Mi., 01.04.2020

Herforder Konditoren trotzen der Corona-Krise – Kuchen in Klopapier-Optik Wenn Osterhasen Mundschutz tragen

Beim Schoko-Osterhasen aus der Konditorei Jach kann sich an den Feiertagen niemand mit Corona anstecken. Die Häschen tragen Mundschutz. Gesa Jach und ihr Team haben den Tipp zu dieser lustigen Idee von einer Kundin bekommen.

Beim Schoko-Osterhasen aus der Konditorei Jach kann sich an den Feiertagen niemand mit Corona anstecken. Die Häschen tragen Mundschutz. Gesa Jach und ihr Team haben den Tipp zu dieser lustigen Idee von einer Kundin bekommen. Foto: Kathrin Weege

Von Kathrin Weege

Herford (WB). Braune Hasen aus Vollmilchschokolade mit weißen Pfötchen und mit Mundschutz: Bei der Konditorei Jach sehen die handgefertigten Häschen in diesem Jahr anders als gewohnt aus. In Zeiten von Corona lassen sich die Herforder Konditoren etwas Besonderes für ihre Kunden einfallen und kreieren Kuchen und Schokoartikel ganz neu.

„Die Idee, einen Schoko-Osterhasen mit Mundschutz – er besteht aus Zuckerfondant – auszustatten, hatte eine Kundin. Sie hat uns einen Link geschickt. Wir fanden die Idee so prima, dass wir sie gleich umgesetzt haben“, sagt Gesa Jach von der gleichnamigen Konditorei am Gänsemarkt. Dabei zählt vor allem die Liebe zum Detail: Die Häschen kneifen die Augen zu, als müssten sie niesen. Den Mundschutz ziert ein rosa Blümchen. „Auch wenn wir derzeit deutlich weniger Kunden haben – es gibt fast keine Laufkundschaft – und der Café-Betrieb still steht, so hat die Krise auch etwas Gutes: Kreative Köpfe bringen neue Ideen hervor. Und vielleicht laufen die in der Zeit nach Corona weiter“, meint Gesa Jach. In der kleinen Konditorei wird alles von Hand gemacht. Jede Menge Pralinen warten auf Kunden. Einige Wochen sind sie noch haltbar. Und danach? Dann müsste neu produziert werden.

Café Kleine bietet Klopapierrollen-Kuchen

Das Klopapier im Supermarkt ist aus? Kein Problem! Im Café Kleine wird es am laufenden Band nachgefertigt – allerdings in Form von Kuchen. Seit Samstag wird es im Café angeboten. „Das erste Mal hatten wir 30 Rollen in der Auslage. Sie waren sofort weg. Wir haben jede Menge Bestellungen erhalten“, sagt Konditormeister Heinz Kleine. Eigentlich ist die Klopapierrolle ein kleiner Marmorkuchen. Er wird direkt in Rollenform gebacken und dann auf die Höhe einer Klopapierrolle geschnitten. Mit weißem Ausrollfondant überzogen, formt Kleine die richtige Optik. Dabei wird auch eine Struktur wie im echten Toilettenpapier eingearbeitet. „Wir fertigen auch Sonderwünsche an. Einige haben schon individualisierte Rollen mit einem Namen bestellt“, so Heinz Kleine.

Einbruch der Kundenzahl

Die Idee zur diesem kuriosen Marmorkuchen hatte seine Frau. „Sie hatte das Gebäck im Internet gesehen. Ein Bäcker in Dortmund bot es an“, sagt der 52-Jährige.

Einbrüche im Geschäft durch die Corona-Pandemie spürt auch Kleine deutlich. Der Café-Betrieb ruht, die Kundschaft ist weniger als gewohnt. Ein Schild am Eingang weist darauf hin, dass maximal drei Leute gleichzeitig das Ladenlokal betreten dürfen. Außerdem ist der Stand des Cafés in der Markthalle dicht.

Dennoch steckt in dem Betrieb keiner den Kopf in den Sand. „Trotz aller Ernsthaftigkeit der Lage – man muss es positiv sehen – hat man nun die Zeit, Dinge auszuprobieren, wofür sonst immer die Zeit fehlte“, sagt Kleine. Er stellt gerade aufwändige Likörkrustenpralinen her. „Pralinenkreationen sind meine große Leidenschaft“, verrät der Konditormeister, der in diesen Tagen auch jede Menge Schoko-Osterhasen selber produziert – mit roten Hemdchen oder schlicht braun-weiß.

Café Kettler hat buntes Toilettenpapier

Das Café Kettler an der Höckerstraße nimmt die Krise ebenfalls mit etwas Humor. Von heute, Donnerstag, an öffnet es von 12 bis 15 Uhr für den Verkauf – und wird unter anderem Biskuitgebäck mit Mandeln in Klopapierrollenform anbieten. „Wir machen zwei unterschiedliche Sorten: eine mit Aprikosencreme- und Schokostreuselfüllung und eine mit Nougatcreme und Schokocrunch“, sagt Konditormeisterin Heide Kettler. An der Farbe könne man sie unterscheiden: rosa oder zartblaues Rollfondant – jeweils gemustert – werde den Biskuitteig umhüllen. Am gestrigen Dienstag kreierte sie mit ihrem Mann Thomas, ebenfalls Konditor, die ersten Prototypen. „Ja auch Klopapier kann lecker sein“, sagt sie mit einem Lachen. Ihr Café hatte jetzt zwei Wochen geschlossen, weil es für ihre behinderte Tochter (19) keine Betreuung gab. „Da mussten wir zu Hause bleiben.“ Zudem war ihre ältere Tochter (23) auf den letzten Drücker aus Spanien zurückgekehrt und zunächst zwei Wochen in Quarantäne.(bex)

Konditormeister Heinz Kleine hat seinen Marmorkuchen als Klopapierrolle „verkleidet“. Und wie die „Originale“ im Supermarkt sind auch diese Exemplare bei den Kunden heiß begehrt. Foto: Weege

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