Mi., 27.02.2019

Gutachter hält Angeklagten weiter für gefährlich: »Klaus O. ist voll schuldfähig« Prozess um vergiftete Pausenbrote: Start der Plädoyers

Klaus O. bei der Verlesung der Anklageschrift.

Klaus O. bei der Verlesung der Anklageschrift. Foto: Wolfgang Wotke/Archiv

Bielefeld (dpa/WB/wow). Im Prozess um versuchten Mord mit vergifteten Pausenbroten hält der Staatsanwalt am Mittwoch (9 Uhr) seinen Schlussvortrag. Anschließend sind die Anwälte der drei Nebenkläger mit ihren Plädoyers an der Reihe. Auch bei einem Mordversuch ist eine lebenslange Freiheitsstrafe möglich. Darauf hat der Vorsitzende Richter zuletzt in dem Verfahren nochmals hingewiesen.

Die Plädoyers der Verteidiger sind für Donnerstag geplant. Das Landgericht will in der kommenden Woche am 7. März ein Urteil verkünden.

Gutachter: Schweigen normal

Für den Gutachter Dr. Carl-Ernst von Schönfeld ist der Angeklagte Klaus O. voll schuldfähig. In einem mehr als einstündigen Vortrag hat der Leiter der Forensischen Fachambulanz in Bethel am Dienstag dargelegt, warum der Beschuldigte eine »andauernde kriminelle Energie« bei seinen Taten an den Tag gelegt hat.

Mit Klaus O. konnte von Schönfeld nicht sprechen. Das hat der 57-Jährige verweigert. Sein psychologisches Gutachten konnte er nur auf Ermittlungsakten, auf Zeugenaussagen und auf Beobachtungen während der Verhandlungstage erstellen. Trotzdem hat der erfahrene Experte ein wohl zutreffendes Bild von O. geschildert.

Dass der mutmaßliche Pausenbrotvergifter bis heute beharrlich schweige, sei nicht normal. Er habe ein Doppelleben geführt: »Auf der einen Seite sei er der fürsorgliche Familienvater gewesen, auf der anderen Seite der Giftmischer.«

Mangel an Kreativität und Fantasie

Er hat sein Exposé auf mehrere Fragen aufgebaut. Könnte die vermutete psychiatrische Erkrankung der Mutter von Klaus O. etwas mit seinem Handeln zu tun haben? Hat der Arbeitsunfall in 2003 Hirnschäden beim Angeklagten verursacht? Ist eine Persönlichkeitsstörung vorhanden? Und: Hält man es für möglich, dass autistische Züge vorhanden sind?

Carl-Ernst von Schönfeld glaubt, dass eine genetische Belastung durch die Mutter auszuschließen sei. In den Krankenakten finde sich auch kein Hinweis, dass O. durch einen Unfall zurückbleibende Schäden erlitten habe. »Er konnte schließlich nach zwei Wochen wieder arbeiten.« Ein Vollbild einer autistischen Störung liege nach seiner Meinung ebenfalls nicht vor. »Er ist nur eingeschränkt in der Lage, Gefühle anderer Menschen zu erkennen. Es mangelt ihm an Kreativität und Fantasie.«

»Absoluter Zielstrebigkeit«

Eine Persönlichkeitsstörung als auch ein sadistisches Verhalten schließt der Gutachter aus. »Gerade ein Sadist braucht Empathie, um sich am Leiden seiner Opfer zu ergötzen.« Für ihn habe man es hier mit Gewalttaten zu tun. O. habe über Jahre hinweg geforscht und vergiftet. »Diese Einstellung hätte er vermutlich heute noch. Auch die grausamen Folgen des im Koma liegenden Ex-Kollegen haben bei ihm keinen Rückzug erwirkt.«

Es sei kein Zögern auszumachen. Er habe mit absoluter Zielstrebigkeit die Taten begangen. Zu einer eventuellen Verurteilung mit anschließender Sicherungsverwahrung sagt von Schönfeld: »Es gibt keine positiven Hinweise darauf, dass sich die Gefährlichkeit nach längerer Haftstrafe abmildern wird.« Gerade weil er seine Taten im Verborgenen verübt habe und als Mensch unauffällig geblieben sei, könne O. als weiterhin gefährlich eingestuft werden.

Zuvor hatte der Zeuge Wilfried Zahn als JVA-Psychologe über einzelne Gespräche mit Klaus O. berichtet. Der Grund: Der Angeklagte war als suizidgefährdet eingestuft worden. »Das hat er jedoch ausräumen können.« Zahn glaubt, dass die Wirkung der Giftstoffe für ihn interessant gewesen seien. O. habe sich als eine Art Forscher gesehen, der Experimente mit einem »Kaninchen« gemacht habe.

 

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