Stadt berät über Konsequenzen aus Lockdown-Gipfel – Inzidenzwert übersteigt neue Risikomarke von 200
Kommen jetzt die Knallhart-Regeln?

Bielefeld -

Geht es nach den jüngsten Beschlüssen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder, müsste Bielefeld seine Corona-Regeln kurzfristig verschärfen. Denn am Donnerstag hat die Stadt erstmals den Inzidenzwert von 200 Corona-Infektionen in den vergangenen sieben Tagen „gerissen“. Er liegt jetzt bei 209,2. Und das soll nach den neuen Vereinbarungen noch strengere Maßnahmen vor Ort bedeuten, etwa für die Schulen oder bei der Maskenpflicht.

Freitag, 27.11.2020, 07:46 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 07:50 Uhr
Bielefeld leidet unter steigenden Corona-Zahlen. Jetzt könnte die Maskenpflicht noch ausgeweitet werden.
Bielefeld leidet unter steigenden Corona-Zahlen. Jetzt könnte die Maskenpflicht noch ausgeweitet werden. Foto: Bernhard Pierel

Doch Bielefelds Krisenstabsleiter Ingo Nürnberger will zunächst abwarten, bis das Land die Übereinkünfte der Politiker in eine neue Coronaschutz-Verordnung gekleidet hat, und wie sich die Infektionszahlen übers Wochenende entwickeln. „Am Montag tagt wieder der Krisenstab. Dann werden wir entscheiden, wie es weitergeht“, sagt er.

So hohe Infektionszahlen wie aktuell brächten die Kliniken und das Gesundheitswesen in riesige Schwierigkeiten, so Nürnberger. „Wir haben auch zu viele Fälle in Altenheimen und Einrichtungen der Behindertenhilfe.“ Aus den aktuell „viel zu vielen Infektionen“ entstünden in ein, zwei Wochen weitere Patienten für die Krankenhäuser. Die seien aber jetzt schon am Anschlag.

Hybrid- oder Wechselunterricht wären Möglichkeiten, in den Schulen auf die anhaltend hohen Infektionszahlen zu reagieren. Dabei würde ein Teil der Schüler online unterrichtet, die Klassen und Kurse aufgeteilt. „Wir haben immer wieder darüber nachgedacht, wie es in einer solchen Situation weitergehen könnte“, sagt Caro Brauneis, Direktorin des Gymnasiums am Waldhof und Sprecherin der Bielefelder Gymnasialleiter. „Wir werden entsprechende Lösungen anbieten können“, sagt sie auch mit Blick darauf, dass inzwischen Schüler und Lehrer besser mit Tablet-Computern ausgestattet seien. Ideal sei die Situation dennoch nicht. Vor allem die angehenden Abiturienten sorgten sich inzwischen um ihren Abschluss. „Aber wir werden sie durchs Ziel bringen“, verspricht die Pädagogin.

Fatalismus kennzeichne die Haltung bei vielen Eltern, meint Katrin Ernst, Schulpflegschaftsvorsitzende an der Gertrud-Bäumer-Realschule. Für die älteren Kinder sei neuerliches Home Schooling vielleicht zu bewältigen, wenn die technischen Voraussetzungen stimmten. Anders als Caro Brauneis ist ihre Erfahrung, dass es da in Bielefeld noch viel Nachholbedarf gibt. Bei älteren Kindern sei auch ein vorgezogener Weihnachtsferien-Start unproblematisch. „Bei den Jüngeren sieht das anders aus“, meint Katrin Ernst und ergänzt: „Viele Eltern sind am Limit.“

Die geplante Regelung für den Einzelhandel – ein Kunde pro zehn Quadratmeter bis 800 Quadratmeter Ladengröße beziehungsweise ein Kunde pro 20 Quadratmeter bei Geschäften für Ladenflächen, die darüber hinaus gehen – sieht man in der Branche gelassen. Dirk Isringhausen, Betreiber des Markant-Marktes in Ummeln mit 700 Quadratmetern, sieht dort keine Probleme. Bei dann 70 erlaubten Kunden wäre das Geschäft schon „sehr voll“. Er appelliert dennoch an die Kunden, nur einzeln und nicht mit ganzen Familien einkaufen zu gehen und Teile der Einkäufe für die Festtage schon vorzuziehen.

Dass die Beschränkungen auch für das Gastgewerbe zunächst bis zum 20. Dezember andauern sollen, kommt für die Branche „nicht überraschend“, sagt Andreas Büscher, Gastronom in Quelle und Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Ostwestfalen. Er wünscht sich jetzt schnell Klarheit darüber, wie es anschließend weitergeht. Denn selbst wenn die Betriebe vor Weihnachten wieder öffnen dürften: „Wir brauchen Planungssicherheit, müssen ja Personal einplanen und Lebensmittel einkaufen, die verderben können. Das geht nicht von heute auf morgen und nicht mal so auf Verdacht“, sagt Büscher.

Für die Branche, der das wichtige Vorweihnachtsgeschäft schon entgeht, sind die Möglichkeiten über Weihnachten und Silvester daher nicht unbedingt ein Lichtblick. Denn selbst wenn Lokale öffnen dürften, „ist noch unklar, wie die Menschen reagieren und ob die Gäste überhaupt kommen“, sagt der Dehoga-Präsident. Damit gehe der Leidensweg der Gastronomen weiter, denen langsam „das Geld ausgeht“. Denn die staatlichen Hilfen für November können erst seit Mittwoch beantragt werden und seien noch längst nicht da, wie Büscher betont.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7696602?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
„Die Lage ist katastrophal“
Geschlossene Geschäfte, fast menschenleere Einkaufsstraßen – so wie hier in der Bielefelder Obernstraße sieht es in vielen deutschen Shoppingmeilen aus
Nachrichten-Ticker