Für die 53 Corona-Impfzentren in NRW gibt es bisher nicht genügend Impfstoff von Biontech
Leiter der Bielefelder Einrichtung in Sorge: „Start der Impfzentren am 15. Januar ist fraglich“

Bielefeld -

Dr. Theodor Windhorst, Ehrenpräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, befürchtet, dass die 53 Impfzentren in Nordrhein-Westfalen nicht wie geplant am 15. Januar starten werden. „Es gibt möglicherweise nicht genügend Impfstoff, und das ist ein Jammer“, sagt der Leiter des Bielefelder Impfzentrums.

Samstag, 02.01.2021, 03:00 Uhr
In der Stadthalle Bielefeld ist das Impfzentrum der Großstadt eingerichtet. Bis zu 1000 Menschen sollen hier pro Tag geimpft werden.
In der Stadthalle Bielefeld ist das Impfzentrum der Großstadt eingerichtet. Bis zu 1000 Menschen sollen hier pro Tag geimpft werden. Foto: Thomas F. Starke

15.000 Ärzte und Medizinische Fachangestellte hätten sich in NRW gemeldet, um in den 53 Impfzentren zu arbeiten. Und das DRK, der Arbeiter-Samariterbund und andere Organisationen stünden für den Betrieb der Zentren bereit. „Wir können sofort loslegen, aber wir brauchen den Impfstoff.“ Warum nicht rechtzeitig genug bei Biontech bestellt worden sei, wisse er auch nicht, sagt der Arzt. Er hätte sich von der Bundesregierung ein „aggressiveres Verhandeln“ gewünscht. „Angesichts der hohen Sterbezahlen kommt es jetzt beim Impfen auf jeden Tag an. Schließlich dauert es nach der ersten Spritze vier Wochen, bis sich der Schutz aufbaut“, sagt Windhorst.

Leiter ist des Bielefelder Impfzentrums ist Dr. Theodor Windhorst.

Leiter ist des Bielefelder Impfzentrums ist Dr. Theodor Windhorst. Foto: Thomas F. Starke

Im Dezember waren in Nordrhein-Westfalen fast so viele Menschen an oder mit Corona gestorben wie in den neun Monaten davor: Von März bis Ende November wurden in NRW 3435 Opfer gezählt, im Dezember waren es 3015.

In den Impfzentren sollen zuerst Menschen versorgt werden, die diese Zentren selbstständig aufsuchen können und die zur Priorisierungsgruppe 1 gehören – 80-Jährige und Ältere, ambulantes und stationäres Pflegepersonal und bestimmte Krankenhausmitarbeiter. Vorher soll allerdings die Impfung von Menschen in Pflege- und Behindertenheimen abgeschlossen sein. Sie hatte am 27. Dezember begonnen. In Westfalen-Lippe (das sind die Regierungsbezirke Arnsberg, Detmold und Münster) sollen bis Sonntagabend mehr als 38.000 Bewohner in 301 Altenheimen geimpft sein. In ganz Nordrhein-Westfalen leben nahezu 200.000 Menschen in etwa 3000 Pflegeheimen.

Windhorst sagte, viele Heime seien hervorragend vorbereitet: „Wir brauchen ja für jeden Bewohner die schriftliche Zustimmung zur Impfung, gegebenenfalls vom gesetzlichen Betreuer.“ Es gebe aber auch Heime, die den Impftermin erst mal mit der Begründung abgelehnt hätten, sie hätten nicht genug Personal, um die Unterschriften zu besorgen. „Das ist schlecht.“

Die Priorisierung der Alten soll nicht nur eine besonders gefährdete Gruppe schützen, erhofft wird dadurch auch eine Entlastung der Krankenhäuser.

Neben dem fehlenden Impfstoff bemängelt Windhorst eine „unzureichende Information“ der Menschen. „Viele Ältere wollen sich impfen lassen, wissen aber nicht, wann und wo sie dran sind.“ Sie riefen deshalb in Arztpraxen an oder bei der Hotline 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung. „Die ist für diese Anwendung aber noch nicht freigeschaltet.“ Wann das soweit sein werde, stehe noch nicht fest. „Das hängt davon ab, wann genug Impfstoff verfügbar ist.“ Eine Impfung beim Hausarzt werde erst möglich sein, wenn es weitere Impfstoffe gebe, die nicht bei minus 70 Grad gelagert werden müssten.

NRW rechnet nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Januar mit der Lieferung von gut 141.000 Impfdosen pro Woche. Sie werden an einen geheimgehaltenen Ort in ein Kühllager gebracht und von der Kassenärztlichen Vereinigung verwaltet. Geht eine Bestellung (zum Beispiel für ein Altenheim) ein, wird die Menge ausgeliefert und die gleiche Menge zurückgestellt. So soll garantiert werden, dass es für die zweite Impfung nach drei Wochen in jedem Fall Impfstoff gibt und nicht Produktionsstörungen oder andere Probleme die zweite Spritze verhindern. Die Menge der an NRW gelieferten Impfdosen reicht also immer nur für halb so viele Menschen.

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