Extrem dichte Filtermasken sind ab Montag auch in NRW vorgeschrieben – OP-Masken als Alternative
Experten sehen FFP2-Masken kritisch

Düsseldorf (WB) -

Ab Montag müssen in NRW in Bussen, Bahnen und im Einzelhandel FFP2- bzw. OP-Masken getragen werden. Das sieht die neue Coronaschutz-Verordnung für Nordrhein-Westfalen vor, die am Donnerstagabend veröffentlicht wurde

Freitag, 22.01.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 10:18 Uhr
Experten halten nichts von FFP2-Masken für alle.
Experten halten nichts von FFP2-Masken für alle. Foto: Sven Hoppe/dpa

In Bayern gilt so eine Vorschrift bereits seit Montag, in NRW zeigte sich Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zuletzt eher skeptisch – vor allem, weil er fürchtet, dass es nicht genügend Masken geben könnte.

Experten äußern dagegen ganz andere Bedenken. „FFP2-Masken haben im Alltag der normalen Bevölkerung nichts verloren“ sagt der Infektiologe und Intensivmediziner Dr. Peter Walger aus Bonn. Er ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und sagt, vor allem für ältere Menschen seien solche Masken eine Zumutung, wenn sie sie länger tragen müssten. „Weil die Masken die Atmung deutlich behindern.“ Selbst in Krankenhäusern würden FFP2-Masken nur selten eingesetzt, zum Beispiel bei Masern, Windpocken, Influenza, Tuberkulose und eben Covid 19.

Diese Masken seien keine Medizinprodukte, sagt der Infektiologe. „Sie kommen aus dem Arbeitsschutz, und es gibt strenge Vorgaben für ihre Verwendung.“ So müssten Träger nach 75 Minuten eine 30-minütige Pause einlegen. „Und vor dem ersten Tragen steht eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung, um das persönliche Gesundheitsrisiko des Trägers durch den erhöhten Atemwiderstand zu bewerten.“ Auch der perfekte Sitz müsse von einer dritten Person überprüft werden. „In Krankenhäusern experimentieren wir manchmal mit zusätzlichen Gummibändern hinter dem Kopf, um einen dichten Abschluss zu gewährleisten, und Bartträger müssen sich rasieren.“ Das alles werde ein Bürger, der sich in den Bus setze, natürlich nicht tun. „Der ist froh, wenn die Maske nicht richtig passt und er Luft bekommt. Aber damit erreichen wir natürlich nicht den gewünschten Effekt.“ Wenn jemand darüber klage, dass seine Brille beschlage, sei das schon ein Zeichen dafür, dass seine Maske nicht richtig sitze.

Die Einschätzung des Arztes teilt Dr. Johannes Kleideiter, Hygieniker am Klinikum Bielefeld. „Die Filterleistung dieser Masken ist einfach so hoch, dass Menschen mit Lungen- oder Herz-Kreislauf-Krankheiten Probleme bekommen können, wenn sie damit durch den Supermarkt laufen.“

Beide Ärzte empfehlen, in der Öffentlichkeit eine OP-Maske zu tragen. „Das mache ich auch“, sagt Dr. Walger. Bestimmt seien manche sogenannte Community-Masken genauso gut, aber das wisse man eben nicht, weil sie nicht geprüft würden. „Bei den wenigen Erledigungen, die ich in der Stadt mache, nutze ich meine Maske eine Woche lang“, sagt der Infektiologe. Sie hänge am Rückspiegel seines Wagens und könne dort trocken. „Allerdings darf man eine Maske niemals innen anfassen“, warnt der Hygiene-Experte.

OP-Masken, auch chirurgische Masken genannt, kosten deutlich weniger als FFP2-Masken. Ein Medizin-Produkte-Vertrieb im Rheinland bot solche Masken aus deutscher Produktion am Donnerstag für 30 Cent an, während eine FFP2-Maske dort 1,90 Euro kostete.

Importware aus China sieht Dr. Peter Walger übrigens kritisch. „KN 95 ist der chinesische Standard, der unseren FFP2-Masken entspricht. Die Filterleistung ist möglicherweise gleich, aber die Masken sind oft viel zu kein und dichten nicht richtig ab.“ Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene habe erste Hinweise darauf, dass es in Krankenhäusern und Pflegeheimen schon Corona-Infektionen wegen schlecht sitzender Masken gegeben habe, die kein oder ein gefälschtes CE-Zeichen gehabt hätten.

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