Sa., 09.11.2019

Zahlreiche Gegenveranstaltungen in Bielefeld – Busse und Bahnen fahren wieder – mit Videos 14.000 protestieren gegen Neonazi-Demo

Demonstranten vor dem Bielefelder Bahnhof.

Demonstranten vor dem Bielefelder Bahnhof. Foto: Hans-Heinrich Sellmann

Von Christian Althoff, Jens Heinze, Hans-Heinrich Sellmann, Peter Bollig, Michael Schläger, Andreas Kolesch, Lars Rohrandt und Burgit Hörttrich

Bielefeld (WB). Gegen eine Neonazi-Demonstration in Bielefeld haben sich am Samstag in Bielefeld 14.000 Protestierende vom »Bündnis gegen Rechts« gestellt. Gewerkschaften, Kirchen, Verbände und Parteien zeigten unter dem Motto »Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen« gemeinsam Flagge gegen einen Aufmarsch der Partei »Die Rechte«. Die Bielefelder Polizei setzte annähernd 1500 Polizisten ein.

Die Polizei hatte einen Sperrbezirk eingerichtet, der nach 11 Uhr geschlossen wurde. Nach einem Mahnmal zum Gedenken der deportieren Juden am Hauptbahnhof folgten Kundgebungen, Demonstrationen und weitere Mahnwachen. Der Stadtbahn- und Busverkehr war teilweise komplett eingestellt worden.

Wir berichten hier fortlaufend

18.45 Uhr: Auch die Stadtbahnen fahren wieder. Allerdings dauert es laut Mobiel etwa eine Stunde lang, bis der Fahrplan wieder normal funktioniert. Bei den Omnibussen kommt es zu Verzögerungen, teilen die Verkehrsbetriebe mit. Die Mobiel-Fahrzeuge stecken wegen des hohen Verkehrsaufkommens nach den Demonstrationen im Stau.

Videointerview mit dem Polizeisprecher Michael Kötter:

18.20 Uhr: Die Busse fahren wieder. Nach Angaben der Verkehrsbetriebe Mobiel kann der Bahnverkehr derzeit noch nicht wieder aufgenommen werden, weil erst das Gleisbett von den Hinterlassenschaften der Demonstranten gereinigt werden muss. Es sei nicht absehbar, wie lange das dauern werde.

18.00 Uhr: Vom Standort der ehemaligen Synagoge an der Turnerstraße ziehen mehr als 1000 Menschen in das Rathaus: Gebete und stilles Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht.

  Foto: Michael Schläger

17.47 Uhr: Die Polizei teilt per Twitter mit, dass die Kundgebungen in der Innenstadt vor dem Ende stehen bzw. beendet sind und die Sperrmaßnahmen aufgehobenwurden.

17.25 Uhr: Die Polizei zieht eine Zwischenbilanz. Die Zahl der Teilnehmer bei der zentralen Gegendemonstration auf dem Niederwall habe demnach etwa 14.000 betragen. Für die Kundgebung der Rechtsextremen bestätigte die Polizei die bereits zuvor genannte Zahl von 230 Teilnehmern.

Ein Videokommentar von Christian Althoff:

Vor Beginn der Demonstrationen sei eine Person einem Platzverweis der Einsatzkräfte nicht nachgekommen. Zur Durchsetzung des Platzverweises sei sie in Gewahrsam genommen worden. Dabei habe sich die Person gewehrt, wodurch ein Polizeibeamter leicht verletzt worden sei. Eine weitere Person sei festgenommen worden, nachdem bei einer Kontrolle festgestellt worden sei, dass ein Haftbefehl vorlag.

In der Kurfürstenstraße, nahe der Mindener Straße, hätten gegen 14 Uhr etwa 50 Personen eine Sperrstelle der Polizei zu durchbrechen versucht. Die Polizeikräfte hätten Pfefferspray eingesetzt und den Durchbruch verhindern können, heißt es in der Mitteilung der Polizei weiter. Sechs Personen seien in Gewahrsam genommen worden.

