Mo., 30.03.2020

Radewiger Straße/Bäckerstraße: Facebook-Gruppe initiiert Aktion für Bedürftige Herfords Gabenbrücke

Immer wieder hängt etwas Neues an der Brücke: von Fischkonserven über Hundeleckerlis und Tempotaschentücher bis hin zu Butterkeksen.

Immer wieder hängt etwas Neues an der Brücke: von Fischkonserven über Hundeleckerlis und Tempotaschentücher bis hin zu Butterkeksen. Foto: Peter Monke

Von Heike Pabst

Herford (WB). An der Brücke zwischen der Bäckerstraße und der Radewiger Straße in Herford hängen Beutel voller Spenden: Pullover, Äpfel, Orangen, sogar Klopapier! Ein Pappschild erläutert: „Gabenbrücke. Für die, die es brauchen.“

Mitglieder der Facebook-Gruppe „Herford verbindet“ haben die „Gabenbrücke“ ins Leben gerufen, nachdem ein Mitglied am Dienstagabend das Foto eines ähnlichen „Gabenzauns“ aus Leipzig gepostet und dazu gefragt hatte, ob eine solche Einrichtung nicht auch in Herford möglich sei. Die Anregung nahmen die Gruppenmitglieder begeistert auf. Sie suchten einen aus ihrer Sicht gut geeigneten Standort.

Britta McIntyre startet das Angebot

Während online noch diskutiert wurde, schuf Britta McIntyre am Mittwoch Tatsachen. Sie malte ein Hinweisschild aus Pappe und hängte die ersten Beutel an die Brücke zwischen Radewiger Straße und Bäckerstraße. „Da gehen auch jetzt noch immer ziemlich viele Menschen vorbei.“ Die 51-jährige Herforderin wohnt in der Nähe und kann das Geschehen im Blick behalten. „Einer muss halt anfangen“, sagt sie. „Wir können am Weltgeschehen nicht viel ändern. Aber im Kleinen, da hat man die Chance.“

Offenbar gibt es den Bedarf nach solchen Spenden, denn: „Am nächsten Tag war alles weg“, berichtet Britta McIntyre am Telefon. Leider auch das Schild, das jemand einfach abgerissen hatte. Davon ließ sie sich aber nicht beeindrucken. Sie malte ein neues. „Und ich werde die Tüten kontrollieren, damit der Inhalt nicht verdirbt.“ Sie habe sich zudem abgesichert: Das Ordnungsamt habe nichts dagegen.

Aktion ist ein Selbstläufer

Die Aktion ist bereits zum Selbstläufer geworden. Immer wieder kommen Menschen und hängen Spenden dazu. Und dann nimmt sich wieder jemand eine Tüte herunter. „Manche trauen sich nicht richtig und warten, bis es dämmert“, sagt Britta McIntyre.

Was genau an der Brücke hängt, ändert sich häufig. Am Donnerstagmorgen waren Tüten mit Fischkonserven, Hundeleckerlis, Tempotaschentüchern und Butterkeksen dort zu sehen. Auch ein Päckchen Butter steckte in einem der Beutel.

Auch Marita Weber macht mit. „Also ich mache es aus reiner Nächstenliebe“, sagt sie. „Seitdem die Tafeln und auch der Mittagstisch geschlossen sind, war mir klar, man muss da helfen.“ Die Herforderin hat selbst Kleidung und „Dosenmittag“ in Plastiktüten bereitgestellt: „Selbstgekochtes sollte da aber nicht rein, da muss man vorsichtig sein“, sagt sie.

Idee des „Gabenzauns“

Ursprünglich ist die Idee des „Gabenzauns“ in anderen Städten entstanden, um Obdachlosen und Tafel-Kunden unter die Arme zu greifen. Doch wer etwas in den öffentlichen Raum hängt, muss sich darüber klar sein, dass es keine Möglichkeit gibt, zu kontrollieren, wer sich dort bedient.

Das stört die meisten beteiligten Mitglieder der Herforder Facebook-Gruppe aber nicht: Trotz der Sorge, dass auch „Hamster“ zugreifen, wollen sie die „Gabenbrücke“ weiter bestücken. „Ich hänge da so lange etwas hin, wie ich selbst etwas zu geben habe“, sagt Britta McIntyre.

Kommentare

Vielen Dank

Vielen Dank an die Spender

Die Gabenbrücke hat mir jetzt am Monatsende sozusagen den Hintern gerettet.

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