Sa., 04.04.2020

Wanderwege in Bielefeld bieten Freizeitvergnügen nicht nur in Corona-Zeiten Raus in die Natur

Uwe Biermann, Bezirkswanderwart in Bielefeld und Verbandswanderwart des Teutoburger-Wald-Verbandes, bereitet mit seinem Team aus ehrenamtlichen Wegzeichnern die Wandersaison vor. Wie hier auf dem Johannisberg, wo mehrere Wanderwege entlangführen, werden Wegezeichen ersetzt, die abhanden gekommen sind oder ganz neue Wege ausgeschildert.

Uwe Biermann, Bezirkswanderwart in Bielefeld und Verbandswanderwart des Teutoburger-Wald-Verbandes, bereitet mit seinem Team aus ehrenamtlichen Wegzeichnern die Wandersaison vor. Wie hier auf dem Johannisberg, wo mehrere Wanderwege entlangführen, werden Wegezeichen ersetzt, die abhanden gekommen sind oder ganz neue Wege ausgeschildert.

Von Peter Bollig

Bielefeld (WB). Wer für die Osterferien Reisepläne hatte, dürfte längst storniert, Besuche bei Freunden und Familie längst abgesagt haben. Was bleibt, wenn in Corona-Zeiten Freizeiteinrichtungen, Gastronomiebetriebe, Zoos und Museen geschlossen haben, ganze Feriengebiete abgeriegelt sind? Raus in die Natur, „gehen Sie wandern“, rät Helmut Bangert, Wegewart des Teutoburger-Wald-Verbandes. Etwa 800 Kilometer Wanderwege warten allein in Bielefeld auf die Besucher. In der Region, in der sich der Verband um die Wege kümmert, sind es rund 5000.

Konktrolle der Beschilderung

Und nach der Trockenheit der vergangenen Tage sind diese Wege in der Regel gut begehbar, sagt Helmut Bangert. Damit Wanderer sich nicht verlaufen, haben die ehrenamtlichen Wegezeichner zum Saisonstart die Beschilderung kontrolliert und neue Wegzeichen angebracht. In Bielefeld sind dazu rund 45 Ehrenamtliche aus Heimatvereinen und Ortsgruppen des Verbandes um Bezirkswegewart Uwe Biermann unterwegs. Im Gepäck haben sie stets ein Sortiment an Aluminium-Schildchen mit den verschiedenen Zeichen, wie etwa den Leineweber für den 14 Kilometer langen Leineweberweg oder das bekannte H für den Hermannsweg. Dazu eine Drahtbürste und einen Kratzer, um den Untergrund vorzubereiten, und Kleber, mit dem die Schilder an Bäumen angebracht werden. „Genagelt werden sie schon lange nicht mehr, um die Bäume zu schonen“, sagt Uwe Biermann. Etwa 3000 Schilder bringen die Helfer jedes Jahr an, um solche zu ersetzen, die abgefallen, gestohlen oder bei Fällarbeiten mit dem gesamten Baum verschwunden sind.

Die Wege sind also im wahrsten Wortsinn bereitet. Einige weniger beliebte sind in den vergangenen Jahren entfallen, neue dazu gekommen, unter anderem durch das dreijährige Projekt „Zukunftsfit wandern“, das jetzt beendet wurde. Routen wie „Von Burg zu Berg“ sind entstanden, ebenso der Weser-Lutter-Weg und der Ems-Lutter-Weg oder auch der Stadtrundgang. Im Zuge der Qualitätsoffensive sind neue Schilder aufgestellt worden, die unter anderem auf Parkplätze und Einkehrmöglichkeiten hinweisen.

Neue Aussichten

Angesichts der aktuellen Lage ist aber auch für Wanderer einiges anders. Nach den Stürmen und umfangreichen Fällarbeiten infolge des Borkenkäfer-Befalls „gibt es vor allem auf den Kammwegen plötzlich freie Aussichten, die es vorher nicht gab“, sagt Helmut Bangert. Trotz dieser Eingriffe seien alle Wege begehbar, möglicherweise haben Fahrzeuge bei Rücke-arbeiten dort aber einige Spuren hinterlassen. Allenfalls könne es im Zuge von laufenden Rodungsarbeiten zu kurzzeitigen Sperrungen kommen. Er appelliert, sich an die mit Warnschildern gekennzeichneten Sperrungen unbedingt zu halten.

Und auch auf den Wanderwegen macht sich die Corona-Krise bemerkbar: Mit Blick auf das Kontaktverbot rät Bangert, nicht in Gruppen zu wandern, sondern nur zu zweit beziehungsweise in der Familie. Zudem sind einige Sehenswürdigkeiten wie das Hermannsdenkmal oder die Externsteine geschlossen, und auch die üblichen Einkehrmöglichkeiten fallen derzeit aus. Schon deshalb gehört ein Rucksack mit auf die Tour mit Verpflegung und Getränken. Viele Bänke laden zur Pause ein, aber auch dazu ein Appell: „Lassen Sie bitte keinen Müll in der Landschaft zurück.“

Helmut Bangert hat schon in den vergangenen Tagen etliche Wanderer ausgemacht. „Die Wanderparkplätze werden gut genutzt“, sagt er.

Krokusse, Schneeglöckchen, Bärlauch

Der Experte empfiehlt, nicht nur die stadtnahen Strecken wie den Hermannsweg zu nutzen. „Das Furlbachtal bietet jetzt schöne Aussichten mit den Frühblühern.“ Vor allem auf der Südseite des Teutoburger Waldes steht einiges in der Blüte: Krokusse und Schneeglöckchen sind dieser Tage zu sehen, bald ist auch der Bärlauch dran. Attraktiv seien der Lederblümchenweg in Werther und Steinhagen oder die Etappen der Natur-Zeit-Reisen in Brackwede und Senne, die sich auch kombinieren ließen – je nach Kondition und Lust. Auch andere Rundwanderwege wie der Neulandweg bieten sich an, weil bei einer Anreise mit dem Auto der Parkplatz zum Ende der Runde wieder erreicht wird.

Übernehmen sollte man sich freilich nicht. Touren von einer Stunde bis zu einem halben Tag oder länger bietet das Wegenetz. Für die erste Tour empfiehlt Helmut Bangert Distanzen von sechs bis acht Kilometern. Gerade wer mit Kindern unterwegs ist, sollte den Blick auf die Natur lenken. „Kraniche, Gänse und Störche, erste Falter sind unterwegs“, sagt der Verbandswegewart. „Sammeln Sie doch mal Blätter, um sie später einzupressen“. Das sei „ein bisschen wie früher“, aber es passt auch zur aktuellen Situation, wo Menschen entschleunigen und sich vielleicht auch rückbesinnen auf eine etwas einfachere und langsamere Lebensweise.

Tipps und interaktive Karten für die einzelnen Wanderwege gibt es im Internet, unter anderem auf www.teutonavigator.de und www.teutoburgerwaldverband.de

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