht. Zwei Jahre zuvor hatte der Niederländer Jansen Venneboer das Lager am Computer anhand eines Geländemodells entdeckt. Das Modell, das anhand von Luftaufnahmen mit moderner Technik nur die Oberflächenstruktur im Gelände zeigt, offenbarte die Konturen des fast 25 Hektar großen Römerlagers am Rande des Menkhauser Bachs.

Auch nach Abschluss der Grabungen sind die Arbeiten für die Archäologen vor Ort noch nicht ganz geendet: Nachdem bereits mit Metallsonden nach Überresten gesucht wurde, werde die Fläche wohl noch mit einem Bodenradar abgetastet – eine Vorgehensweise, die Strukturen im Boden zeige, ohne dass gegraben werden müsse. Das wäre in größerem Ausmaße ohnehin schwierig, weil die Fläche größtenteils bewaldet ist, wie Spiong betont.

Für die Archäologen der LWL-Außenstelle Bielefeld bleibt vor allem die Aufgabe, die Fundstelle zu schützen und mögliche Eingriffe zu begleiten. „Wir schauen, dass da möglichst wenig passiert“, sagt Sven Spiong. Falls etwa am Bachlauf aus Naturschutzgründen gearbeitet werde, würden die Fachleute die Bodeneingriffe archäologisch begleiten und römische Spuren sichern und auswerten, bevor sie verschwinden.

Weitere Führungen zur Fundstelle seien vorerst nicht geplant. Es werde aber bald eine Informationstafel geben, die am Eingang der Bildungsstätte Haus Neuland aufgestellt werden soll. “Die ist im Entstehen und soll unter anderem eine Rekonstruktionszeichnung enthalten. Das ist sehr aufwendig, weil alles wissenschaftlich korrekt sein soll“, sagt der LWL-Archäologe.

In dieser Hinsicht sieht er die Initiative des Hobby-Historikers Werner Thiel aus Greven kritisch, der vor wenigen Tagen ein eigenes Info-Schild unweit der Grabungsstätte aufgehängt hat, weil aus seiner Sicht Hinweise auf die Römerfunde vor Ort fehlten. Diese Informationen dürften allerdings nicht auf dem neuesten Stand sein, vermutet Sven Spiong.

Thiel hatte auch den Umgang der Stadt Bielefeld mit den Spuren der römischen Präsenz beklagt. So sei der Fundort eines römischen Aussichtspunkts an der Promenade bei Brands Busch in einem „schlechten Zustand. Bis auf eine beschädigte und verschmutzte Tafel gibt es nichts an diesem historisch bedeutenden Ort, das auf einen pfleglichen Umgang hinweist“, sagt der Grevener.

Die Präsentation solcher Fundorte sei nicht primäre Sache des LWL. „Wir würden das fachlich begleiten, zumal es da eine gute Publikationslage und Fotos gibt“, sagt Sven Spiong. Es brauche aber immer jemanden, der Schilder und Info-Tafeln pflegt. Das seien oft die Heimatvereine – oder die Stadt Bielefeld. Dort gibt es aktuell aber keine Pläne, die Römerfunde besser zu präsentieren, heißt es seitens der unteren Denkmalbehörde.

 

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