Bielefelder Verkehrsbetriebe geben jährlich 250.000 Euro für Reinigung aus
Stadtbahn-Putzen wie in der New Yorker Subway

Bielefeld (WB). Mitten in der Nacht auf dem Mobiel-Betriebshof Sieker: Die orangefarbenen Bürsten der Waschanlage fahren an einer Vamos-Bahn entlang. Die beiden aneinander gekoppelten Wagen haben eine Gesamtlänge von 70 Metern – und sind nach 13 Minuten blitzblank sauber.

Dienstag, 14.01.2020, 11:17 Uhr aktualisiert: 14.01.2020, 12:04 Uhr
Nacht für Nacht nehmen die Bielefelder Verkehrsbetriebe den Kampf gegen den Schmutz in und an Stadtbahnen und Bussen auf. Foto: Bernhard Pierel
Nacht für Nacht nehmen die Bielefelder Verkehrsbetriebe den Kampf gegen den Schmutz in und an Stadtbahnen und Bussen auf. Foto: Bernhard Pierel

Patrick Oliver Battré ist stellvertretender Betriebsleiter Technik. Er sagt, dass umweltschonend gewaschen wird: „Mit Brauchwasser aus den Werkstätten, das aufbereitet wird. So reduzieren wir den Frischwasserverbrauch um deutlich mehr als die Hälfte.“

Die Vamos-Züge und die insgesamt 81 älteren Stadtbahnwagen werden auch einshampooniert. Das Produkt ähnele denen, die in einer Auto-Waschanlage zur Anwendung kommen, sagt Battré: „Aber es ist höher dosiert.“ Das „Shampoo“ beinhalte außerdem Vorreiniger und Schmutzlöser. Die Fahrzeuge werden eigens mit Osmosewasser klar gespült. Grund: Das Wasser fließt dann ab, ohne Kalkflecken auf der dann makellosen Oberfläche zu hinterlassen.

Vier Mitarbeiter fegen Fahrzeuge aus

Die Mobiel-Bahnen müssen alle 14 Tage durch die Waschanlage – nachts und an den Wochenenden. Dichter wird der Reinigungstakt etwa im Winter, wenn Salzreste oder Splitt die Fahrzeuge verschmutzen.

Zum Vergleich: Die 126 Mobiel-Busse werden alle drei Tage durch eine der beiden Waschanlagen in Sieker oder in Sennestadt geschickt. Waschzeit pro Bus: zweieinhalb Minuten – außen. Denn Busse und Stadtbahnen werden natürlich auch innen sauber gemacht.

Dabei kommt Handarbeit ins Spiel. Bis zu vier Mitarbeiter eines externen Dienstleisters fegen die Fahrzeuge aus, entfernen groben Schmutz und Abfall. Battré nennt dabei vor allem Schalen von Sonnenblumenkernen, Getränkedosen und -flaschen, Fastfood-Verpackungen. Die Vamos-Bahnen verfügten immerhin über Abfallbehälter, die „eigentlich immer voll sind“.

Einmal im Monat stehe eine Intensivreinigung an, alle zwei Monate für den Vamos eine Grundreinigung. Dazu gehören das Desinfizieren der Haltestangen, die Reinigung der Fahrzeug-Böden vor allem von Sohlenabrieb. Die Böden werden zudem zweimal jährlich neu versiegelt. Fensterputzen und – halbjährlich – die Reinigung der Sitzpolster stehen außerdem auf dem Programm.

Zwei Fahrer fahren die Bahnen nachts in die Halle

Mit einem Dampfreiniger – das identische Modell wird in den Subways in New York City eingesetzt – wird dann noch der letzte Dreck aus dem hintersten Winkel heraus geblasen, um dann zusammen gekehrt zu werden.

Pro Nacht, so Battré, würden sieben bis acht Bahnen gründlich gereinigt, an den Wochenenden 15 bis 16, weil dann auch der Tag für den Großputz zur Verfügung stehe.

Jedes Fahrzeug im Mobiel-Fuhrpark werde „jede Nacht angefasst“, also gereinigt. Dazu kämen noch die Putztermine „zwischendurch“. Nämlich mittags an den Stadtbahnendstationen, wenn Unrat entfernt werde. Die Reinigung der Fahrzeuge lassen sich die Verkehrsbetriebe pro Jahr 250.000 Euro kosten.

Patrick Oliver Battré versichert, dass Fahrzeuge, die mit Graffiti beschmiert seien, nicht wieder den Betrieb aufnehmen: „Sie kommen so schnell wie möglich in die Lackiererei.“ Neben den Reinigungskräften sind nachts zwei Fahrer tätig, die die Bahnen in die Waschhalle fahren, zwei weitere steuern die Busse.

Innenheizung bei Eis und Schnee

Der Vamos in der Waschanlage, der in diesem Fall den Namen von Bielefelds nordirischer Partnerstadt Enniskillen trägt, ist fast sauber. Marcus Becker wischt noch über die Instrumente im Fahrerstand. Sein Kollege Mohammed Ali zieht einen Fensterwischer über die Scheiben. Der Dampfreiniger hat seinen Dienst getan, wird aus der Bahn in die Halle getragen.

Oliver Battré drückt auf die entsprechenden Knöpfe, schaltet die Fahrleitung wieder ein, schließt die Türen. Der Enniskillen-Vamos ist sauber, das automatische Tor öffnet sich, er wird auf den Betriebshof zurück gefahren. Welches Fahrzeug wann gereinigt wird steht lange vorher fest, ist genau orchestriert. Und ja, so Battré, es werde kontrolliert, ob wirklich alles makellos ist: „Durch Stichproben.“

Battré freut sich, dass der Winter bislang so mild war. Seien Eis und Schnee vorher gesagt, beginne der Betrieb in Sieker noch eine Stunde früher als sonst. Um die Scheiben von Bahnen und Bussen zu enteisen, werde dann nämlich die Innenheizung eingeschaltet: „Dann haben es auch die ersten Fahrgäste warm.“

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