Mit Verzögerung soll an der Hauptstraße in Bielefeld-Brackwede ein Ärztehaus entstehen
Musikschule: Abriss steht jetzt kurz bevor

Bielefeld -

Sechs Jahre später als geplant, sollen 2021 die Bauarbeiten zu einem neuen Ärztehaus an der Hauptstraße beginnen. Das frühere Gebäude der Musikschule Kanngießer, Hausnummer 117, muss dazu abgerissen werden.

Montag, 04.01.2021, 04:30 Uhr
Kein Brackweder kennt die Hauptstraße ohne das fast 150 Jahre alte Haus der Musikschule Kanngießer (rechts). Aktuell steht es leer. Im Frühjahr 2021 soll es abgerissen und mittelfristig durch ein Ärztehaus ersetzt werden.
Kein Brackweder kennt die Hauptstraße ohne das fast 150 Jahre alte Haus der Musikschule Kanngießer (rechts). Aktuell steht es leer. Im Frühjahr 2021 soll es abgerissen und mittelfristig durch ein Ärztehaus ersetzt werden. Foto: Markus Poch

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen gehört das Grundstück der bereits in der Nachbarschaft ansässigen Neurologin Judith Katzmann, die sich dort mit weiteren Ärzten ausbreiten will. Angeblich laufe die Bauplanung schon seit Monaten. Als Abrissbeginn werde der Zeitraum März/April angepeilt, heißt es aus dem Praxisumfeld.

Manche Brackweder reagieren auf diese Nachricht vielleicht sentimental, denn ganze Generationen von Mädchen und Jungen sind zwischen 1909 und 2019 zu dieser Musikschule gegangen. Besonders Gründersohn Arno Kanngießer (1922 bis 2011) hatte als Musiklehrer und -händler die musikalische Erziehung sowie die Orchester- und Chorarbeit des gesamten Stadtbezirks geprägt.

Vor zwei Jahren musste dessen Sohn, der beliebte Musiker und Musiklehrer Jörg Kanngießer, den Familienbetrieb aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben, nachdem er das Gebäude bereits 2014 verkauft hatte und nur noch Mieter der gewohnten Räume war. Im Februar 2020 erlag er im Alter von erst 54 Jahren einer schweren Krankheit.

Und jetzt soll das 1872 erbaute Haus verschwinden, das 110 Jahre lang unzertrennlich mit der musikalischen Familie verbunden war. Zu den Menschen, die das traurig stimmt, zählen Brackwedes Heimatpflegerin Rosemary Flöthmann (62) und ihr Kollege Ansgar Meyer (53) vom Heimatverein. Sie trauern um jedes altes Haus, das abgerissen wird – auch wenn sie sich hier eingestehen müssen, dass die Bausubstanz nur unter erheblichem Kapitalaufwand zu retten wäre.

Das haben die beiden jüngst bei einer von der Besitzerin genehmigten Begehung festgestellt. Sie wollten die Räumlichkeiten noch einmal in Augenschein nehmen, fürs Heimatmuseum fotografieren und vielleicht ein paar Erinnerungsstücke mitnehmen. Das große Musikschulen-Schild von der Fassade hatten sie bereits gerettet. Doch außer einigen Türschildern, Kleiderhaken, Klorollen-Haltern und etwas Blechspielzeug gab es nichts mehr zu holen.

Trotzdem: Flöthmann und Meyer waren mit Jörg Kanngießer auch befreundet. Sie kannten ihn und seine Familie bewusst seit den frühen 80er Jahren. „An das Geschäft mit der Kopfhörertheke zum Reinhören kann ich mich noch gut erinnern“, sagt 50er-Jahre-Fan Meyer. „Da habe ich 1980 meine erste Rock‘n‘Roll-Schallplatte gekauft – Chuck Berry.“

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