Die Zahl der Teilnehmer an der versuchten Blockade der Elsa-Brändström-Straße gibt die Polizei mit 100 an. Die Blockade als “gesonderte Versammlung qualifiziert” worden. Der Aufzug der Partei “Die Rechte” sei ohne Störung vorbeigeführt werden. Von Anzeigen gegen die Blockierer oder Personalienfeststellungen wurde nichts bekannt.

Zum Zwischenfall an der Kunsthalle heißt es im Polizeibericht, ein Teilnehmer der Gegendemonstration sei zu Fall gekommen, als er erfolglos versucht habe, eine Fahne der Partei “Die Rechte” zu ergreifen. Der Mann sei vor Ort nach Personalienfeststellung entlassen worden.

16.50: Im Stadttheater beginnt gleich die Premiere des Weihnachtsmärchens. Unsere Redakteurin Burgit Hörttrich: »Hier ist alles normal, weil es auch rundum top gesichert ist.«

16.40: Weil die Neonazis die gleiche Strecke zum Hauptbahnhof zurückgehen, ruft die Antifa dazu auf, nochmals die Chance zum Protest zu nutzen.

16.35: Die Neonazis haben ihre Kundgebung am Landgericht beendet und ziehen ab in Richtung Hauptbahnhof. Die Kreuzung am Niederwall/Ecke Detmolder Straße ist wieder frei von Rechten. Unser Chefreporter Christian Althoff zieht auf Twitter Bilanz.

  Foto: Christian Althoff

16.30: Die Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld, Irith Michelsohn, sagt nach ihrer Ansprache auf dem Jahnplatz: »Das ist sehr bewegend und ein

Irith Michelsohn und Paul Juval Adam. Foto: Thomas F. Starke

ermutigendes Zeichen für lebendige Demokratie.«

16.15: Die Gegendemonstrationszüge sind am Landgericht zusammengekommen. Die Polizei schätzt inzwischen eine Teilnehmerzahl von insgesamt 10.000.

16.00: Oberbürgermeister Pit Clausen spricht am Landgericht: »Es scheint wieder salonfähig zu sein, sich antisemitisch zu äußern. Dem müssen wir uns entgegen stellen, jeden Tag, so wie hier heute.« Clausen dankt den mehr als tausend Polizisten für ihren Einsatz und ruft dazu auf, friedlich zu demonstrieren.

  Foto: Thomas F. Starke

15.50: Immer mehr Menschen versammeln sich vor der Synagogean der Detmolder Straße, wo eine stille Mahnwache veranstaltet wird. Westfalen-Blatt-Reporterin Burgit Hörttrich schätzt die Zahl der Teilnehmer auf 1000, darunter viele Familien.

Anke Unger vom DGB teilt um 15.40 Uhr mit: »Jetzt kommt auch der Demonstrationszug vom Bahnhof am Landgericht an. Wir stehen jetzt vom Gericht bis zum Jahnplatz.«

  Foto: Burgit Hörttrich

15.30: Vom Jahnplatz ziehen die Gegendemonstranten weiter zum Landgericht.

Foto: Hans-Heinrich Sellmann

15.20: Landtagspräsident André Kuper (CDU) übermittelt sein Redemanuskript für die Kundgebung der Gegendemonstranten auf dem Jahnplatz , die kurz nach 15 Uhr begonnen hat. Darin heißt es:

»Als die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Bielefeld mich fragte, ob ich an diesem 9. November an ihrer Seite sein möchte, habe ich mich dazu entschieden. Deshalb bin ich heute hier. Es ist wichtig, dass wir alle heute hier sind!

Es ist ein unaufgebbarer Bestandteil der Demokratie, dass in unserem Land Jede und Jeder seine Meinung sagen darf und dass wir ein Recht auf Demonstration und öffentliche Kundgebung haben. Das ist ein Wesensmerkmal der Demokratie!

