Die Großstadt schickt mehr Menschen in Quarantäne als vom RKI vorgesehen
Briten-Virus: Lob für Bielefeld

Bielefeld (WB) -

Die Gesundheitsämter in Ostwestfalen-Lippe haben unterschiedliche Strategien im Umgang mit der infektiöseren britischen Corona-Variante. Manche halten sich streng an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, Bielefeld greift härter durch.

Freitag, 05.02.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 07:04 Uhr
Im Labor Krone können die drei Haupt-Virus-Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien innerhalb eines Tages nachgewiesen werden. „Diese kurze Zeitspanne ist für die Gesundheitsämter wichtig“, sagt Prof. Dr. Carsten Tiemann.
Im Labor Krone können die drei Haupt-Virus-Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien innerhalb eines Tages nachgewiesen werden. „Diese kurze Zeitspanne ist für die Gesundheitsämter wichtig“, sagt Prof. Dr. Carsten Tiemann. Foto: Christian Althoff

Am Donnerstag waren in der Region 46 Fälle der Mutante B.1.1.7 bekannt – acht in Bielefeld (mehr als 50 Menschen in Quarantäne), fünf im Kreis Paderborn, (18 in Quarantäne), elf im Kreis Lippe (23 in Quarantäne) und 22 im Kreis Gütersloh, der keine Angaben zur Quarantäne macht. In allen Fällen berichten die Ämter von einem milden Verlauf.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese Variante bis zu 50 Prozent ansteckender ist. Das heißt zum Beispiel, dass auch ein kurzer Kontakt mit einem Infizierten das Virus schon überspringen lassen kann, während man beim klassischen Corona-Virus annimmt, dass ein mindestens 15-minütiger Kontakt von Angesicht zu Angesicht nötig ist. Dr. Anne Bunte, die Gesundheitsamtsleiterin im Kreis Gütersloh: „Wenn sonst in einer Familie ein oder zwei Menschen mit dem Corona-Virus infiziert waren, finden wir die britischen Variante jetzt beim gesamten Hausstand.“

Die Gefahr ist, dass die Mutante, wenn sie erst einmal um sich greift, schnell zu hohen Infektionszahlen führen kann, die die Sieben-Tages-Inzidenz nach oben schießen lassen und eine Kontakt-Verfolgung unmöglich machen.

Die bekannten 46 Fälle in Ostwestfalen-Lippe geben nicht das wahre Infektionsgeschehen wieder, denn es gibt keine flächendeckende konsequente Suche nach der Mutation. Seit dem 19. Januar sind die Labore in Deutschland lediglich verpflichtet, die Genom-Daten von fünf Prozent der von ihnen als positiv erkannten Corona-Abstriche anonymisiert ans RKI zu schicken. Dort wird dann nach Mutanten gesucht, und so wurden auch viele Erstfälle in Ostwestfalen-Lippe aufgedeckt. Die weiteren Fälle wurden dann bekannt, weil die Gesundheitsämter Kontaktpersonen der Infizierten abstreichen und positive Proben auf Varianten untersuchen ließen. Mehrere Kreise lassen inzwischen auch Reiserückkehrer aus Ländern, in denen es die britische Variante gibt, auf die Mutante testen.

Im Fall der nachgewiesenen Briten-Variante schicken die Kreise Lippe, Gütersloh und Paderborn nur Kontaktpersonen der Kategorie I in 14-tägige Quarantäne. Das sind etwa Menschen mit einem mehr als 15-minütigen direkten Gesichts-Kontakt oder Menschen, die von einem Infizierten angeniest oder angehustet wurden. „Das Infektionsschutzgesetz und die Richtlinien des RKI sehen nicht vor, dass in Fällen des mutierten Virus‘ mehr Menschen unter Quarantäne gestellt werden müssten“, sagt Michaela Pitz, Sprecherin des Kreises Paderborn.

Bielefeld dagegen verhängt vorsichtshalber auch eine Quarantäne gegen Kontaktpersonen der Kategorie II. Das sind Menschen, die weniger als 15 Minuten Kontakt zu einem Infizierten hatten. Außerdem hat der Krisenstab beschlossen, in den kommenden zwei Wochen alle positiven Tests auf Mutanten untersuchen zu lassen. Stadtsprecherin Gisela Bockermann: „Wir sollen den sinkenden Inzidenzwert jetzt nicht durch Mutationen gefährden.“

Experten loben diese Strategie. Prof. Carsten Tiemann, Mikrobiologe und Laborleiter im Großlabor Krone (Bad Salzuflen): „Das RKI gibt einen Handlungsrahmen vor, aber natürlich ist es sinnvoll, die Maßnahme vor Ort anzupassen. Bielefeld hat große Unternehmen mit Pendlern aus vielen Kreisen. Da ist es sinnvoll, alles zu tun, um eine Verbreitung der Mutanten zu begrenzen.“

Mit einem neuen Verfahren, das Typisierung oder Screening genannt wird, kann das Labor pro Tag mehrere hundert Abstriche auf die Haupt-Mutanten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien testen. Das kostet etwa 50 Euro – ein Viertel dessen, was eine komplette Sequenzierung kostet, die das gesamte Erbgut des Virus ausliest. Und die Typisierung geht sieben Mal so schnell. Prof. Carsten Tiemann: „Das Ergebnis liegt schon am nächsten Tag vor. Und das ist entscheidend, um schnell Kontaktpersonen in Quarantäne zu schicken und die Kette unterbrechen zu können.“

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