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Mi., 24.08.2016

Jacqueline Lutterkort holt Arminia für Benefizspiel nach Pium Bescheidene Lebensretterin

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Jacqueline Lutterkort ist Arminia-Fan und Knochenmarkspenderin bei der DKMS. Für ein Benefizspiel lotste sie ihren Herzensverein nach Pium. Im Stadion tritt der DSC gegen Drittligist und Pokalschreck Sportfreunde Lotte an.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Jacqueline Lutterkort ist Arminia-Fan und Knochenmarkspenderin bei der DKMS. Für ein Benefizspiel lotste sie ihren Herzensverein nach Pium. Im Stadion tritt der DSC gegen Drittligist und Pokalschreck Sportfreunde Lotte an. Foto: Dresing

Von Jan Dresing

Borgholzhausen(WB). Wenn Arminia Bielefeld am Freitag, 2. September, im Ravensberger Stadion zum Testspiel aufläuft, dann ist das vor allem Jacqueline Lutterkorts Verdienst. Sie ist ein glühender DSC-Fan – und sie ist als Knochenmarkspenderin eine echte Lebensretterin.

Denn die 23-Jährige hatte 2013 mit ihrer Spende einem Mädchen aus Kanada geholfen. Mit 18 Jahren ließ sich die Piumerin typisieren und es dauerte nicht lange, bis sich die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) meldete. In einem Brief teilte die Organisation Jacqueline Lutterkort mit, dass sie für eine Empfängerin als Spenderin in Frage komme.

Nach Blutentnahmen durch den Hausarzt und Voruntersuchungen in Köln und wurde es im September 2013 konkret: In einem einstündigen Eingriff wurde Jacqueline Lutterkort Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen – unter Vollnarkose. »Aber ich habe keine Sekunde daran gezweifelt, zu spenden. Es kam für mich nicht in Frage, einen Rückzieher zu machen. Ich hatte die Möglichkeit, ein Leben zu retten«, sagt die Studentin.

Als sie vom Arzt hörte, dass die Spende für ein 15-jähriges Mädchen aus Kanada sei, war sie sehr berührt. Sie suchte sofort Kontakt zur Empfängerin, zunächst noch anonym über die DKMS als Vermittlerin. Denn: Zwei Jahre lang lässt diese keinen direkten Austausch zu. Nach zwei Jahren – und aufgrund der Beharrlichkeit von Jacqueline Lutterkort – meldete sich die DKMS schließlich und vermittelte die Kontaktdaten. Die junge Frau hatte endlich einen Namen: Renata Hilliard.

»Beim Lesen der ersten E-Mail liefen bei mir die Tränen«, sagt die Spenderin. »Das war extrem berührend und ist kaum zu beschreiben.« Auf der anderen Seite sei es nicht einfach, mit der großen Dankbarkeit der kanadischen Familie umzugehen.

Von beiden Familien besteht der Wunsch, sich einmal zu treffen. »Ich bin schon sehr gespannt. Es gibt jemanden auf der Welt, der mein genetischer Zwilling ist«, führt die Piumerin aus. Im Mai hätte es beinahe geklappt: Die DKMS feierte in Berlin ihr 25-jähriges Bestehen und führte mehrere Spender und Empfänger zusammen. Doch kurz vorher bekam Renatas Schwester, die ebenfalls an einer chronischen Anämie erkrankt war, eine Knochenmarkspende – von der dritten, aber gesunden Schwester der Familie. »Es ist schon komisch, dass die Spende für die eine Schwester passt, für die andere jedoch nicht«, wundert sich Jacqueline Lutterkort.

Und wie fühlt man sich als Lebensretterin? Die Spenderin reagiert zurückhaltend. »Ich habe ja nicht viel dafür getan«, betont sie. »Es sollte viel selbstverständlicher sein.« Seit ihrer Spende hat sich die 23-Jährige viel für die DKMS eingesetzt, hat sogar in Bad Salzuflen eine Typisierungsaktion auf die Beine gestellt.

Jacqueline Lutterkort möchte für die Knochenmarkspenderdatei werben – und ließ daher ihre Kontakte zu Arminia Bielefeld spielen. »Ich habe Christian Venghaus und Sebastian Hille angeschrieben, mit denen ich befreundet bin«, erklärt sie.

Und Arminias ehemaliger Publikumsliebling Hille sagte, nach Rücksprache mit dem Trainerteam um Rüdiger Rehm, schnell zu. »Das ganze Organisationsteam war vom Hocker«, berichtet die Ehrenamtliche, die beim TuS Solbad Ravensberg im Beirat für den Bereich Soziales Engagement aktiv ist. »Das ist für Borgholzhausen ein Highlight. Das gab’s hier noch nie.«

Die Leidenschaft der Studentin liegt übrigens in der Familie: Ihr Vater sieht seit mehr als 40 Jahren nahezu jedes Spiel, Jacqueline Lutterkort hat seit elf Jahren eine Dauerkarte, erst auf Block 6, nach dem Abriss der alten Osttribüne auf Block 3. Und sie ist die Gründerin des ersten Artur-Wichniarek-Fanclubs. »Den gibt es zwar nicht mehr, aber ich bin noch gut mit Artur befreundet«, sagt die Frau mit der stattlichen Trikotsammlung, die meisten davon signierte Originale. »Wir treffen uns einmal im Jahr.«

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