Die große Mehrheit unserer Gesellschaft und die Mehrheit der Vertreter der Parteien und Verbände in unserem Land, und alle, die heute hier sind, wissen: Der 9. November ist der Tag der Wiedervereinigung und der Tag, an dem unser ganzes Land fassungslos und beschämt an die Verbrechen der Nazis erinnert. Deshalb stehen wir heute an der Seite der jüdischen Bürgerinnen und Bürger – und nicht an der Seite derer, für die die nationalsozialistischen Verbrechen vielleicht ein ‚Vogelschiss‘ sind oder die sie gleich komplett leugnen.«

Soweit das Redemanuskript. Kuper äußert also klare Kritik an der AfD.

Die Neonazis sind am Landgericht : Die Reden dringen nicht durch. Zu laut sind Sprechchöre und Trillerpfeifen der Gegendemonstranten. Christian Althoff ist für uns vor Ort (Link zu einem Twitter-Video).

15.15: Die Polizei nennt neue Teilnehmerzahlen . Demnach sollen es 230 Teilnehmer beim Umzug der Partei »Die Rechte« sein. Die Zahl der Gegendemonstranten beziffert die Polizei mit insgesamt 4800.

Pünktlich um 15 Uhr sind die Rechten am Landgericht angekommen. Tausende Gegendemonstranten haben sie mit Pfiffen und »Nazis raus«-Rufen empfangen.

14.45 Uhr: Auf Höhe der Kunsthalle kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen Gegendemonstranten und Teilnehmern der rechtsextremen Demonstration. Gegendemonstranten versuchen, den Rechtsextremen Transparante zu entreißen. Die Polizei greift ein. Unser Chefreporter Christian Althoff berichtet live bei Twitter.

  Foto: Thomas F. Starke

14.35 Uhr: Die Polizei hat aktuelle Teilnehmerzahlen bekannt gegeben. Auf dem Siegfriedplatz 2500, am Hauptbahnhof insgesamt 1500. Auf Fahrrädern waren 150 Leute bei einem Korso dabei. Rechtsextreme Demonstranten habe es 170 gegeben.

Die Elsa-Brändström-Straße ist dicht: eine Sitzblockade mit etwa 40 Personen auf der Route der Neonazis. Die setzen ihren Marsch an den Blockierern vorbei fort.

Foto: Thomas F. Starke

Die Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Britta Hasselmann (rechts), und FDP-Ratsfrau Jasmin Wahl-Schwentker unter den Gegendemonstranten. Foto: Thomas F. Starke

14.00 Uhr: Die Rechtsextremen marschieren im Neuen Bahnhofsviertel los. Die Antifa schreibt bei Twitter, es habe auf Seiten der Gegendemonstranten einen Versuch gegeben, z ur Marschroute der Rechtsextremen vorzudringen. Das sei von der Polizei verhindert worden.

Nach Polizeiangaben haben sich 170 Neonazis im Neuen Bahnhofsviertel versammelt.

  Foto: Thomas F. Starke

13.25 Uhr: Etwa 20 Demonstranten versuchen die Rechten mit Trillerpfeifen und Sprechchören zu stören .

Die Polizei beobachtet den Verlauf der Kundgebungen auch aus der Luft. Ein Hubschrauber kreist am Mittag über die Innenstadt. Während der Ankunft der Rechtsextremen ist die Maschine über dem Neuen Bahnhofsviertel zu sehen.

13.13 Uhr: Der Zug mit den Rechten ist am Bahnhof eingetroffen. Unser Chefreporter Christian Althoff berichtet live per Video bei Twitter. Foto: Thomas F. Starke

13.10 Uhr: Die Polizei meldet, dass der Stolander-Tunnel wieder passierbar ist.

13 Uhr: Am Hauptbahnhof sind derzeit etwa 30 Rechte versammelt.

  Foto: Christian Althoff

Verkehrsinfo: Die Linie 4 fährt an/ab Haltestelle Hauptbahnhof nur eingleisig auf den Richtung Jahnplatz im Pendelverkehr. Zahlreiche Fahrgäste sind ratlos, was wo fährt. Wer zur Demo an den Siggi will, muss gegenüber der eigentlichen Haltestelle einsteigen.

Die Demonstration am Siegfriedplatz soll um 13 Uhr beginnen. Dort sind geschätzt 1000 Menschen.

