Mo., 15.10.2018

Faszinierendes Konzert des Niedersächsischen Vokalensembles in Borgholzhausen Klang der Weisheit

Foto: Johannes Gerhards

Von Johannes Gerhards

Borgholzhausen (WB). Im Juni hat das Ensemble beim 6. Deutsch-Niederländischen Kirchenmusikpreis den 1. Platz belegt. Jetzt konnten sich die rund einhundert Besucher in der Evangelischen Kirche Borgholzhausen von dessen klanglichen Qualitäten und seiner musikalischen Souveränität persönlich überzeugen.

Auf Initiative von Joachim Siegel, dem Leiter des Osnabrücker Universitätschores, wurde vor vier Jahren das Niedersächsische Vokalensemble gegründet. Seitdem treffen sich semiprofessionelle Sängerinnen und Sänger zur Erarbeitung anspruchsvoller Chormusik. Ganz bewusst wird die gesamte Vielfalt geistlicher und weltlicher Werke aus allen Epochen mit einbezogen.

25 Sänger setzen sich im aktuellen Projekt mit dem Wunsch nach Offenbarung auseinander

Im aktuellen Projekt beschäftigen sich die 25 Sänger mit dem Wunsch nach Offenbarung, einem damit verbundenen Weisheitsbegriff und dessen musikalischer Entsprechung in chorischen Werken. Eröffnet wird das Konzert mit »O Sapientia«, einer Bearbeitung des zeitgenössischen britischen Komponisten Bob Chilcott, dem ein Stück von Robert Ramsey (1590-1644) zugrunde liegt. Anfangs an Gregorianik erinnernde Klänge gehen über zu an Intensität und Dynamik vor und zurück brandenden Tonfolgen, die sich in feinsinnigem Gesamtklang vereinen.

Aus der gleichen Epoche stammt »Das ist gewisslich wahr« von Heinrich Schütz. Er gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks, der auch geistliche Vokalmusik mit deutschem Text komponiert hat. Die Textfragmente bewegen sich – wiederholend und bekräftigend - durch alle Stimmen, um sich beim finalen Gotteslob zu vereinen. Dazu bilden die sechs kurzen Sätze von »Bendita Sabedoria« des bekanntesten brasilianischen Klassikkomponisten Heitor Villa-Lobos einen gewissen Gegensatz.

Auf beeindruckende Weise die musikalische Vielfalt von Weisheit dargestellt

Von tiefen zu hohen Tonlagen aufbauend oder umgekehrt abfallend, auf Vokale reduzierter Chorgesang, kurzweilig fröhlich daher kommendes »Lalala«, sphärische Klänge mit fast atonalen Aspekten – so verdeutlicht das Ensemble auf beeindruckende Weise die musikalische Vielfalt von Weisheit. Unterstrichen wird dies mit Bruckners »Os justi«. Nach kraftvollem Beginn folgt eine eher nachdenkliche Phase, die schließlich in zunehmender Gewissheit aus »dem Mund des Gerechten« gipfelt.

Die Motette »Wohl dem Menschen, der Weisheit findet« vom Brahms-Schüler Gustav Jenner (1865–1920) bildet Kern- und Schlusspunkt des hochkarätigen Konzertnachmittags. Den vokalen Hochgenuss ergänzt der 1988 in Halle geborene Marco Johanning mit einem sehr meditativen Orgelsolo des estnischen Komponisten Arvo Pärt und Auszügen aus Bachs Triosonate Nr. 4 in e-Moll.

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