Schutz vor Coronavirus: 2580 Dosen in Bielefeld verabreicht – Windhorst beklagt Mangel und Wartezeiten
„Uns fehlt der Impfstoff“

Bielefeld (WB) -

Auch am Neujahrstag sind in Bielefeld Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden: Die mobilen Teams sind in drei Altenpflegeheimen gewesen, um Bewohner und Mitarbeiter gegen Covid-19 zu impfen. Und an diesem Samstag geht es in drei Einrichtungen weiter.

Samstag, 02.01.2021, 07:00 Uhr aktualisiert: 02.01.2021, 07:29 Uhr
Viele Bielefelder warten darauf, sich gegen Covid-19 impfen lassen zu können.
Viele Bielefelder warten darauf, sich gegen Covid-19 impfen lassen zu können. Foto: Kay Nietfeld

„Stand Neujahrmittag sind in Bielefeld 2580 Dosen verimpft worden“, sagt Dr. Theodor Windhorst, Organisator und Leiter des Bielefelder Impfenzentrums. Das bedeutet, das ebenso viele Dosen zurückgelegt wurden für die zweite Impfung nach drei Wochen.

Ob es im Impfzentrum, das in der Ausstellungshalle der Stadthalle eingerichtet wurde, tatsächlich am 15. Januar für die mobilen über 80-Jährigen losgehen kann, ist aber noch nicht ausgemacht. Windhorst würde seine Hand nicht dafür ins Feuer legen. „Es ist Kappes, was da läuft“, sagt er deutlich. Ärzte und Medizinisches Fachpersonal stünden Gewehr bei Fuß, um loszulegen, „was uns fehlt, ist der Impfstoff“. 1200 Dosen sollen demnächst pro Tag dem Bielefelder Impfzentrum zur Verfügung gestellt werden. „Aber ab wann?“

Windhorst hofft, wenigstens die Seniorenheime schnell „abhaken“ zu können, da ihre Bewohner besonders gefährdet sind. „Das entlastet die Intensivstationen der Krankenhäuser.“ Zehn Pflegeheime, sagt Windhorst, seien „durch“. Einrichtungen, die sich für einen Impftermin anmelden, erfahren drei Tage vorher das genaue Datum und einen Tag vor dem Termin die genaue Uhrzeit. Bedauerlich findet der Mediziner, dass es einigen Heimen in den vergangenen Wochen noch nicht gelungen sei, die notwendigen Unterschriften unter die Einverständniserklärung zu bekommen.

Das Personal in den Heimen, erklärt er, würde in zwei Etappen geimpft – damit es im Fall von Impfreaktionen nicht zu knapp wird. Allerdings, betont Windhorst, sei die Verträglichkeit des Biontech-Impfstoffes sehr gut. „Er ist hervorragend und wirklich intelligent gemacht. Biontech forscht seit 20 Jahren an diesem Prinzip.“

Nach den Heimen sollten schleunigst das Personal in Notaufnahmen und auf Intensivstationen, aber auch niedergelassene Ärzte geimpft werden – und natürlich die Mitarbeiter von Pflegediensten und die pflegebedürftigen Menschen, die daheim versorgt werden. „Das sind immerhin 70 Prozent der Pflegefälle!“

Windhorst würde sich freuen, wenn die Kassenärztliche Vereinigung, die für alle anderen Impfwilligen die Terminvergabe organisiert, genau damit endlich beginnen könnte. „Aber wir wissen ja noch nicht, wann wir welche Mengen des Impfstoffes bekommen.“ An der Reihe sollen dann zunächst die Menschen jenseits der 80 sein. „Es genügt, wenn sie sich dann über die Rufnummer 116117 einen Termin geben lassen und dann ihren Ausweis mitbringen.“

 Auch in Bielefeld haben sich die Impfärzte Gedanken darüber gemacht, aus den Ampullen mit dem Impfserum nicht nur fünf, sondern sechs Dosen à 0,3 Milliliter herauszuholen. In der Schweiz wird es so gehandhabt, die Europäische Zulassungsbehörde EMA allerdings hat fünf Dosen vorgegeben. Tatsächlich sind die Fläschchen „überfüllt“.

„Die EMA wollte auf Nummer sicher gehen und falsches Sparen vermeiden. Das Schlimmste wäre, mit einer Unterdosis zu impfen“, sagt Windhorst. Aber es bleibt eben oft genug in den Fläschchen übrig für eine weitere Dosis. „In dem Fall nutzen wir die natürlich auch“, sagt Windhorst. Es gäbe auch sparsamere Spritzenkanülen mit weniger „Totvolumen“, in dem immer ein Rest stehen bleibt. Mit ihnen ist die sechste Dosis aus den Durchstechfläschchen herauszuholen. Sie kosten allerdings, sagt Windhorst, das Doppelte im Vergleich zu den herkömmlichen Spritzen. Was auf keinen Fall geht: Die Reste aus den Fläschchen zusammenzuschütten, um weitere Impfdosen zu erhalten.

Ein wenig hofft Windhorst auch auf den Impfstoff des US-Pharmaunternehmens Moderna, der auch bald zugelassen werden soll. „Er hat eine ähnliche Wirkung wie der von Biontech und ist leichter zu handhaben.“ Will heißen: Er muss nicht bei minus 70 Grad gekühlt und vorsichtig aufbereitet werden. Dadurch könnte er dann – ähnlich wie die Grippeschutzimpfung – von den niedergelassenen Ärzten in Bielefeld verabreicht werden.

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