  Foto: Jens Heinze

12.26 Uhr: Die Polizei meldet, dass sie den Stolander-Tunnel kurzfristig sperren musste und beabsichtigt, ihn »schnellstmöglich wieder zu öffnen«.

12.25 Uhr: Der Demonstrationszug an den Stadtwerken setzt sich Richtung Hauptbahnhof in Bewegung

 

Am Bahnhof wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der Platz ist gut gefüllt. – Sehen Sie hier ein Live-Video bei Facebook vom Bahnhofsvorplatz.

  Foto: Thomas F. Starke

12.20 Uhr: Die Rechten bereiten im Bahnhofsviertel ihren Lautsprecherwagen vor:

  Foto: Christian Althoff

Sascha Krolzig, Ko-Vorsitzender der Partei »Die Rechte«, ist aus Dortmund im Neuen Bahnhofsviertel eingetroffen. Foto: Christian Althoff

Bürgermeisterin Karin Schrader spricht zu den Demonstranten vor den Stadtwerken .

  Foto: Michael Schläger

11.45 Uhr: Die Polizei ist auch an der Synagoge an der Detmolder Straße präsent.

 

11.45 Uhr: Am Bahnhof werden zum Gedenken an die von den Nazis deportierten Juden Blumen niedergelegt.

  Foto: Michael Schläger

11.30 Uhr: Die Sperrzone in der Bielefelder Innenstadt sei eingerichtet, berichtet die Polizei auf Twitter. Am Boulevard ist kein Durchkommen mehr:

  Foto: Christian Althoff

11 Uhr: Die Polizei blockiert mit einem Fahrzeug ein Tor zum Landgericht , um Demonstranten abzuhalten.

Die Demoroute der Neonazis wird weitgehend abgesperrt. Nach Polizeiangaben bleibt der »Stolander-Tunnel« unter der Alfred-Bozi-Straße für Fußgänger jederzeit frei.

Hinter dem Hauptbahnhof, wo in der Josef-Masolle-Straße der »Die Rechte«-Aufmarsch beginnt, werden gegen 10.30 Uhr Autos abgeschleppt.

Autos werden am Bahnhof abgeschleppt. Foto: Christian Althoff

Rund um den Bahnhof sind auf dem Fußboden und an Wänden Sprüche gegen die Neonazi-Demo zu lesen (Link zu unserem Instagram-Profil) . Am orangefarbenen Studentenwohnheim und an anderen Häusern hängen Plakate.

Die Fahrplan-Auskunft am Jahnplatz. Foto: Hans-Heinrich Sellmann

Wer genau wissen möchte, ob sein Bus oder seine Bahn wann wohin fährt, sollte sich heute nicht auf die Anzeigen an den Haltestellen verlassen. Es wird und kann zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die Verkehrsbetriebe Mobiel halten Fahrgäste ausschließlich auf einer Extra-Homepage auf dem Laufenden. Auch die Angaben in der Mobiel-App können nicht auf die besondere Situation angepasst werden.

Polizei will klare Kante

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen wurden alle Polizisten angewiesen, im Einsatz konsequent vorzugehen. Vor dem Hintergrund des symbolträchtigen Datums (am 9. November 1938 begann mit der Reichspogromnacht die systematische Ermordung von Juden) solle »jede Äußerung oder Handlung«, die geeignet erscheine, das Gedenken an diesen Tag zu stören, »bei niedriger Einschreitschwelle« konsequent verfolgt werden.

Unterschiedliche Demonstrationsrouten

Die Partei »Die Rechte«, laut Verfassungsschutz ein Sammelbecken für Neonazis, hat die Kundgebung angemeldet, um ihre Sympathie mit der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (91) aus Vlotho zu demonstrieren. Haverbeck sitzt in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede eine zweieinhalbjährige Haftstrafe ab. Die Polizei Bielefeld rechnet mit bis zu 300 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet.

