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So., 02.07.2017

Feinkosthersteller Homann baut für 500 Millionen Werk in Sachsen Das Aus für Dissen ist endgültig

Der Homann-Stammsitz in Dissen im Landkreis Osnabrück. Der Standort mit rund 1000 Mitarbeitern soll im Jahr 2020 aufgegeben werden – nach 144 Jahren.

Der Homann-Stammsitz in Dissen im Landkreis Osnabrück. Der Standort mit rund 1000 Mitarbeitern soll im Jahr 2020 aufgegeben werden – nach 144 Jahren. Foto: dpa

Von Oliver Horst

Dissen (WB). Was sich seit Monaten abgezeichnet hat, ist seit Freitag endgültig beschlossene Sache : Der zur Firmengruppe von Milchmulti Theo Müller gehörende Feinkosthersteller Homann wird 2020 – nach dann 144 Jahren – den Stammsitz in Dissen (Landkreis Osnabrück) aufgeben. Für rund 500 Millionen Euro werde bis dahin ein Neubau im sächsischen Leppersdorf entstehen.

Sobald der Neubau in Betrieb geht, werden auch drei weitere der sechs deutschen Werke geschlossen: in Bad Essen bei Osnabrück, Bottrop und Floh-Seligen­thal (Thüringen). Bestehen bleiben die Werke in Rogätz (Sachsen-Anhalt), Sassnitz (Mecklenburg-Vorpommern) sowie zwei Standorte in Polen.

3000 Mitarbeiter betroffen

Betroffen von der endgültigen Entscheidung des Aufsichtsrates sind von den insgesamt 3000 Homann-Mitarbeitern rund 1550 – davon etwa 1000 in Dissen und 200 in Bad Essen. Das neue Werk in Leppersdorf soll etwa 800 Arbeitsplätze bieten. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) hat Mitte Juni EU-Subventionen für die Neuansiedlung beantragt.

Die endgültige Entscheidung verkündete das Unternehmen am Freitag nach einem letzten Gespräch mit dem Betriebsrat über mögliche Alternativen. Schon im April war Leppersdorf als favorisierter Standort für den Neubau genannt worden. Müller betreibt dort bereits die »Sachsenmilch«- Molkerei mit 2300 Mitarbeitern.

Zwischenzeitliche Gespräche mit Betriebsräten, der Gewerkschaft NGG und der niedersächsischen Politik über eine Zukunft in Dissen hätten zu keinem anderen Ergebnis geführt, teilte das Unternehmen mit, das zuletzt 630 Millionen Euro umgesetzt hat. Auch die vom Betriebsrat mit externen Fachleuten entwickelten Alternativkonzepte hätten sich »betriebswirtschaftlich als nicht dauerhaft tragfähig erwiesen«.

»Große Enttäuschung«

Homann-Betriebsratschef Andreas Straede sprach von einer »großen Enttäuschung. Wir hatten bis zuletzt noch Hoffnung.« Direkt nach Abschluss der Präsentation des Alternativkonzepts am Freitag sei den Arbeitnehmervertretern die Entscheidung verkündet worden. »Wir hatten von Anfang an den Eindruck, dass die Bereitschaft zu einer ergebnisoffenen Diskussion fehlt, unsere Vorschläge nicht für voll genommen werden und es eine Vorfestlegung auf Leppersdorf gibt.«

Das Alternativkonzept mit einem Neubau in Dissen hätte um 100 Millionen Euro geringere Kosten aufgewiesen – »wegen geringerer Sozialplankosten und günstigerer Logistikkosten angesichts der Nähe zum Hauptabsatzgebiet im Nordwesten«. Die Arbeitnehmerseite habe auch die Bereitschaft zu Abstrichen von Tarifleistungen signalisiert – ohne Erfolg.

Sozialplan soll ausgehandelt werden

Für die betroffenen Mitarbeiter soll nun möglichst schnell ein Interessenausgleich und Sozialplan ausgehandelt werden. Dabei will Homann den Beschäftigten »vorrangig einen Wechsel nach Leppersdorf« anbieten. Es gebe erste Abwanderungsbewegungen, die einzelne Abteilungen bereits an die Grenze bringe, sagt Straede. Verstärke sich der Mitarbeiterverlust, könnte es Probleme geben, den Betrieb aufrecht zu erhalten. »Auch deshalb müssen die Mitarbeiter schnell wissen, was es ihnen bringt, noch zu bleiben.«

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