Familie feiert den langjährigen Kantor Reinhard Grotz aus Bielefeld-Brackwede
Eine Havanna auf den 100. Geburtstag

Bielefeld -

Das Coronavirus kann vieles vereiteln, aber längst nicht alles – und schon gar keinen 100. Geburtstag. Den begeht an diesem Mittwoch der in Bielefeld-Bethel geborene Kirchenmusiker Reinhard Grotz.

Mittwoch, 25.11.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 25.11.2020, 11:09 Uhr
Reinhard Grotz aus Bielefeld feiert heute 100. Geburtstag.
Reinhard Grotz aus Bielefeld feiert heute 100. Geburtstag. Foto: Markus Poch

Von den 1950er bis 80er Jahren war er Kantor der Bartholomäus-Gemeinde in Bielefeld-Brackwede, später auch Kirchenmusikdirektor. So nahm er erheblichen Einfluss auf das musikalische Leben im Bielefelder Süden. Mehr als 35 Jahre lang sang Grotz mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsen. Außerdem gründete er das Brackweder Kantorei-Orchester und leitete von 1974 bis 1999 den Chor der Senner Friedensgemeinde.

Sein jüngster Sohn Stephan, heute 62, und Schwiegertochter Anke (57) haben im Vorfeld des 25. Novembers mächtig rotiert, damit der Familiensenior den seltenen Ehrentag selbst zu Pandemiezeiten genießen kann. Zunächst ist ein ausgiebiger Brunch mit Champagner geplant, ehe seine Wohngruppe im Brackweder Altenheim Johann-Heermann-Haus ein großes Kuchenbuffet aufgefahren bekommt. „Parallel dazu wollen ihm Delegationen von Kirchen- und Posaunenchor ein Ständchen bringen“, erklärt Anke Grotz. Danach erwarte man die Senner Pfarrerin Dorothee Seredszus zu einer Andacht im Familienkreis.

Am späten Nachmittag ist vorgesehen, dem Jubilar in Ruhe seine Glückwunschpost vorzutragen, denn er selbst ist geistig zwar nach wie vor ausgesprochen rege, humorvoll und gelassen, kann aber nicht mehr gut sehen. „Am Abend will er dann eine Havanna rauchen und mit uns genüsslich anstoßen. Es gibt einen guten Rotwein“, kündigt seine Schwiegertochter an.

Gerne hätte Reinhard Grotz den Anlass mit Musik, Freunden und vielen Mitgliedern seiner Großfamilie gefeiert, die über Deutschland verteilt lebt. Doch nun bleiben die vier weiteren Kinder Christiane, Ekkehard, Matthias und Anke mit ihren Familien einvernehmlich zu Hause. „Wir haben vereinbart, dass alle trotzdem einen festlichen Abend verbringen, an das Geburtstagskind denken und nicht über die Situation jammern, sondern konstruktiv damit umgehen“, berichtet Anke Grotz. „So wie es Reinhard schon sein Leben lang macht.“ Zusammenhalt erfährt die Sippe über eine Dokumentation, die Christiane Boltz (69) als älteste Nachfahrin über das Leben ihres Vaters erstellt hat.

Schon früh kristallisierte sich bei Reinhard Grotz die Liebe zur Musik heraus. Sein Lehrer Johannes Kuhlo förderte sie entsprechend. Unter dem „Posaunengeneral“ spielte er das Flügelhorn bald so gut, dass er mit dem seinerzeit berühmten Kuhlo-Hornsextett auf Konzertreise nach Amsterdam gehen durfte. Aber auch Klavier und Cello standen auf dem Stundenplan. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Reinhard Grotz wurde von der Schulbank weg Soldat und kehrte als einziger von drei Brüdern zurück.

Bald machte er wieder Musik, spielte Cello in der Betheler Kantorei unter Adalbert Schütz. Seit 1948 studierte er an der frisch eröffneten Landeskirchenmusikschule in Herford, veranstaltete schon damals erste Konzerte. Nach dem Examen heiratete er seine sieben Jahre jüngere Freundin Adelheid Hoffmann, eine Musikpädagogin und Geigenlehrerin. Nachdem er Kantor in Brackwede geworden war, bauten sich beide in Senne ein Haus, eine Existenz und eine Familie auf.

Im Frühjahr 2020, wenige Wochen vor dem 70. Jahrestag ihrer Hochzeit, starb Adelheid Grotz im Alter von 92 Jahren. Ihren Mann traf das hart. Noch anlässlich ihrer eisernen Hochzeit 2015 hatte er sich gegenüber dem WESTFALEN-BLATT unmissverständlich zur Liebe seines Lebens bekannt: „Ich spielte Cello, sie spielte Geige. Da kreuzten sich unsere Blicke, und dann war es um uns passiert. Wir haben uns die Hand gegeben und nicht mehr losgelassen.“

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