Aus Sicherheitsgründen müssen die Neonazis und die Gegendemonstranten unterschiedliche Routen durch die Stadt nehmen. Die Sicherheitsbehörden haben allerdings Hinweise darauf, dass linksextreme Gewalttäter versuchen wollen, die Polizeisperren zu überwinden und sich den Neonazis in den Weg zu stellen.

Die Route der Demonstrationen

(Klicken Sie hier, um die Karte bei Twitter größer anzuzeigen).

Sperrungen

In der Innenstadt wird es am Samstag wegen zahlreicher Straßensperren (auch von drei Anschlussstellen des Ostwestfalendamms) massive Behinderungen geben. Die Polizei richtet von etwa 8 Uhr an einen Sperrbezirk vom Neuen Bahnhofsviertel über den Adenauer-Platz bis zum Landgericht ein. Gegen 11 Uhr wird der Bereich, der sowohl große Haupt- als auch kleinere Anwohnerstraßen betrifft, geschlossen. Betroffen sind zudem die Herforder Straße, der Willy-Brandt- und der Jahnplatz sowie der Niederwall und Nebenstraßen, wo das Bündnis gegen Rechts demonstriert.

Der Stadtbahn- und Busverkehr wird von 11 Uhr an teilweise komplett eingestellt. Für Busse, Bahnen und den übrigen motorisierten Verkehr gilt das Sperrgebiet zwischen Hauptbahnhof und Landgericht. »Die Rechte« will ihre Veranstaltung gegen 20 Uhr beenden, die Freigabe der Straßen ist für 21 Uhr geplant. Doch können anschließende mögliche Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten dazu führen, dass Straßensperren bis in die Nacht bestehenbleiben.

Wer am Samstag von außerhalb in die Innenstadt möchte, kann am einfachsten per Zug anreisen. Er sollte dann zu Fuß in die Stadt gehen.

Polizei beschlagnahmt Anti-Rechts-Plakate

Schon vor den großen Demonstrationen gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen an diesem Samstag hat es am Freitag eine erste Konfrontation mit der Polizei gegeben. Gegen drei Aktivisten der Partei »Die Partei« werde wegen des Verdachts zum Aufrufen von Straftaten ermittelt, sagte Polizeisprecherin Hella Christoph.

Hintergrund sind Plakate mit den Aufschriften »Nazis töten.« und »Hier könnte ein Nazi hängen«, die für die Mahnwache der »Partei« an diesem Samstag um 20 Uhr vor dem Landgericht am Niederwall werben sollten.

Infos über Mobiel-Hotline

Auch wenn’s schwer wird: Damit Fahrgäste halbwegs den Überblick behalten können, haben die Bielefelder Verkehrsbetriebe Mobiel das Personal erheblich aufgestockt. An zahlreichen (nicht an allen) Endhaltestellen werden Service-Mitarbeiter eingesetzt. Aus technischen Gründen könne die Mobiel-App, die Monitore und die Fahrkartenautomaten an den Haltestellen nicht für einen Tag auf die besondere Situation umgerüstet werden.

Deshalb gebe es eine Internetseite, auf der über alle Änderungen informiert und die im Laufe des Tages permanent aktualisiert werde. Denn sollte sich das Demonstrationsgeschehen auf andere als die vorgesehenen Routen und Orte verlagern, könnten weitere Linien betroffen sein. Mobiel ist zudem unter Telefon 0521/514545 und über Facebook erreichbar.

Polizei vor Ort

»Im Bereich der Sperrungen werden eine Vielzahl Bielefelder Polizisten gut erkennbar als Kommunikationsbeamte für die Bürgerinnen und Bürger ansprechbar sein und Orientierungshilfen geben können«, sagte ein Polizeisprecher im Vorfeld.

Eine Hotline der Polizei ist am 9. November bis zum Ende der Veranstaltungen erreichbar: 0521/5452222.

Kritik von und an Reul

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte in dieser Woche an alle Seiten appelliert, bei der Demonstration »die Regeln einzuhalten«. Sonst werde die Polizei durchgreifen.

