Bielefelder Landgericht verurteilt 19-Jährigen nach tödlicher Messerattacke auf 17-Jährigen
Mordprozess Baumheide: Achteinhalb Jahre Haft

Bielefeld -

Nach der Tötung eines 17-Jährigen an der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg im Bielefelder Stadtteil Baumheide hat das Landgericht Bielefeld am Dienstag einen 19-Jährigen zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Deutsche aus Bielefeld wollte in der Nacht zum 1. Mai 2020 das ebenfalls aus Bielefeld stammende Opfer mit einem Messer zur Herausgabe seines Rucksacks zwingen. Als der Jugendliche sich weigerte, stach ihm der Angreifer zweimal in den Bauch.

Dienstag, 19.01.2021, 14:47 Uhr aktualisiert: 20.01.2021, 15:32 Uhr
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Symbolbild Foto: dpa

Einen Tag nach der Bluttat wurde der damals 18-Jährige von Ermittlern einer Mordkommission festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Anschließend erhob die Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen den jungen Mann.

Der Prozess vor einem Jugendschwurgericht (3. Große Strafkammer) wurde seit dem 2. November 2020 nicht-öffentlich geführt, weil viele Delikte mitverhandelt wurden, die der Angeklagte noch als 17-Jähriger und damit als Jugendlicher begangen hatte. Dabei ging es unter anderem um Raubdelikte, Fahren ohne Führerschein und Drogendelikte.

Im nach Jugendrecht ergangenen Urteil befanden die Richter den 19-Jährigen des Totschlags am niedergestochenen 17-Jährigen, der vorsätzlichen und gefährlichen Körperverletzung, des Fahrens ohne Fahrerlaubnis sowie wegen Drogenverstößen für schuldig. Darüber hinaus hat das Jugendschwurgericht die Unterbringung des alkohol- und rauschgiftsüchtigen Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Staatsanwaltschaft und die Opferanwälte der Eltern des Getöteten hatten neuneinhalb Jahre Haft gefordert.

Gleich am ersten Prozesstag gestand der 19-Jährige nach Informationen dieser Zeitung, das Opfer an der Stadtbahnhaltestelle mit einem Messer angegriffen zu haben. Allerdings stritt der junge Mann ab, dass er den 17-Jährigen habe töten wollen. Ein Stich traf die Bauchschlagader, der Jugendliche verblutete vier Tage vor seinem 18. Geburtstag noch an der Haltestelle.

Mehrere Ersthelfer, die den lebensgefährlich Verletzten retten wollten, konnten nichts mehr für den Sterbenden tun. Der 17-Jährige starb vor Eintreffen eines alarmierten Notarztes an inneren Blutungen.

Der Fall hatte im vergangenen Frühjahr in der Landespolitik hohe Wellen geschlagen, weil der Angeklagte erst fünf Wochen vor der Bluttat in Baumheide aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Er war wegen mehrerer Körperverletzungs- und Raubdelikte verhaftet worden.

Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hatte die Entlassung des von der Polizei als Intensivtäter eingestuften 19-Jährigen wegen der Corona-Krise vermutet. Im Rechtsausschuss des Landtages hatte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) berichtet, die Entlassung aus der U-Haft sei Ende März erfolgt, weil sie sonst unverhältnismäßig gewesen wäre.

Nach Einschätzung der zuständigen Jugendrichterin am Amtsgericht hatte der bis dahin nicht Vorbestrafte wegen der anderen Körperverletzungs- und Raubdelikte eine Jugendstrafe mit Bewährung zu erwarten. Biesenbach verteidigte die Gründe als „nachvollziehbar und vertretbar“.

 

Fall wurde zum Politikum

Der Fall hatte im vergangenen Frühjahr in der Landespolitik hohe Wellen geschlagen, weil der Angeklagte erst fünf Wochen vor der Bluttat in Baumheide aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Er war wegen mehrerer Körperverletzungs- und Raubdelikte verhaftet worden.Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag hatte die Entlassung des von der Polizei als Intensivtäter eingestuften 19-Jährigen wegen der Corona-Krise vermutet. Im Rechtsausschuss des Landtages hatte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) berichtet, die Entlassung aus der U-Haft sei Ende März erfolgt, weil sie sonst unverhältnismäßig gewesen wäre.Nach Einschätzung der zuständigen Jugendrichterin am Amtsgericht Bielefeld hatte der bis dahin nicht vorbestrafte 19-Jährige wegen der vor der Bluttat begangenen Delikte eine Jugendstrafe mit Bewährung zu erwarten. Biesenbach verteidigte die Gründe als „nachvollziehbar und vertretbar“.

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