»Das kommt mir nicht in die (Plastik-) Tüte«: WESTFALEN-BLATT-Leser geben Tipps
Wie zu Großmutters Zeiten

Gütersloh (WB). Weniger Plastikmüll, weniger Abgase, mehr Umweltbewusstsein: Seit Anfang des Jahres geht WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Dunja Delker in ihrem Alltag mehr grüne Schritte. Und das Schöne: Viele Menschen kommen mit. Die Tipps der Leser zeigen: Der Weg zu mehr Umweltbewusstsein erinnert oft an die Rückkehr zu Großmutters Zeiten.

Mittwoch, 06.02.2019, 15:00 Uhr aktualisiert: 06.02.2019, 17:10 Uhr
Aus Kernseife, Citronensäure, Soda, Natron und Essig lassen sich eine Vielzahl von Reinigungsmitteln und Kosmetikartikeln selbst herstellen. Dadurch spart man nicht nur Verpackungsmüll, sondern kann sich auch sicher sein, dass sich in den Mitteln kein Mikroplastik oder Ähnliches verbirgt. Foto: Dunja Delker
Aus Kernseife, Citronensäure, Soda, Natron und Essig lassen sich eine Vielzahl von Reinigungsmitteln und Kosmetikartikeln selbst herstellen. Dadurch spart man nicht nur Verpackungsmüll, sondern kann sich auch sicher sein, dass sich in den Mitteln kein Mikroplastik oder Ähnliches verbirgt. Foto: Dunja Delker

»Wir sind bis zu sieben Personen«, schreibt Anja Nieland in ihrer Reaktion auf die WESTFALEN-BLATT-Sonderseite . »Bei uns wird die gelbe Tonne nur alle vier Wochen abgeholt. Das reicht nicht.« Deswegen versucht die Paderbornerin, Plastikmüll zu reduzieren. Sie hat die Erfahrung gemacht: Das größte Einsparpotenzial ist frisches Kochen.

Frisch statt fertig

• Kartoffeln gibt es immer unverpackt. Bratkartoffeln, Püree usw. mache ich immer selbst.

• Anstatt abgepackten Salat kaufe ich unverpackten Kopfsalat.

• Lose Tomaten.

• Säfte in Mehrwegverpackung.

• Grundnahrungsmittel in großen Paketen. Das spart Müll.

• Spülmaschinen-Pulver anstelle der eingeschweißten Tabs.

• Brot vom Bäcker anstatt des abgepackten aus dem Supermarkt.

• Kleine Einheiten bei Süßigkeiten vermeiden, zum Beispiel anstatt Minis von Gummibärchen eine große Tüte lose.

• Anstatt Gemüsekonserven aus Metalldosen eingefrorenes Gemüse in Pappschachteln kaufen.

Pads selbst nähen

Margit Brand , Redakteurin in der WB-Lokalredaktion Halle, hält ebenfalls Tipps parat:

• Waschbare Wattepads finde ich eine super-sinnvolle Sache. Deshalb habe ich neulich welche genäht aus alten Frottierhandtüchern (für die raue Seite) und weicher Baumwolle. Nur: Es müsste mir mal jemand sagen, wie man die Dinger wieder sauber bekommt. Wasserfeste Mascara hinterlässt unschöne Flecken. Nur deshalb die Waschmaschine auf 95 Grad hochdrehen (tun wir ja aus Umweltschutzgründen eben nicht!) finde ich nicht gut. Vermutlich muss man von Anfang an dunkelgraue Handtücher zerschneiden?

• Ich kaufe Plastik, bevor es sagen muss: »Ich wurde vergebens hergestellt.« Will sagen: In meinem Einkaufskorb landen unbedingt die Waren, die wegen des nahenden Mindesthaltbarkeitsdatums schon einen roten Punkt haben. Ich weiß, dass viele darum einen großen Bogen machen. Aber ich finde das richtig Blödsinn – auch was  tatsächlich »abgelaufene« Sachen im eigenen Kühlschrank angeht. Auf diese Weise hat die (Plastik-)Verpackung immerhin noch das erreicht, wozu sie hergestellt wurde: Ware schützen. Nebenbei spart man noch Geld.

• Spontankäufe sind oft überflüssig. Bevor ich als Schnäppchenjägerin zuschlage, überlege ich mir, ob ich es wirklich brauche. Hat auch schon manchen Euro gespart.

• Im Sinne der Umwelt (zugegeben: nicht nur...) versuche ich gerade, meinen Sohn davon zu überzeugen, dass man Klamotten nicht waschen (lassen) muss, nur weil man zu faul ist, die Sachen fürs nächste Mal zusammenzufalten und in den Schrank zu legen.

Hühner Halten

Waltraud Kruse-Jostmeier zerschneidet T-Shirts, Unterhemden, Bettwäsche und andere Textilien und nutzt sie als »Zewa«-Ersatz. Weitere Ideen:

• Seit vielen Jahren benutze ich Omas alte Einkochgläser als »Tupper«-Ersatz. Wunderbar zum Aufwärmen von Speisen im Wasserbad oder Mikrowelle.

• Wer etwas Platz im Garten hat, sollte sich Hühner anschaffen. Mit wenigen Stabmattenzäunen und einer Holzhütte lässt sich gut ein kleiner Hühnerhof bauen. Die Tiere lieben Essensreste, scharren gerne im Rasenschnitt und anfallenden Laub und als Dank bekommt man noch Eier. »Zum Glück lebe ich auf einem kleinen Hof und habe immer Obst und Gemüse im Überfluss«, schreibt die Leserin aus Verl-Bornholte.

Zahnpasta selbst machen

Petra Huster-Rux ist Naturfriseurin. Die Harsewinkelerin benutzt seit Jahren Zahnpasta in Glasflaschen von der Firma »Hair Resource«. Außerdem gebe es Zahnpulver in der Papiertüte.

Wie sich Zahnpasta umwelt- und geldbeutel-schonend selbst herstellen lässt, weiß Marion Abel . Die Hallerin nutzt seit Jahren ein Rezept für Zahnpulver von www.smarticular.net . »Ich habe es mir in ein schönes Marmeladenglas gefüllt, und für Reisen nutze ich einfach ein entsprechend kleineres Glas«, schreibt sie. Auch ihr Zahnarzt habe sich noch nicht negativ geäußert. Auch Rezepte für Reinigungsmittel sind auf der Internetseite zu finden.

Alles nur Lüge?

Es gibt auch kritische Stimmen: »Was kann man gegen die fürchterliche Lüge der Klima-Erwärmung tun?«, fragt Joachim Burghardt . »Wir sammeln doch schon Plastik in den gelben Säcken, das angeblich recycelt wird. Ich habe noch nie Plastik ins Meer geworfen. Wenn die großen Kreuzfahrschiffe den Müll ins Meer kippen, braucht man sich nicht zu wundern«, schreibt der Gütersloher. Dass die Kosmetikindustrie Mikroplastikpartikel verwendet, müsse verboten werden. Was nicht wieder verwertet werden könne, soll aus seiner Sicht verbrannt werden. Das gebe Wärme, Energie und Strom. Burghardt: »Die Abgase werden gefiltert.« Er regt an, Verpackungen zu erfinden, die sich schneller wieder auflösen.

Haben Sie Antworten, weitere Fragen oder wertvolle Tipps? Schreiben Sie gern an: d.delker@westfalen-blatt.de

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