Das Verwaltungsgericht Minden hatte in einer Eilentscheidung Ende September eine Verfügung des Polizeipräsidiums Bielefeld kassiert, den Aufzug wegen des »historisch belegten Gedenktages der Reichspogromnacht« vorzuverlegen. In einem Interview hatte Reul gesagt, er hätte sich eine Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss gewünscht. Er habe aber versäumt, darauf hinzuwirken, halten SPD und Grüne dem Minister vor.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte den Aufzug an dem historischen Datum »eine Schande« genannt und im Landtag gesagt: »Das ist pure Provokation rechter Spinner.« SPD und Grüne werfen ihm aber vor, nicht rechtzeitig auf Rechtsmittel dagegen gedrungen zu haben.

Die rote Linie umreißt den Sperrbezirk in der Innenstadt. Der Bielefelder Westen und Süden sind quasi abgeschnitten. Foto: Polizei

Kommentare

Demokratie heißt nicht Anarchie. Es gibt Grenzen dessen was ein Rechtsstaat dulden muss. Dazu gehören auch Straftaten wie Beleidigungen Einzelner, oder Volksverhetzung, die nicht zu dulden sind.
Wer bekennende Volksverhetzer zu dem Zweck marschieren lässt den Straftatbestand der Holocaustleugnung als vorgeblich lediglich Meinungsäußerung zu propagieren, hat den Sinn der zugehörigen Gesetze unseres Rechtsstaat nicht verstanden.
Und wer meint diesen klar erkennbaren Neo-Nazis solle man sich nicht entgegen stellen, hat genauso wenig verstanden, was eine Gesellschaft ausmacht. Nämlich nicht das Wegschauen bis es zu spät ist.

Zu viel der Demo

Zur Meinungsfreiheit gehört es, 230-250 Fehlgeleitete zu ertragen, die durch unsere Stadt ziehen wollen.
Ihnen eine Bühne zu liefern, wie es die 14.000 Gegendemonstranten getan haben, lässt Bürger und Handel stöhnen und ächzen.
Hätte die Polizei keine Gegen-Demo zugelassen, wären sie mit 5% der heutigen Kapazität ausgekommen.
Die Demonstration wäre in der Bedeutungslosigkeit versunken. Doch jetzt werden wir bis zur nächsten Großdemo davon sprechen, wie eine Hand voll Nazis ganz Bielefeld lahm gelegt hat. Was für eine Bühne wurde ihnen bereitet.

Wie empathielos muss dieser Richter sein, an einem der schwierigsten Trauertage unserer Staatsangehörigen mit jüdischem Glauben diesen Aufmarsch gewaltradikaler Faschisten zu genehmigen?
Was hat das mit Demonstrations- oder Meinungsfreihet zu tun?
Dieser Richter hat es geschafft mit seiner Entscheidung maximale Aufmerksamkeit für diese wenigen Hetzer zu erreichen. Zudem freuen sich die Faschisten, dass unsere Bürger jüdischen Glaubens nun nur sehr eingeschränkt und verängstigt ihre Trauerveranstaltungen abhalten können. Vielleicht trauen Sie sich auch gar nicht mehr aus dem Haus...
Ihnen sei versichert, dass alle Demokraten fest bei Ihnen stehen!
Der Staat ist gefordert endlich konsequenter durchzugreifen und sich von diesen gefährlichen Spinnern nicht ständig vorführen zu lassen.
In den Schulen muss endlich politische Aufklärung zum deutschen Faschismus verpflichtend in den Lehrplan. Die Klassenfahrt zum Dokumentationszentrum Auschwitz oder ähnliche gleich dazu!
Unser Richter sollte sich auch ganz schnell auf den Weg machen, seine Wissenslücken in politischer Bildung und seinen beschämenden Mängel an Empathie aufzuarbeiten!
Der Vorsitzende des Verwaltungsgerichtes Minden sollte sich dessen Entscheidung zudem in einem diziplinarischen Mitarbeitergespräch erklären lassen - ich kann die Genehmigung an diesem Tag jedenfalls nicht nachvollziehen und schäme mich dafür vor meinen jüdischen Mitbürgern .
Bleiben wir wachsam und stehen wir weiter zusammen!

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