Bielefelder Betriebsrat ruft Konzernleitung in Österreich um Hilfe
Wien soll MM Graphia retten

Bielefeld -

Mit einem offenen Brief an die Leitung des Druckerei-Konzerns Mayr-Melnhof (MM) Packaging International in Wien will der Betriebsrat der MM Graphia Bielefeld GmbH die Schließung seines Tiefdrucks in Brackwede verhindern.

Samstag, 28.11.2020, 08:00 Uhr
Der Betriebsrat der MM Graphia Bielefeld GmbH will die Schließung seines Tiefdrucks in Brackwede verhindern.
Der Betriebsrat der MM Graphia Bielefeld GmbH will die Schließung seines Tiefdrucks in Brackwede verhindern. Foto: Bernhard Pierel

Bereits zum 31. Dezember 2020 stehen dort zunächst 64 Arbeitsplätze in der Zigarettenverpackung auf dem Spiel, später möglicherweise alle 245 Angestellten. „Wir sind in tiefer Sorge um die Zukunft des Standortes“, schreibt Betriebsratsvorsitzender Burkhard Winterhoff dem MM-Konzernchef Peter Oswald.

Wie das WESTFALEN-BLATT berichtete, waren die Verhandlungen des Betriebsrates mit der Gewerkschaft Verdi und der Geschäftsleitung vor Ort gescheitert. Der Betriebsrat hatte wohl mehrere Vorschläge unterbreitet, wie eine komplette Übertragung der bislang in Brackwede gefertigten Druckaufträge auf andere Standorte im In- und Ausland zu vermeiden wäre. Da ging es unter anderem um die Reduzierung der Mitarbeiterzahl und um eine Aufschiebung der Tiefdruck-Stilllegung bis Ende 2021, um Personal sozialverträglich abzubauen.

Das Vertrauensverhältnis zwischen Belegschaft und Bielefelder Chefetage scheint derweil massiv gestört zu sein. Denn die Geschäftsleitung unter Rainer Schmidt verlange nun die Fortsetzung der Verhandlungen in einer Einigungsstelle. Das hält der Betriebsrat für wenig zielführend, zumal bislang nicht im Ansatz zu erkennen sei, dass über „inhaltliche Alternativen zu dem Konzept ‚Stilllegung des Tiefdrucks zum 31. Dezember’“ nachgedacht werde. Deshalb wünschen sich die Graphia-Mitarbeiter in Brackwede, dass sich der Konzernchef in Wien persönlich mit dem Thema beschäftigt. Sie halten es für möglich, dass die Geschäftsleitung Bielefeld ihn gar nicht über alle Rettungsvorschläge informiert hat.

„Meine Kollegen sind wütend und enttäuscht“, sagt Betriebsrat Winterhoff. Denn die Wirtschaftsdaten des Standortes rechtfertigten alles andere als die Schließung des Tiefdrucks. Bei der geplanten Maßnahme gehe es offenbar nicht um eine marktbedingt erforderliche Kostenreduzierung, sondern um die weitere Gewinnoptimierung zu Lasten der Belegschaft. Verdi hat jetzt Oberbürgermeister Pit Clausen dazu aufgefordert, sich in den Arbeitskampf um das wankende Traditionsunternehmen einzuschalten.

„Aber die Solidarität in Brackwede ist beeindruckend“, berichtet Winterhoff. „Viele ehemalige Mitarbeiter und auch Angehörige ehemaliger Kollegen rufen uns an und wünschen uns Glück. Das hatte ich so nicht erwartet.“ Es zeige die tiefe Verwurzelung des Betriebs im Stadtbezirk. Als Graphia Hans Gundlach GmbH war die Firma 1929 gegründet worden, soll einmal mehr als 1000 Mitarbeiter gehabt haben. 2002 wurde sie vom Mayr-Melnhof-Konzern übernommen – mit 430 Beschäftigten.

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