Zu viele Kinder in der Notbetreuung – Mitarbeiter in Bielefelder Einrichtungen fühlen sich nicht ausreichend geschützt
Kita-Leitungen schreiben Brandbrief an Minister

Bielefeld (WB/mdel) -

Die Mitarbeiter der evangelischen Kindertageseinrichtungen in Bielefeld fühlen sich nicht ausreichend geschützt. Trotz Bundesnotbremse gleicht die Notbetreuung fast dem Regelbetrieb. Um auf die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände aufmerksam zu machen, haben die Leitungen der 28 evangelischen Kitas in Bielefeld einen Brandbrief an NRW-Familienminister Joachim Stamp geschrieben.

Dienstag, 04.05.2021, 14:20 Uhr aktualisiert: 04.05.2021, 14:30 Uhr
„Breite Ausnahmeregelungen führen jedoch dazu, dass zu viele Kinder die Einrichtungen besuchen. In der ersten Woche waren es rund 50 Prozent der Kinder“, kritisiert Melanie Hoffmann, Geschäftsführerin der 28 evangelischen Kitas mit mehr als 2000 Kindern in Trägerschaft des Kirchenkreises Bielefeld.
„Breite Ausnahmeregelungen führen jedoch dazu, dass zu viele Kinder die Einrichtungen besuchen. In der ersten Woche waren es rund 50 Prozent der Kinder“, kritisiert Melanie Hoffmann, Geschäftsführerin der 28 evangelischen Kitas mit mehr als 2000 Kindern in Trägerschaft des Kirchenkreises Bielefeld. Foto: dpa

Aufgrund der aktuellen Infektionszahlen ist in Bielefeld eigentlich nur eine Notbetreuung von Kindern möglich, deren Eltern die Betreuung nicht selbst sicherstellen können und bei Kindern, die aus verschiedenen Gründen auf eine Betreuung in der Kita angewiesen sind. Die Abwägung und Verantwortung für die Entscheidung, ob eine Betreuung in der Kita in Anspruch genommen wird, verbleibt in der Familie.

„Breite Ausnahmeregelungen führen jedoch dazu, dass zu viele Kinder die Einrichtungen besuchen. In der ersten Woche waren es rund 50 Prozent der Kinder“, kritisiert Melanie Hoffmann, Geschäftsführerin der 28 evangelischen Kitas mit mehr als 2000 Kindern in Trägerschaft des Kirchenkreises Bielefeld. Aus zahlreichen Gesprächen mit den Kita-Leitungen wisse sie, dass auch viele Eltern mittlerweile an ihrer Belastungsgrenze angekommen seien.

 

Melanie Hoffmann fordert Nachbesserungen vom Land.

Melanie Hoffmann fordert Nachbesserungen vom Land. Foto: Andreas Darkow

Für die kommenden Wochen ist die Sorge in den Kitas groß, dass die Inzidenzwerte nicht hinreichend sinken werden, wenn zugleich der Kita-Betrieb während der „bedarfsorientierten Notbetreuung“ in solchem Umfang erfolgt. Aus diesem Grund ist der Brandbrief der evangelischen Kitas an NRW-Familienminister Dr. Joachim Stamp verfasst worden.

„Aufgrund von Elternrückmeldungen wird der Bedarf ab nächster Woche auf bis zu 80 Prozent steigen. In der Praxis bedeutet dies, dass der eingeschränkte Regelbetrieb in vielen Kitas weiter existiert“, heißt es in dem Brief. Die Kita-Leitungen fordern eine „echte“ Notbremse für die Kitas in NRW. Demnach solle eine Notbetreuung ausschließlich für diejenigen Kinder vorgehalten werden, die besondere Bedarfe haben sowie für Kinder, bei denen beide Eltern zur unmittelbaren Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems und der öffentlichen Sicherheits-und Daseinsvorsorge gebraucht werden.

Ebenso solle das Land die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. „Eltern müssen die zusätzlichen Kinderkrankentage für die Betreuung der Kinder ohne Druck gewährt werden“, fordern die Kita-Leitungen. Eine Testpflicht für Kinder mit kindgerechten Tests und eine Testpflicht für Mitarbeiter sei erforderlich.

Ein weiterer Grund der Sorge sei, so Melanie Hoffmann, dass sich „die Kita-Mitarbeitenden seit über einem Jahr den wachsenden Gefahren einer Infektion aussetzen, da während der Arbeit mit den Kindern nur selten Masken verwendet werden können. Diese Gefahr wird tagtäglich durch neue Infektionsfälle in den Kitas bestätigt und regelmäßige Quarantäneanordnungen mit Gruppen- oder Einrichtungsschließungen sind die Folge.“

Zwar hätten nahezu 80 Prozent der Mitarbeitenden in den evangelischen Kitas bereits die erste Impfung erhalten, der volle Impfschutz durch die zweite Impfung sei bisher jedoch kaum gegeben. „Hinzu kamen die Verunsicherungen wegen der Diskussion um den Astrazeneca-Impfstoff. Die Mitarbeitenden müssen sich täglich mit den emotionalen Belastungen der Familien auseinandersetzen und sind selbst an ihrer Belastungsgrenze angelangt“, moniert die Geschäftsführerin.

 

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