Handy-Video von Ordnungsamt-Einsatz in Fußgängerzone löst Diskussion in sozialen Netzwerken aus
Maskenpflicht: Frau dreht in Bielefeld durch

Bielefeld (WB) -

Es sind auf den ersten Blick verstörende Szenen, die mitten in der Bielefelder Innenstadt von einem Augenzeugen mit einem Mobiltelefon gefilmt und ins Internet gestellt worden sind. In sozialen Netzwerken kursieren Videos von einer eskalierten Maskenpflicht-Kontrolle des städtischen Ordnungsamtes in der Fußgängerzone Bahnhofstraße gegenüber der Karstadt-Filiale.

Dienstag, 24.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 24.11.2020, 16:12 Uhr
Der Screenshot aus dem Video zeigt, wie der Kontrolleur vom Ordnungsamt die tobende Frau zu Boden drückt.
Der Screenshot aus dem Video zeigt, wie der Kontrolleur vom Ordnungsamt die tobende Frau zu Boden drückt. Foto: WB

In einem Hauseingang fixiert vor Dutzenden Passanten am Freitag gegen 16 Uhr ein Mann in dunkelblauer Uniform, abgesichert von seinen Kollegen, eine zappelnde, um Hilfe schreiende Frau auf dem Boden. Die Frau ist hörbar in einer psychischen Ausnahmesituation. Sie gehört nach Informationen dieser Zeitung zur Bielefelder Drogen- und Alkoholikerszene an der „Tüte“ zwischen Hauptbahnhof und Stadthalle.

Von der Polizei, die ebenfalls vor Ort war, heißt es, dass es sich bei der Frau um eine 39-jährige Bielefelderin handelt. Die Art, wie die über Schmerzen klagende Frau Minuten lang auf den Boden gedrückt wird, löst in sozialen Netzwerken Unverständnis und Unmut aus. Corona-Leugner („Querdenker“) werten die Videos als Beweis dafür, dass die Staatsmacht Andersdenkende brutal unterdrückt.

Viele Menschen fragen im Internet aber auch, was der Auslöser für einen derartigen Ordnungsamt-Einsatz war. Denn das sieht man in den Kurzvideos nicht. Stadtsprecher Daniel Steinmeier erklärt auf Anfrage, dass die Frau gegen die Maskenpflicht in der Fußgängerzone verstoßen, am Hauseingang geraucht und telefoniert habe.

Als Kontrolleure des Ordnungsamtes darauf aufmerksam werden, eskaliert die Situation völlig, heißt es von der Stadt. „Die Ordnungsamtsmitarbeiter wiesen die Frau auf die geltende Maskenpflicht hin. Sie zeigte sich überhaupt nicht einsichtig und setzte die Maske erst nach langer Diskussion widerwillig auf“, sagt der Stadtsprecher.

Die Frau habe ihre Personalien nicht angeben und weggehen wollen. Kontrolleure, die sich ihr in den Weg stellten, habe sie beleidigt, um sich geschlagen, getreten und einen Kontrolleur ihre Zigarette ins Gesicht geschnippt und ins Gesicht gespuckt.

„Auf Grund des erheblichen Widerstandes sollten ihr Handfesseln angelegt werden, doch bei der Rangelei stürzte sie zu Boden und wurde dann am Boden festgehalten, bis die Polizei eintraf. Gegen die Frau wurde Strafanzeige wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung gestellt“, sagt der Stadtsprecher.

Polizeisprecher Fabian Rickel bestätigt auf Anfrage die Darstellung der Stadt. „Als nach kurzer Zeit eine Streife vor Ort eintraf, hatte sich die Situation allerdings wieder beruhigt.“

Steinmeier stellt klar, dass die Kontrolleure vom Ordnungsamt mit der Art der Einsatzbewältigung in der Fußgängerzone nicht ihre Kompetenzen überschritten hätten. Die Amtsmitarbeiter seien befugt, Personalien festzustellen, Personen am Weggehen zu hindern und ihnen im Notfall auch Handfesseln anzulegen. Das seien so genannte anteilige Befugnisse aus dem Polizeirecht.

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