Mo., 30.03.2020

Obsthof Otte lässt es in frostiger Nacht regnen, um die Apfelblüte zu schützen Eiszeit auf drei Hektar

Ein Gang durchs Winterwunderland an der Heidestraße: Obstbauer Karsten Otte hat in der Nacht zu Montag die Beregnungsanlage auf der drei Hektar großen Fläche eingeschaltet ­– nicht, weil das Eis so schön aussieht, sondern um die Blüten zu schützen.

Ein Gang durchs Winterwunderland an der Heidestraße: Obstbauer Karsten Otte hat in der Nacht zu Montag die Beregnungsanlage auf der drei Hektar großen Fläche eingeschaltet ­– nicht, weil das Eis so schön aussieht, sondern um die Blüten zu schützen. Foto: Bernd Bexte

Von Bernd Bexte

Hiddenhausen (WB). In der Nacht zu Montag hat Obstbauer Karsten Otte nur wenig Schlaf bekommen. „Das Warnthermometer hat Alarm geschlagen“, sagt er am Morgen. Die aktuelle Kaltfront trieb ihn um Mitternacht nach draußen, um die auf der Apfelwiese an der Heidestraße installierte Beregnungsanlage anzuschalten.

„Das klingt vielleicht zunächst komisch, aber wenn das Wasser gefriert, schützt es die Blüten“, erläutert Otte. Kristallisationswärme – das ist das Zauberwort in diesen Tagen. Sie wird freigesetzt, wenn ein Stoff seinen Aggregatzustand von flüssig zu fest ändert. Die beim Gefrieren des Wassers frei werdende Erstarrungswärme hält die Eistemperatur bei Null Grad und schützt folglich die eingeschlossenen Pflanzenteile vor Frostschäden. Diese seien an den Blüten so ziemlich das Schlimmste, was einem Obstbauern passieren könne.

Aus etwa drei Meter hohen Standrohren sprühen Düsen auch am Vormittag noch

Eine Apfelblüte unter dem Eispanzer Foto: Bexte

Wasser über die gut mannshohen Apfelbäume und verwandeln die Obstplantage in eine eiserstarrte Winterwelt. Vor 28 Jahren hatte Otte die Beregnungsanlage installiert. Allerdings wurden am Montag nur zwei Drittel der Fläche beregnet. „Die Stadtwerke haben mir auf dem übrigen Bereich das Wasser abgedreht.“

Schaden noch nicht absehbar

Das sei problematisch. „Da müssen wir drüber reden.“ So schön das Eis auch aussieht, es ist ein teurer Spaß. „Hier gehen 30 Kubikmeter pro Hektar in der Stunde durch.“ Er wisse mit dem Wasser sparsam umzugehen, „gerade nach den beiden letzten Dürresommern“. Es sei bei dem starkem Nachtfrost jedoch die einzige Möglichkeit, die Blüten zu schützen, die derzeit noch gut in die Kelchblätter eingepackt seien. „Das gewährt eine zusätzliche Frosttoleranz.“

Boskop, Wellant, Elstar, Braeburn, Alkmene, Gravensteiner – Otte baut auf 4,3 Hektar Äpfel an. Immer mal wieder seien sie im Frühjahr der Kälte ausgesetzt. Im vergangenen Jahr blieb die Beregnungsanlage allerdings aus, „vor zwei Jahren haben wir sie benötigt und vor allem 2017, da hatten wir bitterbösen Blütenfrost“. Wie groß der mögliche Schaden durch die plötzlich Kälte sei, könne er noch nicht sagen. „Man sieht das an den Blüten, wenn sie sich braun verfärben.“

In Sorge wegen fehlender Erntehelfer

Für Otte, der Obst auf insgesamt 24 Hektar anbaut, kommt es derzeit dicke. Nicht nur weil er jetzt eigentlich Urlaub in Portugal machen wollte, wovon er wegen der Corona-Pandemie abgesehen habe. Viel schlimmer: Das Virus verhindert, wie berichtet, dass Erntehelfer aus dem Ausland einreisen können. „Wir haben aber viele Mails von Leuten bekommen, die uns helfen wollen“, macht ihm die Solidarität ein wenig Hoffnung.

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