Gesamtschule Rosenhöhe sendet ein „Zeichen der Wertschätzung zu Zeiten, in denen man sich kaum sieht“
Bielefelder Lehrer liefern Zeugnisse frei Haus

Bielefeld (WB) -

Wenn es am kommenden Freitag in Nordrhein-Westfalen die Halbjahreszeugnisse gibt, dann bietet die Gesamtschule Rosenhöhe in Bielefeld-Brackwede coronabedingt einen besonderen Lieferservice an: Auf Vorschlag der Schulleitung will ein Großteil der Lehrer seinen Schülern die Dokumente persönlich nach Hause bringen.

Freitag, 22.01.2021, 05:30 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 12:12 Uhr
Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse steht kurz bevor.
Die Ausgabe der Halbjahreszeugnisse steht kurz bevor. Foto: Ina Fassbender (dpa)

Im Gegensatz zu den meisten anderen Schulen, die ihre Zeugnisse entweder postalisch verschicken oder, wie sonst üblich, von den Schülern abholen lassen, „ist diese Alternative für uns ein Zeichen von Wertschätzung zu Zeiten, in denen man sich kaum noch sieht“, erklärt Schulleiterin Claudia Hoppe. „Klar, dass man dabei auf Distanz bleibt und sich an die Hygieneregeln hält – wie ein Briefträger.“

Sämtliches Lehrpersonal der Schule, das sind rund 100 Pädagogen, Referendare und Sozialarbeiter, seien inzwischen mit FFP2-Masken ausgestattet. Deshalb habe sie da keinerlei Bedenken. Die Bereitschaft unter ihren Mitarbeitern, zu Zeiten des Distanzunterrichtes einmal so zu verfahren, sei groß. 20 Männer und Frauen hätten sich schon auf Anhieb zum Mitmachen bereit erklärt.

„Wir pflegen hier einen kommunikativen Umgang“, sagt Claudia Hoppe.“ Sie glauben gar nicht, wie sehr sich unsere Schüler und deren Eltern schon während des ersten Lockdowns über gelegentliche Besuche – vielleicht sogar des Klassenlehrers – gefreut haben. Wir wollen damit einfach nur sagen: ‚Du bist uns wichtig, und der Kontakt darf nicht abreißen.‘“

Auf die persönliche Zeugniszustellung, die am 29. Januar zwischen 8 und 13 Uhr erfolgen soll, dürfen sich 631 Schüler der Sekundarstufe I freuen. Das entspricht den Klassen fünf bis zehn. Die 168 Schüler der Sekundarstufe II holen sich ihre Zeugnisse einzeln ab. Die angehenden Abiturienten bekommen ihre Unterlagen bereits an diesem Freitag.

Kommentar

Zu normalen Zeiten wäre ein Zeugnis-Lieferdienst sicherlich ein übertriebener Service der Schule. Aber jetzt, da den Schülern wegen Corona jegliche persönliche Ansprache des Lehrers fehlt, ist die Initiative der Gesamtschule Rosenhöhe eine schöne Geste, an der sich vielleicht auch andere Schulen ein Beispiel nehmen. Schüler und Lehrer sind alt und inzwischen auch erfahren genug, um die Ansteckungsgefahr bei der Übergabe zu minimieren. Sie werden sich schon nicht gegenseitig um den Hals fallen.  Markus Poch

...

Pro Klasse gibt es laut Claudia Hoppe durchschnittlich 28 Schüler und zwei Lehrkräfte, so dass diese sich den Aufwand teilen könnten. Nur dann, wenn eine persönliche Zustellung oder sonstige Übergabe am kommenden Freitag nicht möglich ist, soll das Zeugnis mit der Post versand werden.

Es gibt aber auch Lehrer, die die Begeisterung für die angedachte Zeugniszustellung nicht teilen. Manch einer fühlt sich als Kurierfahrer missbraucht, der sich zudem einem erhöhten Gesundheitsrisiko aussetzen soll, weil er zu „vielen Kontakten in kurzer Zeit“ aufgefordert werde. „Selbst unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln und dem Tragen einer Maske ist nicht ausgeschlossen, dass es zur Ansteckung kommen könnte. Damit setzen die Lehrer sich unnötiger Gefahr aus“, heißt es in einem Schreiben aus dem Umfeld einer Lehrerin, das dem WESTFALEN-BLATT vorliegt.

Hinzu kämen die Fragen, ob es ein vertretbarer Aufwand für einen Lehrer ist, mit dem Privatwagen über mehrere Stunden unterwegs zu sein und ob sein Besuch bei dem jeweiligen Schüler und dessen Angehörigen nicht als Eindringen in die Privatsphäre empfunden werde.

Die Schulleiterin teilt diese Bedenken nicht, und auch Georgia Schönemann, Leiterin des Amtes für Schule, zeigt sich der persönlichen Zustellung gegenüber aufgeschlossen. Sie sagt: „Die Schulen in NRW entscheiden in eigener Zuständigkeit über die Art und Weise der Zeugnisausgabe. Ich finde, was die Gesamtschule Rosenhöhe macht, ist eine gute Sache – sofern Hygieneregeln und Infektionsschutz gewährleistet sind.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7778203?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Einkauf rund um die Uhr
Markus Belte (links) und Alexander Burghardt stellen den Latebird-Prototypen vor. Der autonome Mini-Supermarkt im Kiosk-Format ermöglicht einen kontaktfreien Einkauf rund um die Uhr. Die ersten Container werden gerade in Paderborn gebaut.
Nachrichten-Ticker