Mit einer spektakulären Demontage beginnt die Reise von Auguste Rodins Monumentalskulptur nach Basel
Der Denker verlässt Bielefeld

Bielefeld -

Mehr als 50 Jahren hockte “Der Denker“ unbewegt auf seinem Sockel neben dem Eingang der Kunsthalle Bielefeld. Als Montagmorgen die Monteure der Kölner Spezialfirma Hasenkamp anrückten, um die berühmte Monumentalskulptur von Auguste Rodin auf Reisen zu schicken, sah es zunächst so aus, als weigere sich der Denker, seinen angestammten Platz zu verlassen. Die etwa 1300 Kilogramm schwere Skulptur ließ sich partout nicht von ihrem Sockel heben.

Dienstag, 24.11.2020, 06:00 Uhr
Rodins Skulptur „Der Denker“ schwebt am Kran seiner Transportkiste entgegen.
Rodins Skulptur „Der Denker“ schwebt am Kran seiner Transportkiste entgegen. Foto: Jostwerner

Mehr als 50 Jahren hockte “Der Denker“ unbewegt auf seinem Sockel neben dem Eingang der Kunsthalle Bielefeld. Als Montagmorgen die Monteure der Kölner Spezialfirma Hasenkamp anrückten, um die berühmte Monumentalskulptur von Auguste Rodin auf Reisen zu schicken, sah es zunächst so aus, als weigere sich der Denker, seinen angestammten Platz zu verlassen. Die etwa 1300 Kilogramm schwere Skulptur ließ sich partout nicht von ihrem Sockel heben.

Pünktlich um 9 Uhr verlässt ein auf Raupen laufender Spinnenkran seinen Anhänger und bringt sich vor Rodins Denker in Position. Vier Beine fahren aus. Sie verleihen dem Hebekran Stabilität und werden von „Kranführer“ Richard Ogasa per Fernbedienung genau platziert.

Der Denker erhält eine weiche Schutzummantelung aus Schaumstoff und wird mehrfach mit einem ummantelten Stahlseil umwickelt. „Das ist eine sensible Arbeit. Man muss den Schwerpunkt der Skulptur finden, damit sie sich gerade anheben lässt“, verdeutlicht Richard Ogasa.

Schon fährt ein Hebearm nach oben und flugs hängt der Denker am Haken. Doch anheben lässt er sich nicht einen Millimeter, vielmehr scheint er mit seinem schwarzen Mamorsockel fest verwachsen zu sein.

Eine Flex kommt zum Einsatz. Mit Brecheisen wird die fordere Mamorplatte vom Sockel gelöst. Dann endlich, nach über einer Stunde, kommt Bewegung in den Denker. Langsam löst sich die Trägerplatte vom Sockel und die Skulptur schwebt sachte ihrer Transportkiste entgegen.

„Es ist jedes Mal ein Herantasten. Man muss herausfinden, wie die Skulptur auf dem Sockel verankert ist. Ich finde, es ging hier relativ zügig voran. Manchmal brauchen wir einen ganzen Tag, um eine Skulptur zu verladen“, sagt Richard Ogasa glücklich nach getaner Präzisionsarbeit.

Etwa ein Jahr lang werden die Bielefelder auf ihren Denker verzichten müssen. Die Figur, die den Dichter Dante Alighieri verkörpert und symbolhaft für die Schöpfungskraft des Künstlers und die Möglichkeiten der Kunst steht, wird an die Fondation Beyeler in Riehen im Kanton Basel-Stadt ausgeliehen.

Das Museum für zeitgenössische Kunst zeigt ab dem 13. Dezember eine Gegenüberstellung der beiden berühmten Bildhauer Auguste Rodin und Hans Arp. Der Denker aus Bielefeld ist eines der Hauptwerke dieser Ausstellung, die im Anschluss daran im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen zu sehen sein wird. Im November 2021 wird “Der Denker“ nach Bielefeld zurückkehren.

Doch die temporäre Leerstelle soll nicht leer bleiben. Wie berichtet, plant die Kunsthalle in der Adventszeit auf dem Sockel einen Gedanken-Baum einzurichten. Alle Bielefelder sind aufgerufen, den Baum mit ihren Gedanken zu schmücken. Die Aktion startet am ersten Advent. An diesem Tag präsentiert sich der Buch- und Geschenkeshop der Kunsthalle von 12 bis 17 Uhr auf der Terrasse. Dort werden die „Gedankenkugeln“ ausgegeben, mit denen der Baum geschmückt werden soll.

Für das kommende Jahr sind weitere Programmpunkte in Planung, unter anderem ein Vortrag über den Sockel in der Kunstgeschichte.

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