Praxisbeispiele, Tipps, Vorträge: IHK, Handwerkskammer und Wirtschaftsförderer veranstalten digitale Infotage am 3. und 4. März
Gründergeist trotzt Corona-Krise

Bielefeld -

Die Corona-Krise schreckt Existenzgründer in OWL nicht von der Umsetzung ihrer Ideen ab. Das zeigen drei Beispiele aus der Region – und die Erfahrungen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen, der Handwerkskammer OWL und auch der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Gütersloh. Mit kostenfreien digitalen Gründertagen am 3. und 4. März sollen weitere Interessierte beim Weg in die Selbstständigkeit unterstützt werden.

Donnerstag, 25.02.2021, 18:47 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 20:32 Uhr
Drei Gründer und ihre Beraterinnen: Daniel Wortmeier (oben, von links), Ana-Cristina Lavrador, Achim Christa sowie Katrhin Teschke (unten, von links), Anna Niehaus und Jenny Adamczak.
Drei Gründer und ihre Beraterinnen: Daniel Wortmeier (oben, von links), Ana-Cristina Lavrador, Achim Christa sowie Katrhin Teschke (unten, von links), Anna Niehaus und Jenny Adamczak.

Trotz Corona-Krise gab es in OWL im zurückliegenden Jahr 13.002 Gewerbeanmeldungen – ein Rückgang von nur 4,4 Prozent gegenüber 2019, wie aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervorgeht. Eine, die den Schritt gewagt hat, ist Jenny Adamczak. Die 25-jährige Bielefelderin reagierte mit ihrem Start-up „Keep Ya Hands Clean“ auf die Pandemie. Ihre Firma vertreibt seit November pflegende Bio-Handhygiene-Produkte.

7000 Euro Startkapital durch Crowdfunding

Dabei ist der Gründerin auch der Nachhaltigkeitsgedanke wichtig: „Unsere Produkte werden in Deutschland hergestellt und in nachfüllbaren Glas- statt Plastikflaschen abgefüllt.“ Sie arbeite bewusst mit Unverpackt-Läden zusammen. Neben 15 Läden in OWL und deutschen Metropolen sind die Produkte auch im eigenen Onlineshop erhältlich. Eine Handseife sei gerade in Entwicklung, sagt Adamczak. Weitere nachhaltige Pflegeartikel sollen folgen.

Nach einem dualen Wirtschaftsstudium sammelte die Bielefelderin wertvolle Erfahrungen im Start-up eines Bekannten. Wichtiges Element zur Umsetzung ihrer Geschäftsidee war die Beschaffung von Kapital durch Crowdfunding – also das Sammeln bei vielen Geldgebern. 7000 Euro kamen so zusammen, sagt IHK-Gründungsberaterin Kathrin Teschke. Auch ein NRW-Gründerstipendium half mit finanzieller und Coachingförderung.

Vom sicheren Job als Marketingleiter zum eigenen Chef

Den sicheren Job als Marketingleiter einer Firma tauschte derweil Achim Christa 2019 im Alter von 54 ein. Damals gründete der Gütersloher die Werbe- und Marketingagentur Adurban – und war zugleich noch freiberuflich für den alten Arbeitgeber tätig. „Das gab natürlich Sicherheit.“ Mit zwei italienischen Partnern folgte im März 2020 die Gründung von Lindocastelli in Herzebrock-Clarholz. Das Unternehmen produziert Print-Werbemittel, Notizbücher und Kalender – unter anderem aus recycelten Rohstoffen. Christa setzt auch auf die Verknüpfung klassischer Werbemittel mit digitalem Zusatznutzen per QR-Code oder NFC-Chip.

Er könne Erfahrungen und Kontakte aus seinem Arbeitsleben hervorragend einsetzen, sagt Christa. „Für mich war das ein Sprungbrett.“ Gründungsberaterin Anna Niehaus (ProWirtschaft GT) spricht von einem durchaus „typischen Weg, auch um die Existenzgründung abzusichern.“

Zufall und Corona-Folgen eröffnen Niroblech neue Nische

Sein Wissen als Betriebsleiter in drei Unternehmen nutzte auch Daniel Wortmeier (36) für die Gründung des Edelstahl-Verarbeiters Niroblech in Schloß Holte-Stukenbrock. „Ich habe gezielt die Nische ausgewählt, die lukrativ ist.“ Dass das mit einem Geschäftspartner seit Herbst 2019 aufgebaute Unternehmen anders als geplant nicht in erster Linie Zulieferer für den Maschinenbau ist oder Teile für Maschinenverkleidung liefert, ist derweil der Corona-Krise geschuldet. „Das hat es uns schwer gemacht, Geschäftsbeziehungen aufzubauen, weil viele Firmen keinen Besuch empfangen wollten und auf bisherige Lieferanten gesetzt haben.“

Andererseits profitierte aber auch Niroblech von den Auswirkungen der Pandemie und Lockdowns. „Wir fertigen für einen Garten- und Landschaftsbauer mit großem Onlineshop Pflanzgefäße, Sicht- und Windschutzelemente. Das Geschäft boomt, weil viele Leute in ihr Zuhause investieren.“ So sei die Belegschaft von fünf auf sieben Mitarbeiter angewachsen.

Ein „fast perfekter Businessplan“ habe auch die Kapitalbeschaffung von rund 500.000 Euro für den Maschinenpark möglich gemacht, sagt Ana-Cristina Lavrador, Gründungsberaterin der Handwerkskammer.

Bei den Gründertagen am 3. und 4. März jeweils von 15 bis 17.30 Uhr gibt es neben den drei Praxisbeispielen auch Vorträge und Tipps für Interessierte. Weitere Informationen und kostenfreie Anmeldung im Internet unter: www.ostwestfalen.ihk.de/veranstaltungen

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