Corona-Impfung: Falschauskünfte im Netz und in Callcentern – Server muss abgeschaltet werden
Ärger wegen Termin-Chaos in NRW

Düsseldorf/Bielefeld (WB) -

Der erste Tag zur Vergabe von Corona-Impfterminen in NRW ist von massiv überlasteten Computern, überforderten Callcentern und Falschinformationen an Hotlines überschattet worden.

Montag, 25.01.2021, 22:29 Uhr aktualisiert: 25.01.2021, 22:48 Uhr
Die Termine waren nicht ausgebucht, aber das System war am Ende.
Die Termine waren nicht ausgebucht, aber das System war am Ende. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Das Online-Buchungssystem musste am Mittag für Westfalen-Lippe abgeschaltet werden, es soll bis Dienstag wieder verfügbar sein. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe hatte es am Vormittag bis zu 700 Seitenaufrufe pro Sekunde gegeben, 252 Millionen pro Stunde. Ob auch Hacker-Angriffe zu diesen hohen Zahlen geführt haben, ist noch unklar.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte knapp eine Million Leute über 80, die noch in der eigenen Wohnung leben, per Brief eingeladen, sich vom 25. Januar an einen Impftermin zu holen – telefonisch oder im Internet.

Die Terminvergabe hatten die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Westfalen-Lippe und Nordrhein organisiert. Sie sollen das Gesundheitsministerium mit Hinweis auf die Kapazitäten von Callcentern und Servern gewarnt haben, eine Million Menschen auf einmal anzuschreiben – vergeblich. Beide Systeme, Telefon und Internet, brachen zusammen. So meldete der Kreis Gütersloh, dass in den ersten sechs Stunden nur 194 Menschen Termine für das Impfzentrum Gütersloh hätten buchen können. Sprecher Jan Focken: „Dabei hatten wir mehr als 10.000 Impftermine freigeschaltet.“

 Erwin Restemeyer (80) aus Stemwede-Dielingen war einer der Menschen, die keinen Termin bekamen. „Ich saß ab 8.15 Uhr am Telefon. Immer hieß es, alle Leitungen seien besetzt. Als ich endlich eine Frau dran hatte, fragte sie nach meiner Postleitzahl und sagte, das sei ja in Westfalen. Dort würde es keine Termine mehr geben, ich sollte es am Wochenende wieder probieren.“ Eine Falschauskunft, wie sie am Montag viele Anrufer bekamen.

„In der Sorge, keinen Impftermin zu bekommen, sind Menschen, die am Telefon nicht durchkamen, sogar zum Impfzentrum gefahren, weil sie hofften, dort mehr Erfolg zu haben“, sagt Dr. Theodor Windhorst, Ehrenpräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Leiter des Impfzentrums Bielefeld. Auch er weiß von „zum Teil abstrusen Falschauskünften“, die Anrufer in den Callcentern bekommen hätten.

Verena Sake (36) aus Willebadessen wollte für ihren 86 Jahre alten Vater einen Termin buchen. „Nach 80 Minuten im Internet war ich endlich bis zur Terminbuchung gekommen. Da wurde dann angezeigt, dass es in unserer Region angeblich keine Termine mehr gibt.“

Vanessa Pudlo, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund: „Auch auf der Startseite wurde vorübergehend angezeigt, dass es keine Termine mehr gebe. Diese Information war aber nicht richtig.“ Ob die wegen Überlastung abgeschaltete Online-Buchung Montagabend wieder ans Netz gehen würde, war unklar. Zuerst sollten „offene Fälle“ abgearbeitet werden. Pudlo: „Im Zuge der Buchung bekommt man eine E-Mail mit einem zwölfstelligen Buchungscode. Alle Menschen, die am Montag so einen Code bekommen haben, aber noch keinen Impftermin buchen konnten, sollen jetzt vorrangig zum Zug kommen. Möglicherweise werden sie deswegen auch noch angemailt. Erst wenn sie ihren Termin haben, soll das System wieder komplett hochgefahren werden.“ Das NRW-Gesundheitsministerium wies Kritik zurück. Bei so einem großen Vorhaben könne es „auch mal ruckeln“, sagte ein Sprecher.

Am Nachmittag lief zumindest die Telefonbuchung besser. Die KV Nordrhein meldete, bis 17 Uhr an 64.650 Personen 129.300 Termine vergeben zu haben. Auch im Landesteil Westfalen entspannte sich die Situation etwas. Der Kreis Gütersloh berichtete am Abend, 1100 Personen hätten Impftermine bekommen, in Bielefeld sollen es 1450 gewesen sein. Insgesamt sollen 122.150 Personen aus NRW Termine bekommen haben.

Wer buchen möchte, kann das täglich von 8 und 22 Uhr versuchen. Die Impfungen sollen am 1. Februar beginnen, Termine werden für die dann folgenden acht Wochen vergeben – den Zeitraum, für den es Impfdosen geben soll.

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