Mutmaßlicher Angriff mit einer Spitzhacke: Der Ärger um Blitzer „Bernhard“ im Bielefelder Süden geht weiter
Radaranlage nach Attacke außer Gefecht

Bielefeld (WB) -

Es ist der bisher heftigste und folgenreichste Angriff auf eine der beiden teilstationären Radaranlagen der Stadt Bielefeld. Der in beide Fahrtrichtungen messende Blitzer „Bernhard“ wurde in der Nacht zum Dienstag im Bielefelder Süden in Quelle an der Osnabrücker Straße von Unbekannten massiv attackiert und vorerst außer Gefecht gesetzt.

Mittwoch, 03.02.2021, 06:45 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 11:26 Uhr
Blitzer „Bernhard“ wurde in der Nacht zu Dienstag erstmals so schwer beschädigt, dass er vorerst außer Betrieb ist.
Blitzer „Bernhard“ wurde in der Nacht zu Dienstag erstmals so schwer beschädigt, dass er vorerst außer Betrieb ist. Foto: Arndt Wienböker

Die vier Panzerglasscheiben zum Schutz der beiden Kameras und für die Blitztechnik seien gesplittert, sagte Norman Rosenland, Geschäftsbereichsleiter Verkehrsordnungswidrigkeiten beim Ordnungsamt. Zudem weise das robuste Gehäuse jetzt eine Delle auf. Rosenland: „Wir nehmen an, dass jemand mit einer Spitzhacke drauf geschlagen hat.“

Der 229.500 Euro teure Blitzer sei am Dienstagmorgen von einem Ordnungsamts-Mitarbeiter an der Osnabrücker Straße abgeholt und zur detaillierten Schadensbegutachtung und -einschätzung sowie zur Reparatur ins Depot der städtischen Behörde gebracht worden. Wann die Radaranlage wieder einsatzbereit ist, steht aktuell noch nicht fest. Eine erste Diagnose hat Rosenland schon: „Die Technik ist unbeschädigt.“

Der aktuelle Angriff auf Blitzer „Bernhard“ ist der bisherige Höhepunkt einer seit vergangenen September eskalierenden Situation ums Tempolimit an der Osnabrücker Straße im Bereich „Zweischlingen“. Beim Einsatz der Radaranlage vor viereinhalb Monaten wurde zweimal ein Tempo 50-Schild überschmiert. Im Spätsommer 2020 hieß es daraufhin vom Ordnungsamt, dass um die 1000 Raserfotos für ungültig erklärt werden mussten, weil die 50 nicht mehr auf dem Schild zu erkennen war.

Die in beide Fahrtrichtungen eingerichtete Geschwindigkeitsbegrenzung – sie gilt voraussichtlich bis zum kommenden Oktober – kennzeichnet die Ausfahrt für Lastwagen von der Baustelle Quellesee. Laut Darstellung der Stadt wurde in diesem Bereich auf 50 km/h reduziert, um die Unfallgefahr vor langsam ausfahrenden Lkw zu senken.

Vergangenen Sonntag wurde Blitzer „Bernhard“ dort erneut an der Strecke zwischen Bielefeld und Steinhagen aufgestellt. Nur Stunden später war eines der Tempo 50-Schilder erneut übermalt, das zweite wurde abmontiert. Wieder waren Radarfotos ungültig – und zwar für die Zeit von Sonntag gegen 11.45 Uhr bis zum folgenden Vormittag gegen 10.10 Uhr. Wie viele Bilder nicht zu auszuwerten sind, muss das Ordnungsamt noch feststellen.

Kaum war am Montag das eine Tempo 50-Schild gereinigt und das zweite ersetzt, folgte in der Nacht zum Dienstag die mutmaßliche Spitzhacken-Attacke auf Blitzer „Bernhard“. Die mit einem Schlagalarm ausgerüstete Radaranlage, geschaltet zu einem Sicherheitsdienst und ins Ordnungsamt, registrierte den Angriff um 23.58 Uhr.

Alarmierte Polizisten hätten kurz nach Mitternacht die Schäden festgestellt, sagte Norman Rosenland vom Ordnungsamt. Von einem Täter sei nachts nichts mehr zu sehen gewesen.

„Die Brutalität nimmt zu. Da scheint einer sehr wütend zu sein“, kommentierte Rosenland die seit September andauernden Übergriffe auf Straßenschilder und nun auf den Blitzer an der Osnabrücker Straße. Beeindrucken will sich das Ordnungsamt von der bislang heftigsten Attacke dieser Art aber nicht. Rosenland: „Bis der Blitzer repariert ist, kann in der Tempo 50-Zone ein Radarwagen der Stadt eingesetzt werden.“

Zudem werde die Stadt Strafantrag gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung an der teilstationären Radaranlage bei der Polizei stellen. „Und wir werten alle Fotos vor dem Angriff aus, ob möglicherweise ein geblitzter Autofahrer für den Angriff verantwortlich ist“, sagte Norman Rosenland.

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