Die Ravensberger Blätter zeigen europäische Einflüsse in Bielefeld auf
Geburtshilfe von außen

Bielefeld -

Seit März ruhen auch beim Historischen Verein für die Grafschaft Ravensberg sämtliche Veranstaltungen. Um so erfreuter zeigt sich sein Vorsitzender Professor Dr. Ulrich Andermann, dass „zumindest die Publikationstätigkeit unvermindert aufrechterhalten werden konnte“.

Donnerstag, 17.12.2020, 06:00 Uhr
Dr. Jochen Rath (von links), Dr. Jürgen Büschenfeld und Prof. Dr. Ulrich Andermann auf der Radrennbahn.
Dr. Jochen Rath (von links), Dr. Jürgen Büschenfeld und Prof. Dr. Ulrich Andermann auf der Radrennbahn. Foto: Uta Jostwerner

Und so liegt druckfrisch das zweite Jahresheft der Ravensberger Blätter vor, das sich ganz dem Thema „Europa in Westfalen“ widmet und dessen Beiträge im Rahmen eines Projektseminars im Fach Geschichte an der Universität Bielefeld entstanden. „Mit ‚Europa in Westfalen‘ handelt es sich um einen Beitrag der LWL-Denkmalpflege zum europaweiten Kulturerbejahr 2018. Ziel des LWL-Projekts war es, das baukulturelle Erbe vor Ort in seinen europaweiten Kontext zu stellen“, erklärt Dr. Jürgen Büschenfeld, unter dessen Leitung das über zwei Semester laufende Projektseminar 2018 stattfand.

Im Mittelpunkt standen mit der Sparrenburg, der Ravensberger Spinnerei und der Radrennbahn drei ausgewählte Bielefelder Baudenkmale, die unter dem Einfluss europäischer Impulse entstanden.

Wenn dem Bielefelder Wahrzeichen, der Sparrenburg, ein europäischer Bezugsrahmen zugeschrieben wird, so leuchtet das auf den ersten Blick nicht unmittelbar ein. Die beiden Autoren Christopher Kuhlmann und Oliver Lingert konnten jedoch nachweisen, dass die Baugeschichte der Burg, insbesondere der so genannte Scherpentiner, auf einen Entwurf des italienischen Baumeisters Alessandro Pasqualini zurückgeht. „Die von ihm entworfene Eckbastion stellt ein besonderes Merkmal der Sparrenburg dar, da sie zwei verschiedene Baustile miteinander kombiniert“, legen die Autoren dar.

Andere europäische Einflüsse hatten nichts mit der Architektur zu tun, sondern mit dem Streit ums territoriale Erbe und mit kriegerischen Auseinandersetzungen, so Kuhlmann und Lingert. So legten die Holländer als Verbündete während des 30-jährigen Krieges Wälle und Schanzen rund um die Festung an. Auch spanische, schwedisch-hessische und französische Truppen interessierten sich für die Sparrenburg, „die jedoch nie erstürmt, sondern nach Phasen einer mehr oder weniger langen Belagerung jeweils gegen freien Abzug an die Feinde übergeben wurde“, wissen die Autoren zu berichten.

Die Geschichtsstudenten Linda Schlüter und Mika Beier konnten nachweisen, dass die Architektur der Ravensberger Spinnerei auf englischen Vorbildern beruht: „Nicht nur das Erscheinungsbilder der Gebäude, sondern auch die Technik der Spinnmaschinen stammt überwiegend aus Großbritannien und Irland, das damals noch zum Vereinigten Königreich zählte.“ Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass die Ravensberger Spinnerei nur deswegen so erfolgreich produzieren und die ersten Schritte Bielefelds in die Industrialisierung abbilden konnte. Heute beherbergt das Gebäude die VHS und mit ihr ein breites Lehrangebot im Bereich der Sprachen sowie der historisch-politischen Bildung.

Auch die Radrennbahn weist zahlreiche europäische Einflüsse auf. So legen Nadine Melzer und Diana Gotscharek in ihrem Beitrag dar, dass der Architekt Clemens Schürmann seine im Ausland gesammelten Erfahrungen mit in die Planung und die Konstruktion der Bielefelder Radrennbahn konnte. Mit dem Ergebnis, dass die Bahn zu einer der schnellsten und modernsten in Europa wurde. Später entwarf Schürmann zahlreiche weitere Radrennbahnen in ganz Europa.

In einem weiteren Beitrag befasst sich Annette Meyer zu Bargholz mit dem Bücherschrank der Clara Anna von Meschede, die Mitte des 17. Jahrhunderts eine ansehnliche Sammlung von 60 (!) Büchern ihr eigen nannte. Darunter Bücher nicht nur in deutscher, sondern auch lateinischer, italienischer, polnischer und französischer Sprache.

Zuletzt legt Wolfgang Kruse unter der Prämisse „Gedenkpolitische Absurditäten und Leerstellen“ den Konflikt um die Erinnerung an den Hauptgefreiten Martin Augustyniak in Bielefeld dar.

Das Heft „Europa in Ravensberg und Westfalen“ ist zum Preis von 5 Euro über den Historischen Verein zu beziehen. E-Mail: info@hv-ravensberg.de oder Telefon 0521/512469.

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