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Mo., 06.11.2017

Gabriele Banko beim Chansonabend in Borgholzhausen Starke Lieder starker Frauen

Um Liebe und Leidenschaft geht es im Konzert mit Gabriele Banko, begleitet von Johannes Grundhoff (links) und Gero John.

Um Liebe und Leidenschaft geht es im Konzert mit Gabriele Banko, begleitet von Johannes Grundhoff (links) und Gero John. Foto: Gerhards

Borgholzhausen (jog). Beim »Spaghetti Kavalier« gibt es kein Filet »Stroganoff«. Denn »eine Frau wird erst schön durch die Liebe« und nicht durch übermäßigen Pastagenuss. Kulinarische Themen spielten nur eine Nebenrolle.

Hauptsächlich ging es um Liebe, Sehnsucht und Leidenschaft, als Gabriele Banko im »Gleisklänge« berühmten Interpretinnen ein musikalisches Denkmal setzte. Auf Einladung von Hospizgruppe, DRK Haus Ravensberg und Kreisfamilienzentrum gastierte die Sängerin, der ihre Großmutter »eine Stimme wie ein Saufbold« bescheinigt hatte, in Pium. Begleitet von Gero John (Cello) und Johannes Grundhoff (Piano) entführte sie 60 Zuhörer in die Welt von Hildegard Knef, Dalida, Zarah Leander und Margot Werner.

Dem Vorschlag ihres Vaters, »Sing doch was von Heino«, ist die Altistin nie gefolgt. Auch wenn sie als Zwölfjährige den »Spuckeaustausch beim Küssen nicht als erstrebenswert« ansah und bei Hildegard Knef keineswegs voller Begeisterung mitsang, interpretiert sie heute mühelos die Songs der großen Diven des 20. Jahrhundert.

Leicht umgedichtet

Hier und da erliegt sie ihrem »missionarischen Eifer zum Umdichten« und fügt würzende aktualisierende Zeilen ein. So wird »Er heißt Waldemar« durch »Geflügelzüchter Ottokar« ergänzt. Zudem habe manche Frau erkannt, dass neben Liebe auch Solarium, Botox und Rasur zur Schönheit beitragen – wenn man Barbiepuppen-Ideale zugrunde legt.

Liebe macht schön blind und jugendliche Ausstrahlung hat ihre Grenzen, das wird schmerzhaft klar, wenn in Dalidas Song der 18-jährige Lover die Affäre mit der dreimal so alten Gefährtin eher »sportlich« sieht. Ob Lale Andersen wohl jemals von ihrer Laterne weg gekommen ist, fragt sich Gabriele Banko in der Anmoderation zur »Roten Laterne von St. Pauli« und behauptet weiterhin: »Scharfe Frauen sind nicht scharf, sie machen scharf«, ehe sie »Kann denn Liebe Sünde sein« intoniert.

Liebe macht schön blind

Alexandras traurig-sentimentales »Mein Freund, der Baum«, die Klassiker »Für mich soll’s rote Rosen regnen« und »Ich brauch Tapetenwechsel« der Knef gehören zu den Höhepunkten. Helen Vitas epischer Zungenbrecher »Stroganoff« begeistert. »Wenn man der Sehnsucht des Fleisches zu sehr folgt, kann ein Fleischgericht herauskommen«, sagt Gabriele Banko über die Ballade, in der ein gewisser Schmutzkinoff aus Eifersucht zerstückelt wird.

Sie überzeugt mit variationsreicher Gesangstechnik, zu der schrille und knarzige Töne gehören. Ihre Musiker liefern den perfekten Klangteppich, setzen virtuose Akzente und fügen dann und wann rein instrumentale Intermezzi ein.

»Ich habe im Leben nichts bereut« nach Margot Werner, lautet das Fazit des Konzerts. Es folgt als Zugabe »Am Tag, als der Regen kam« und »Nur nicht aus Liebe weinen«, bei dem die Zuhörer das Trio mit rhythmischen Klatschen herzlich verabschieden.

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